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Bodenlose Frechheit

Von Renate Sturzenegger. Aktualisiert am 29.04.2009 5 Kommentare

Als Ausdruck grosser Empörung hat sich der Ausruf «Das schlägt dem Fass den Boden aus!» etabliert. Warum grosse Wut Gefässe zerstört.

Herr Brändli ist ausser sich. Ein weiteres zwielichtiges Etablissement erhält die Baubewilligung in seinem Wohnquartier. «Das schlägt dem Fass den Boden aus!», schimpft er und beschliesst, einen Protestmarsch zu organisieren.

Der bekannte Ausspruch lässt sich auf die Rechtsprechung früherer Zeiten zurückführen. 1516 wurde in Bayern das sogenannte «Reinheitsgebot» verabschiedet. In einem strengen Gesetz wurde festgehalten, wie und aus welchen Zutaten das Bier hergestellt werden durfte. Entsprach es bei einer Kontrolle nicht den Anforderungen, so stiess man kurzerhand dem Fass den Boden aus, und der Inhalt ergoss sich auf die Erde. In gleicher Art verfuhren die Gesetzeshüter mit Fässern, die ungeniessbaren oder gepanschten Wein enthielten. Belegt ist dieses Vorgehen in einer Chronik aus dem Jahr 1574: «Derselbige win war so arg, also das min hat verbotten den ze verkauffen. Ward auch endlichen erkandt, das man den fassen die boden usstossen und das tranck uff die erden usschiten sollte.»

Zu weit gegangen

Es gibt aber noch andere Gründe, wieso einem Fass sein Boden abhanden kommen kann. Wird der Obstbrand eingefüllt, bevor er ausgegoren ist, so kann das zu einer Ausdehnung des Inhalts und dazu führen, dass der Boden ausspringt. Auch beim Beschlagen der Reifen, welche die Dauben, also die gebogenen Hölzer, zusammenhalten, ist Feingefühl angesagt. Werden nämlich die Reifen – früher bestanden sie aus Holz, heute sind sie aus Metall – zu arg geklopft, so kann dies das Fass seinen Boden kosten.

Das Bild des Fasses verwendete schon Luther, um seine Schäfchen im Zaum zu halten. «Denn stosse nur vollend dem Fass den Boden aus vnd sage, das kein Aufferstehung, kein Himmel noch Hell, kein Teuffel noch Tod noch Sünd sey!», wetterte er. Dem bestraften Weinbauern, der sein Einkommen verloren hatte, mag dieses Gleichnis paradox erschienen sein. Oder aber, er fand, dass das Ganze eine bodenlose Frechheit sei. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.04.2009, 13:43 Uhr

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5 Kommentare

Rahel Imhof

29.04.2009, 14:53 Uhr
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Sprichwörter: ich finde solcher Erklärungen super, so erfährt man den Ursprung jener Wörter oder Sprichwörter die wir Tag täglich anwenden. Danke Antworten


Alexandra Hamilton

29.04.2009, 16:28 Uhr
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Schon im Mittelalter kannte man also eingedeutschte Anglizismen wie 'us-schit-en', win, und 'ze'. Beweist mal, dass das Gejammer von zu viel Englisch gebraucht wird. Guter Artikel. Antworten



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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.