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Risikofaktoren und Sterblichkeit
Anfragen in Zürcher Spitälern
Die Besorgnis ist nach dem Todesfall des Basler Säuglings auch in Zürich spürbar gestiegen. Im Impfzentrum haben sich bereits am Morgen mehr Eltern von Kleinkindern impfen lassen. Laut Christoph Hatz, Leiter des Zentrums für Reisemedizin, hat es keine Warteschlangen vor dem Impfzentrum gegeben, aber man musste mit Wartezeiten von 30 Minuten rechnen.
Auch in der Kinderklinik des Stadtspitals Triemli gingen gestern sehr viele Anfragen ein, wie Sprecherin Susanna Heckendorn sagt. «Die Besorgnis unter den Eltern ist auch unabhängig vom Basler Todesfall sehr gross.» Alle Kinder mit Grippesymptomen werden schon bei der Aufnahme isoliert. Untersucht werden sie nur von Personal, das sich gegen die Ansteckungsgefahr schützt. Eine Maskentragpflicht fürs Triemli ist deshalb laut Heckendorn kein Thema.
Am Kinderspital gehen derzeit etwa doppelt so viele telefonische Anfragen ein wie gewöhnlich, wie Christoph Berger, Infektiologe am Kinderspital, sagt. Die Eltern seien besorgt, aber nicht panisch. Bisher liegt im Kinderspital kein Kind, das nachgewiesenermassen Schweinegrippe hat. Es gebe aber Verdachtsfälle. Diese Kinder wurden isoliert. Im Kinderspital trägt das Personal stets Masken, wenn es Kinder mit Infektionskrankheiten behandelt. (pak/sch)
Die Schweinegrippewelle hat richtig eingesetzt. Trotzdem deuten noch immer alle Daten darauf hin, dass die Krankheit in der Regel harmlos verläuft: Meistens stellt sich ein leichter Husten ein, gefolgt von Fieber von durchschnittlich 38 Grad Celsius. Oft treten auch Muskelschmerzen, Schnupfen oder Kopfschmerzen auf, doch die Symptome klingen nach 3 bis 5 Tagen wieder ab.
Forscher des Robert-Koch-Instituts haben die ersten 10'000 Schweinegrippefälle in Deutschland analysiert. Dabei hat sich das bisherige Bild bestätigt: Die Grippe verläuft relativ mild. Sie betrifft vor allem Heranwachsende und junge Erwachsene. Nur 3 Prozent der Betroffenen waren jünger als fünf Jahre, gar nur 1 Prozent älter als 60.
Bis zum Todesfall
Genetische Analysen zeigten, dass ältere Menschen noch von einer früheren Grippewelle, die durch einen ähnlichen Erreger ausgelöst wurde, immunisiert sind. Es gibt jedoch einige Risikogruppen, bei denen die Krankheit viel schwerer verläuft – bis hin zum tödlichen Ausgang. Bei den meisten Todesfällen waren die Betroffenen bereits gesundheitlich beeinträchtigt.
Da die erste Welle der Schweinegrippe auf dem amerikanischen Kontinent und auf Teilen der Südhalbkugel ihren Höhepunkt bereits erreicht hat, können die Forscher aus den Erfahrungen lernen. Eine französische Forschergruppe um Laëtitia Vaillant hat die Todesfälle, die die Epidemie bis Mitte Juli gefordert hat, genauer untersucht. Es zeigte sich, dass die geschätzte Gesamtsterblichkeit der H1N1-Infektion sehr gering ist: Bei über 100'000 bestätigten Fällen starben 684 Menschen. Daraus ergibt sich eine Sterblichkeit von 0,27 Todesfällen pro Million Einwohner, also knapp drei pro 10 Millionen.
Saisonale Grippe gefährlicher
Bei der saisonalen Grippe liegt diese Zahl um einiges höher. In der Schweiz sterben je nach Heftigkeit der Grippesaison zwischen 150 und 1250 Menschen über 60 Jahren – ebenfalls eine Bevölkerungsgruppe von rund 1 Million Menschen. Selbst bei Kindern und Kleinkindern ist die saisonale Grippe nicht ohne: Eine kanadische Analyse für die Grippesaison 2006/07 ergab, dass 74 Kleinkinder unter sechs Monaten ins Spital mussten, sieben kamen auf die Intensivstation, keines starb jedoch. Von 1000 solchen kleinen Kindern wurden 2,5 bis 4,5 wegen Grippe hospitalisiert.
Aufgeteilt nach Altersgruppen, betrifft die jetzige Infektion vor allem Heranwachsende und junge Erwachsene. Weitaus am meisten Todesopfer betrafen Personen zwischen 20 und 50 Jahren – und zwar sowohl bei Frauen und Männern. Bei kleinen Kindern jedoch ist die Sterblichkeit gering, ebenso bei älteren Menschen.
Bereits vorgeschwächt
Alle bisherigen Erhebungen zeigen, dass zwar viele Kleinkinder hospitalisiert wurden, aber nur sehr wenige davon starben. Ob die verstorbenen Kleinkinder zu den Risikogruppen gehörten, ist nicht bekannt. Bei der genauen Untersuchung der Todesfälle hat sich jedoch gezeigt, dass die meisten Todesopfer der Schweinegrippe bereits durch andere Krankheiten und Leiden geschwächt waren.
Weniger als 20 Prozent der schon wenigen Todesfälle ereilten vollkommen gesunde Menschen, zwischen 20 und 40 Prozent – je nach Altersgruppe – litten an Atemwegs- oder Herzerkrankungen. Auch Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes oder Übergewicht gehörten zu den Risikofaktoren, dies vor allem bei Menschen über 50. Rund 10 Prozent der am H1N1-Virus Verstorbenen hatten eine Immunschwäche.
Matthias Meili
Erstellt: 19.11.2009, 16:17 Uhr









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