Ein Studium mit grosser Anziehungskraft

Von Christian Fink. Aktualisiert am 15.03.2010

Am Institut für Medienwissenschaft der Universität Basel stehen die Vielfalt der Medien sowie ihr Einfluss auf Mensch, Kultur und Gesellschaft im Zentrum.

Reden und verstehen. In der Mediengesellschaft sind die Möglichkeiten äusserst bunt.

Reden und verstehen. In der Mediengesellschaft sind die Möglichkeiten äusserst bunt.

Ute Holl ist Professorin für
Medienwissenschaften. Sie studierte Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie in Freiburg i. Br. und Rom bis zum Magisterabschluss, war Verlagslektorin, freie Filmemacherin und Redaktorin beim NDR-Fernsehen in Hamburg. Sie habilitierte 2009 zum Thema «Topologie des Kinos» und wurde als Professorin für Medienphilosophie an die Bauhaus-Universität Weimar berufen. Seit August 2009 ist Holl Ordinaria für Medienwissenschaft an der Universität Basel.

Ute Holl ist Professorin für Medienwissenschaften. Sie studierte Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie in Freiburg i. Br. und Rom bis zum Magisterabschluss, war Verlagslektorin, freie Filmemacherin und Redaktorin beim NDR-Fernsehen in Hamburg. Sie habilitierte 2009 zum Thema «Topologie des Kinos» und wurde als Professorin für Medienphilosophie an die Bauhaus-Universität Weimar berufen. Seit August 2009 ist Holl Ordinaria für Medienwissenschaft an der Universität Basel.

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Wer vor 30 Jahren das Handwerk des Journalisten erlernen wollte, konnte dies in einer Art Nachdiplomstudium an der Ringier-Journalistenschule in Zofingen tun. Dazu liess sich bestenfalls ein Praktikum bei einer Zeitung, beim Fernsehen oder beim Radio absolvieren. Wer eher Appetit auf Medienarbeit mit wissenschaftlichem Background hatte, schrieb sich an der Uni Zürich im Fach Publizistik ein. Das wars, was in Sachen Medienausbildung angeboten wurde. Viele Journalisten fanden in dieser Zeit nach dem Uni-Studium durch Learning by Doing in den Beruf. 1984 kam das Medienausbildungszentrum (MAZ) – die Schweizer Journalistenschule – hinzu.

Doch mittlerweile hat die schöne, neue Medienwelt ein vielfältiges Gesicht erhalten. Die neuen Medien haben – dem Internet und der digitalen Revolution sei Dank – viele neue und miteinander vernetzte Kanäle der Wissensvermittlung geschaffen. Entsprechend verändert hat sich die universitäre Ausbildung: Im vor acht Jahren gegründeten Institut für Medienwissenschaft an der Uni Basel ist die Thematik weit gefächert und umfasst die Entwicklung von der Schrift über die Bildmedien bis hin zum Computer, dem Internet und dem Web 2.0. «Aufgrund der massgeblichen Beteiligung der Medien bei der Veränderung von Kultur, Kommunikation und Gesellschaft ist der Horizont des Fachs an der Universität Basel interdisziplinär und interfakultär ausgerichtet», erläutert Professor Christoph Tholen die Zielrichtung des Studiengangs. Tholen hat die Ausrichtung der Medienwissenschaft als Begründer des Instituts an der Uni Basel vor acht Jahren wesentlich geprägt.

Wissensvielfalt

Die Einführung des Computers hat in allen gesellschaftlichen Bereichen eine neue Epoche eingeläutet. Via Internet können Schauplätze, von denen bis zur Erfindung des Fernsehens nichts oder kaum etwas bekannt war, herbeigezoomt werden (zumindest durch jene, die über die entsprechende Hardware verfügen). Dies erweitert nicht nur das Wissensspektrum, sondern verändert auch die Wahrnehmung. Ein wichtiges Phänomen für die Medienwissenschaft: Ihr wächst die Aufgabe zu, Struktur und Wandel der Medien in historischer und systematischer Perspektive zu untersuchen.

Das Fach Medienwissenschaft bietet denn auch keine gradlinig skizzierte Lernstruktur an, sondern setzt sich aus fünf miteinander verknüpften Modulbereichen zusammen: Die Grundlagentheorien der Medienwissenschaft beschäftigen sich mit Geschichte und Theorien der Medien. Mediensoziologie, -ökonomie, -recht und -politik werden im Bereich Gesellschaft und Politik thematisiert; die Wahrnehmung widmet sich der Medienästhetik und Medienkultur; die Techniken der Medien werden im Bereich Medientechnologien untersucht. Und den Umgang mit diesen Techniken erlernen die Studierenden in medienpraktischen Kursen. Hierbei geht es um den Zugang zu konkreten Berufsfeldern beim Fernsehen, im Radio, bei den Printmedien oder im Kunstbereich.

Überrannt

Die Einführung des Fachs Medienwissenschaft in Basel war ein voller Erfolg. Die anfänglich zwei Professoren wurden beinahe überrannt. Darunter litt nicht zuletzt die Betreuung der Studierenden. Derzeit sind rund 600 Studierende eingeschrieben. Erst im vergangenen Herbst wurde Ute Holl als neue Professorin verpflichtet und gleich zur Institutsleiterin gekürt. Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Auch heute noch ist der Ansturm der Studierenden kaum zu bewältigen. Bachelor-Studentinnen und -Studenten haben kaum eine Chance auf eine Sprechstunde bei den Professoren. Solche sind ausschliesslich im Master-Studium möglich.

«Wir müssten noch mehr Unterstützung erhalten, zumindest was Lehraufträge angeht», sagt Ute Holl. «Auf Tutorate für die Vorlesungen mussten wir diesmal verzichten. Das geht an die Schmerzgrenze.» Linderung bietet allenfalls ein Assistenzprofessor, der im Herbst eingestellt werden soll. Damit soll die Arbeitsreduktion von Christoph Tholen auf 50 Prozent kompensiert werden.

Den Erfolg des Studienfachs Medienwissenschaft führt Ute Holl darauf zurück, dass das Basler Modell die kulturwissenschaftliche und die gesellschaftspolitische Seite gleichermassen in den Blick nimmt. Das grosse Interesse an «Mewi» vergleicht die Professorin mit dem früheren Interesse an der Philosophie: Es geht um die Frage nach dem Wissen und darum, wie sich Wissen konstituiert; es geht darum, unter welchen Bedingungen Wissen technifiziert wird: «Wir beschäftigen uns also nicht einfach nur damit, wie Radio im technischen Sinne funktioniert, sondern setzen uns damit auseinander, wie Medien das Denken transformieren. Dabei blicken wir weit zurück, beschäftigen uns aber auch mit den neuen und neuesten Medien.»

Dem Studiengang vorausgesetzt werden eine hohe Sprachkompetenz und eine historisch ausgerichtete Allgemeinbildung. «Die Studierenden brauchen eine ungeheure Wachheit und Aufmerksamkeit für die Dinge, die durch Medien um sie herum geschehen», sagt Ute Holl. Medienkompetenz werde, eigentlich naheliegend, vorausgesetzt. Aber dies hätten die heutigen Maturanden alle: «Sie sind mit den neuen Medien aufgewachsen.» Medienwissenschaft kann als Hauptfach in Kombination mit einem anderen Fach studiert werden. Die meisten studieren es als Nebenfach. Etwa die Hälfte der Bachelor-Studierenden absolviert nach dem Bachelor noch die Master-Ausbildung.

(Basler Zeitung)

Erstellt: 15.03.2010, 15:50 Uhr

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