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Ein dunkles Kapitel der Geschichte Spaniens

Aktualisiert am 08.04.2009

An diesen Jahrestag möchte das offizielle Spanien nicht gerne erinnert werden. Vor 400 Jahren wurden die Morisken brutal vertrieben. Ein Akt, der sich als Bumerang erwies.

Spanien schaffte die Morisken gnadenlos aus.

Spanien schaffte die Morisken gnadenlos aus.

Die Vertreibung der Morisken vor 400 Jahren markiert ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Landes. Der spanische König Philipp III. ordnete am 9. April 1609 an, dass alle «moriscos» - wie die zwangsweise vom Islam zum Christentum bekehrten Mauren bezeichnet wurden - das Land verlassen mussten. Die Vertreibung war die grösste in der spanischen Geschichte, gemessen an der Bevölkerungszahl.

Etwa 300'000 Morisken wurden nach Nordafrika deportiert. Sie waren die Nachkommen der Mauren, die im Mittelalter weite Teile der iberischen Halbinsel beherrscht hatten.

Jahrhunderte lang geherrscht

Die iberische Halbinsel war nach 711 zu einem grossen Teil von Mauren aus Nordafrika erobert worden. Einige Jahrhunderte später setzte vom Norden aus ein Prozess der Rückeroberung (Reconquista) durch die Christen ein, der 1492 mit der Einnahme von Granada abgeschlossen wurde.

Das «Katholische Königspaar» Isabella und Ferdinand ordnete im selben Jahr die Vertreibung der Juden an, die sich nicht zum Christentum bekehren lassen wollten.

Den Muslimen wurde zugesichert, dass ihre Religion und Bräuche toleriert würden. Die Krone hielt ihr Versprechen aber nur wenige Jahre. 1502 wurden auch die Muslime vor die Wahl gestellt, den christlichen Glauben anzunehmen oder das Land zu verlassen. Die meisten von ihnen liessen sich taufen, blieben aber ihren Bräuchen treu und praktizierten insgeheim weiter den Islam.

Die Inquisition ging immer härter gegen die unangepasste Minderheit vor. Die arabische Sprache, Tänze, Bäder und Schriften wurden verboten. 1568 brach in den Alpujarra-Bergen südlich von Granada ein Morisken-Aufstand aus, den das Militär erst zwei Jahre später niederschlagen konnte.

Tiefes Misstrauen

Die Vertreibung der Morisken wurde damit begründet, dass Spanien ein katholisches Land sein sollte und Minderheiten nicht mehr geduldet würden. Neben religiösen spielten aber auch militärische und machtpolitische Motive eine Rolle.

Spanien fühlte sich damals vom Vormarsch der Osmanen im Mittelmeer bedroht. Den Morisken wurde unterstellt, mit den Muslimen aus Kleinasien zu sympathisieren.

In der Bevölkerung herrschte ein tiefes Misstrauen gegenüber den «Pseudo-Christen». Auch Miguel de Cervantes, Autor des «Don Quijote», äusserte sich zuweilen abfällig über sie.

Lücke hinterlassen

Hinzu kam, dass Spaniens Position als Weltmacht durch eine Reihe von Niederlagen stark angekratzt war. König Philipp III. suchte daher einen Erfolg über einen «Feind» im eigenen Land.

Die Vertreibung der 300'000 Morisken zog sich von 1609 bis 1614 hin. Die Deportierten liessen sich im heutigen Marokko, in Algerien und Tunesien nieder.

Für Spanien hatte die Vertreibung wirtschaftlich verheerende Folgen. Die östlichen Landesteile verloren 20 Prozent ihrer Bewohner. Ganze Dörfer und Landstriche wurden entvölkert. Felder wurden nicht mehr bestellt, die von den Morisken geschaffenen Bewässerungsanlagen verkamen.

Mit der Vergangenheit versöhnen

«Der 400. Jahrestag wäre eine gute Gelegenheit für Spanien, sich mit seiner Vergangenheit zu versöhnen», meint der Schriftsteller José Manuel Fajardo.

Ohne eine solche Versöhnung wäre die von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero initiierte Allianz der Zivilisationen, die das Verständnis zwischen der westlichen und islamischen Welt verbessern will, nicht glaubwürdig. (se/sda)

Erstellt: 08.04.2009, 16:04 Uhr

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