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Beda Stadler: «Die Schweinegrippe ist vorbei»
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«Die grosse Pandemie kommt erst im Herbst»
Wegen der Schweinegrippe müssten im Herbst rund 1000 Personen hospitalisiert werden, prophezeit das BAG. Er habe keinen Anlass an den bisher kommunizierten Fakten und Prognosen zu zweifeln, sagte gestern Patrick Mathys, Leiter Sektion Pandemievorbereitung des Bundes, als er mit den Aussagen von Beda Stadler konfrontiert wurde. Die grosse Grippewelle stehe der Schweiz im Herbst erst noch bevor. Sie werde bis zu zwei Millionen Menschen betreffen, also drei bis vier Mal mehr als eine normale saisonale Grippe. Obwohl die Grippe meist relativ harmlos verlaufe und kein Arztbesuch nötig sei, rechne das BAG mit 400000 zusätzlichen Arztkonsultationen. «Etwa 1000 Patienten werden einen schweren Krankheitsverlauf haben und hospitalisiert werden müssen», so Mathys weiter. «Und rund 150 werden eine Intensivpflege von bis zu zwei Wochen benötigen.» Aktuell kämen täglich 20 bis 30 neue Fälle hinzu. Bis gestern waren es 726.
Derweil informierte die Eidgenössische Kommission für Impffragen über die bevorstehende Impfaktion. Die ersten Impfungen könnten voraussichtlich ab Oktober durchgeführt werden. Wo diese gemacht werden, ob beim Artzt oder in einem Impfzentrum, und wer die Kosten übernehmen wird, sei allerdings noch unklar, sagte Virgine Masserey, Leiterin Sektion Impfungen beim BAG. Dafür seien die Kantone zuständig. Laut Masserey wird die Impfung Personen aus Risikogruppen empfohlen, was einer Zahl von 1,2 Millionen bis 2 Millionen Menschen entspricht.
In 480 Apotheken der Schweiz findet darum vom 12.Oktober bis 7.November die Aktion «Noch geschützt?» statt. Interessierte lassen ihren Impfausweis elektronisch erfassen. Die neue Software errechnet den aktuellen Impfschutz und stellt die notwendigen Nachhol- und Auffrischimpfungen dar. Fachleute beantworten persönliche Fragen zum Thema. pas/sda
«Es scheint, wir sind noch einmal davongekommen», sagt Beda Stadler, Professor am Institut für Immunologie der Universität Bern. Die gefürchtete Schweinegrippewelle sei seiner Meinung nach bereits über die Schweiz hinweggezogen und wandere nun weiter Richtung Osten. Hier zu Lande könne man darum getrost Entwarnung geben – eine Meinung, die beim Bundesamt für Gesundheit BAG auf Unverständnis trifft (siehe Zweittext.) «Wir haben Schwein gehabt», sagt Stadler. «Das gefährliche Pandemievirus ist zu einer einfachen Sommergrippe mutiert.» Wäre die Grippe tatsächlich pandemisch, so müssten sich gemäss dem Experten die Fallzahlen von Woche zu Woche verdoppeln. Doch das Gegenteil ist der Fall: «Gemäss den Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit war der Gipfel der Ansteckungen vor zwei Wochen. Seit dann aber gehen die Zahlen stetig zurück.» (siehe Grafik)
Amerika hat es hinter sich
Stadler verglich die Daten des BAG mit internationalen Studien und sieht sich in seiner Einschätzung bestätigt: «Auch in Amerika ist der Höhepunkt der Schweinegrippe bereits überschritten.» Dort hätten gar weniger Menschen den Arzt aufgesucht als bei der vorhergegangenen normalen Grippe im Winter. Und auch in England, wo vor drei Wochen «eine riesige Hysterie» herrschte, sei das Virus bereits wieder auf dem Rückzug. «Wegen so etwas hat es früher keine globale Aufregung gegeben», lacht Stadler.
Es war nicht die erste Welle
Der Berner Immunologe glaubt, dass die Schweinegrippe die Welt schon früher heimgesucht hat. «Wahrscheinlich ist das Virus vor 50 oder 60 Jahren bereits einmal unerkannt durchgerauscht», sagt er. Nur so sei zu erklären, weshalb viele ältere Menschen von der diesjährigen Welle verschont blieben. «Ich vermute, dass die Senioren in ihrer Kindheit von dem Virus betroffen waren und darum heute immun dagegen sind.» Dass die Restimmunität noch immer nachwirke, zeige wiederum, dass das gefürchtete Virus vergleichsweise mild sei, nämlich «fünf bis zehn Mal harmloser als normale Grippeviren».
Aufregung umsonst?
Fürs Erste, so schliesst Stadler, sei die Gefahr gebannt. War also die ganze Aufregung umsonst? Hat die Schweiz 84 Millionen Franken für unnütze 13 Millionen Impfdosen in den Sand gesetzt? «Nein», sagt der Immunologe. Die Schweinegrippe sei nur ein erstes Mal um die Welt gezogen. «Und das Virus wird es bald wieder versuchen.» Daran bestehe kein Zweifel. Die grosse Gefahr bestehe darin, dass es auf seinem Weg um den Globus irgendwo mit der saisonalen Grippe oder der Vogelgrippe zusammentreffe. Das Virus könnte so zu einem viel aggressiveren Erreger mutieren und allenfalls sogar resistent werden gegen den in der Produktion befindlichen Impfstoff.
Auch wenn die Grippewelle bereits vorbei sein sollte, empfiehlt Stadler, sich gegen die Schweinegrippe zu impfen, sobald das Serum verfügbar ist. «Das ist eine Investition in die Zukunft», sagt er. Auch wenn der Impfstoff bei einer nächsten Grippewelle nicht mehr vollumfänglich schützen sollte, so böte er doch einen gewissen Schutz. «Am besten spritzt man die saisonale Grippeimpfung in den linken Arm, jene gegen Schweinegrippe in den rechten», sagt Stadler. Pascal Schwendener (Berner Zeitung)
Erstellt: 14.08.2009, 08:03 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





