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Die extremste Form des politischen Protests
Aktualisiert am 20.01.2011 6 Kommentare
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Am Anfang vom Ende des tunesischen Präsidenten Ben Ali stand eine Selbstverbrennung. Nachdem sich der 26-jährige Mohamed Bouazizi am 17. Dezember 2010 angezündet hatte, begannen die sozialen Unruhen, die zum Machtwechsel in Tunesien führten. Der junge Tunesier, der am 4. Januar an den Folgen der Selbstverbrennung starb, fand Nachahmer. In nordafrikanischen Ländern haben sich in den letzten Tagen mindestens zehn Männer aus Protest gegen ihre Regierungen angezündet. Solch verzweifelte Taten gab es in Ägypten, Algerien und Mauretanien.
Selbstverbrennung als äusserste Form des politischen Protests ist kein neues und auch kein muslimisches Phänomen. In der buddhistischen Tradition sind Akte der Selbstverbrennung seit mehr als 1500 Jahren bekannt, wie eine Dokumentation des TV-Senders CNN zeigt. Aus dem letzten Jahrhundert ist vor allem ein Fall bekannt, weil das entsprechende Foto um die Welt ging: Am 11. Juni 1963 zündete sich der vietnamesische Mönch Thich Quang Duc an, um so gegen die Unterdrückung der Buddhisten in Südvietnam zu protestieren.
Vier Selbstverbrennungen gegen Vietnamkrieg
In der westlichen Welt ist das Phänomen der Selbstverbrennung als Protest seit den Sechzigerjahren bekannt. Zwischen 1965 und 1970 verbrannten sich in den USA vier Menschen – als Zeichen des Protests gegen den Vietnamkrieg. Ein Mann tat dies beim Pentagon in Washington, und zwar vor dem Büro des umstrittenen amerikanischen Verteidigungsministers Robert McNamara. Die Selbstverbrennung eines weiteren Mannes ereignete sich vor dem UNO-Gebäude in New York.
In Europa richteten sich Selbstverbrennungen aus politischen Gründen gegen die kommunistischen Diktaturen. Für den bekanntesten Fall steht Jan Palach: Der Prager Student verbrannte sich am 16. Januar 1969, nachdem Truppen des Warschauer Pakts im August 1968 in die Tschechoslowakei einmarschiert waren. Am selben Platz mitten in Prag zündete sich einen Monat später ein anderer junger Mann an. Einen weiteren Fall von Selbstverbrennung gab es aus dem gleichen Grund auch in Polen. 1976 verbrannte sich ein Pfarrer aus Protest gegen die politischen Verhältnisse in der DDR. Gemäss dem CNN-Report zündeten sich Menschen auch in Rumänien und Ungarn an.
Verschiedenste politische Gründe
Ähnliche Fälle sind auch aus anderen autoritären Systemen bekannt. 1994 verbrannte sich eine Iranerin, um für Frauenrechte zu demonstrieren. In Peking zündeten sich 2001 fünf Studenten an – zwei Jahre zuvor hatte das Regime die Proteste auf dem Tiananmen-Platz blutig niedergeschlagen. Aus China bekannt sind ausserdem Selbstverbrennungen von Mitgliedern der Falun-Gong-Sekte. Auch Proteste von Kurden gegen die türkische Regierung endeten in Einzelfällen mit Selbstverbrennungen.
Wie die Geschichte der letzten 40 Jahre zeigt, gab es verschiedenste politische Gründe für Selbstverbrennungen, zum Beispiel das Steuersystem in Schweden, die Verurteilung der Homosexualität durch die Kirche in Italien, die Ausstrahlung von westlichen Filmen in Indien oder die Verweigerung des Asylrechts in Grossbritannien.
Tamile verbrannte sich vor UNO-Gebäude in Genf
Selbst die Schweiz war schon Schauplatz von Selbstverbrennungen. Vor zwei Jahren zündete sich ein Mann in Genf vor dem UNO-Gebäude an. Beim Mann, der ums Leben kam, handelte es sich um einen Tamilen, der so gegen die Unruhen in Sri Lanka protestieren wollte. Ein paar Jahre zuvor hatten Sympathisanten der iranischen Volksmudschahedin in Bern versucht, sich vor Botschaften zu verbrennen.
Nebst politischen gibt es weitere Motive für Selbstverbrennungen. Menschen taten dies auch schon als Ausdruck ihres Glaubens oder aus purer Verzweiflung. (vin)
Erstellt: 20.01.2011, 15:08 Uhr
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6 Kommentare
In Punkto China muss der Autor noch seine Hausaufgaben machen. Es steht zweifelsfrei fest, diese "Selbstverbrennung" von Falun Gong Mitgliedern war inszeniert, es war eine Bardame dabei die mit einem Eisenstab eschlagen wurde. Ihre Tochter wurde später im Krankenhaus ermordet, Sie wußte alles und konnte nicht freigelassen werden. Enteignete Hauseigentümer haben sich in Peking selbstverbrannt. Antworten
Die Selbstverbrennung von Falun Gong war eine Inszenierung der Kommunistischen Partei Chinas, um die Öffentlichkeit gegen Falun Gong zu stimmen und um Massenverhaftungen von- und Folter an Falun Gong-Praktizierenden zu rechtfertigen. Das Falun Dafa Information Center bezog sofort Stellung, Falun Gong sei strickt gegen Töten und Selbstmord. Der Film FALSE FIRE deckt auf http://www.falsefire.com Antworten
Die Selbstverbrennung von Falun Gong war eine Inszenierung der Kommunistischen Partei Chinas, um die Öffentlichkeit gegen Falun Gong zu stimmen und um Massenverhaftungen von- und Folter an Falun Gong-Praktizierenden zu rechtfertigen. Das Falun Dafa Information Center bezog sofort Stellung, Falun Gong sei strickt gegen Töten und Selbstmord. Der Film FALSE FIRE deckt auf http://www.falsefire.com Antworten
Selbstverbrennungen aus politischem Protest wie im Fall des Mönchs Thich Quang Duc – meines Wissens ein Freund des in Frankreich lebenden Zen-Mönchs Thich Nhat Hanh –, sind sehr selten, denn sie geschehen aus tiefstem Mitgefühl: Ein Mitgefühl für Menschen, für Menschenrechte, für das Mitgefühl selbst, für das Leben! Ein Aufruf auch für PolitikerInnen und WählerInnen! Mitgefühl anstatt Waffengewalt Antworten












Stefan Flüeler
Selbstverbrennung als extremste Form des polit. Protestes ? Da bin ich mir nicht so sicher. Ich finde Selbstmord-Attentäter sind eine noch extremere Form davon. Selbstverbrennung hat etwas Resigniertes, dem Suizid haftet auch etwas von Selbstaufgabe an, ein Wunsch, dem Kampf auszuweichen. Die polit. Aussage ist nicht so klar wie beim Selbstmord-Attentäter, der seine Feinde mit in den Tod reisst. Antworten