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...39 Jahren: Als der blutige Sonntag alles verändert
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Die Bürgerrechtsbewegung der katholischen irischen Minderheit ist 1972 gerade fünf Jahre alt. Sie stehen der protestantischen, mit England sympathisierenden Mehrheit gegenüber, die Nordirland wie einen Apartheidstaat regiert – und die Katholiken zu Bürgern zweiter Klasse degradiert. Die katholische Bürgerrechtsbewegung rebelliert gegen die Machtinhaber mit Protestmärschen, welche immer wieder von protestantischen Schlägern attackiert werden. Nach diversen Strassenschlachten mit der Polizei werden Demonstrationsverbote verhängt. Die Bürgerrechtler marschieren jedoch weiter – für ihr Recht auf freie Meinungsäusserung.
Auch der Marsch am 30. Januar 1972 ist von Behörden nicht genehmigt. Rund 30'000 irische Nationalisten (mehrheitlich Katholiken), darunter zahlreiche mutmassliche IRA-Aktivisten sind an diesem Tag einem Aufruf der Derry Bürgerrechtsvereinigung gefolgt, um gegen die von den britischen Behörden angeordnete Internierung politischer Regierungsgegner ohne förmliche Anklage zu protestieren.
Gezielte Schüsse in die Menge
Als sich der Demonstrationszug in Richtung Stadtzentrum bewegt, wird den Protestierenden von schwer bewaffneten Fallschirmspringern der britischen Armee der Weg versperrt. Es kommt zu Rangeleien mit einigen Demonstranten, wobei auch Steine fliegen. Nach umstrittenen Augenzeugenberichten löste sich plötzlich ein Schuss, und die Soldaten feuern in die Menge. 13 Demonstranten, davon sieben unter 20 Jahren, sterben im Kugelhagel, ein weiterer erliegt später seinen schweren Verletzungen. Augenzeugen berichten danach, dass die Schüsse nicht etwa wahllos, sondern gezielt auf Rädelsführer abgegeben wurden. Das würde die vielen Kopfschüsse erklären.
Der «Bloody Sunday», wie das Massaker später genannt wird, steht am Anfang der Eskalation des Nordirlandkonflikts. Es verstärkt die Unterstützung der katholischen Bevölkerung für die Terroristengruppe IRA, wodurch die Rekrutierungen stark zunehmen. Die einseitig ausgerichtete Politik der Regierung in London versucht mit einer erhöhten Truppenpräsenz gegenzusteuern, was den Konflikt jedoch nur weiter angeheizt. Im März 1972 löst die britische Regierung das nordirische Parlament auf und übernimmt die Regierungsgewalt. 1972 ist das blutigste Jahr des Nordirlandkonfliktes. Erst im April 1998 werden die Auseinandersetzungen in Irland mit dem Karfreitagsabkommen offiziell beendet. Der Konflikt schwelt jedoch noch heute unter der Oberfläche weiter.
Was ist genau geschehen?
Nach mangelhafter Beweisaufnahme und übereilig durchgeführten Untersuchungen wertet ein britisches Gericht das rücksichtslose Vorgehen der Soldaten als legitime Notwehr gegen irische Terroristen. Erst 28 Jahre nach dem Bloody Sunday, im März 2000, beginnen in Londonderry öffentliche Anhörungen, die genauen Aufschluss über die Vorgänge vom 30. Januar 1972 geben sollen. Die Wiederaufnahme der Untersuchungen wird Anfang 1998 vom britischen Premierminister Tony Blair angeordnet – zur Unterstützung des Friedensprozesses in Nordirland.
Blair setzt die sogenannte «Saville Inquiry» zusammen, eine Art Wahrheitskommission, welche die Hintergründe des Blutsonntages im nordirischen Derry untersuchen soll. Die Kommission wird 1998 eingesetzt und hat bislang 200 Millionen Pfund verschlungen. Berichten soll sie nun - vielleicht - im März dieses Jahres.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.01.2011, 15:56 Uhr









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