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Er war viel bedeutender als Tutanchamun

Die erst kürzlich identifizierte Mumie von Echnaton kommt in ein Museum in Amarna. Der Pharao hatte sich zu seiner Zeit gigantische Ziele gesetzt und beschäftigte später auch Sigmund Freud. Ein Porträt.

War seiner Zeit voraus: Echnaton (r.).

War seiner Zeit voraus: Echnaton (r.).
Bild: Keystone

Der Pharao hatte sich gigantische Ziele gesetzt, er brach mit Traditionen, die mehr als ein Jahrtausend alt waren. Noch heute ranken sich viele Geheimnisse um den ägyptischen König, der es beinahe geschafft hätte, den Monotheismus zu etablieren. Doch seine 17 Jahre lange Herrschaft endete wenig rühmlich, die Nachfahren strichen ihn aus den Annalen. Erst kürzlich identifizierten Forscher mit DNA-Tests eine Mumie, die fernab seines nie vollendeten Grabmals gefunden wurde, als Echnatons. Jetzt sollen seine sterblichen Überreste nach rund 3.300 Jahren nach Hause zurückkehren.

Echnaton reformierte die Kunst, den Staat und nicht zuletzt die Religion. Trotzdem verkörpert heute sein Sohn Tutanchamun den Ruhm und den Reichtum des Alten Ägypten. Das liegt darin begründet, dass dessen Grab bis zum Rand mit den glitzernden Wertgegenständen der 18. Dynastie (1569 bis 1315 v. Chr.) gefüllt war. Doch in Wahrheit war Tutanchamun ein weniger bedeutender Herrscher. Wahrscheinlich war der junge Pharao eher ein Erfüllungsgehilfe seines Umfelds, um die revolutionären Veränderungen seines Vaters rückgängig zu machen.

Verehrung des Sonnengottes

Echnaton hatte mit den mächtigen Priestern der ägyptischen Hauptgottheit Amun gebrochen, er erkannte die vielen anderen Götter Ägyptens nicht an und ordnete die Verehrung des Sonnengottes Aton an. Seinen Hof verlegte der Pharao in die neue Hauptstadt Amarna, die es bald schon auf etwa 30.000 Einwohner brachte.

Mit den religiösen Umwälzungen während Echnatons Regierungszeit ging eine dramatische Entwicklung der ägyptischen Kunst einher. Er unterstützte einen naturalistischen Stil, der im Widerspruch zu den strengen Konventionen und zur steifen Grabmalerei steht, die weltweit das Bild vom Alten Ägypten prägten. Ein Beispiel dafür sind die farbenfrohen Enten, die dem Betrachter aus einer Malerei auf dem Gipsboden seines Palastes förmlich entgegenspringen.

Das Judentum beeinflusst?

Doch nach seinem Tod löschten seine Nachfolger die Erinnerung an ihn aus. Er blieb für mehr als drei Jahrtausende vergessen, bis im 19. Jahrhundert seine Königsstadt Amarna ausgegraben wurde. Dort stehen heute die einzigen noch existierenden Ruinen einer ganzen Stadt, während an anderen Ausgrabungsstätten nur einzelne Tempel oder Gräber gefunden wurden.

Im Europa des 19. Jahrhunderts, das sich allmählich schon an die vielen faszinierenden Entdeckungen in Ägypten gewöhnt hatte, stachelten die Nachrichten von einer ersten monotheistischen Religion das Interesse an. Sigmund Freud spekulierte sogar, ob Echnatons Erbe nicht sogar das Judentum beeinflusst haben könnte - und damit auch die Wurzeln des Christentums und des Islam. Doch diese These ist schon länger widerlegt.

Ein Kind mit der Schwester

Erst vor kurzem ist etwas mehr Klarheit in die Familienverhältnisse des Echnaton gekommen. Die DNA-Tests legten nicht nur nahe, dass die bis dato namenlose Mumie KV55 in Wahrheit Echnaton ist. Untersuchungen ergaben auch, dass Echnaton wohl mit seiner Schwester den späteren König Tutanchamun zeugte. Die Schwester, die bei den Tests ebenfalls identifiziert worden ist, starb an Schlägen auf den Kopf.

Die neuen Erkenntnisse besagen damit auch, dass Echnatons Hauptfrau Nofretete nicht die Mutter Tutanchamuns ist. Die Mumie der Frau, die für ihre Schönheit unsterblich berühmt wurde und deren Büste im Ägyptischen Museum in Berlin steht, wurde allerdings noch immer nicht gefunden.

«Die Amarna-Zeit ist wie ein unvollendetes Theaterstück», sagte Chefarchäologe Sahi Hawass auf einer Pressekonferenz Ende Februar, auf der die Ergebnisse der DNA-Untersuchungen vorgestellt wurden. Unbeantwortet bleibt auch die Frage, auf welche Weise Echnaton starb. Das liegt an dem Zustand der Mumie, die im Gegensatz zu Tutanchamun nicht sonderlich gut konserviert wurde.

Ausser Knochen wenig erhalten

Während beim Sohn Malaria und eine genetisch bedingte Krankheit nachgewiesen werden konnten, geben die Überreste des Vaters nicht genug für derartige Untersuchungen her. Ausser den Knochen ist wenig erhalten.

«Ich glaube, dass genau dieser ungewöhnliche Umgang mit dem Leichnam ein weiterer Beweis dafür ist, dass es sich um Echnaton handelt», sagte Carsten Pusch vom Tübinger Institut für Humangenetik. Dies könne an Echnatons abweichenden religiösen Vorstellungen gelegen haben, aber auch an der Abneigung der Nachfolger, die in der schlechteren Konservierung zum Ausdruck kommt.

Erhoffter Boom

Unbeeindruckt vom Zustand der Mumie erhofft sich die ägyptische Provinz Minja von dem Fund neuen Auftrieb. Mehr Touristen sollen nach Amarna kommen und das geplante Echnaton-Museum besuchen. Heute kommen nur wenige Reisende in den Ort 220 Kilometer südlich von Kairo. Die meisten Touristen reisen bislang nur nach Luxor und ins Tal der Könige. Echnatons Hauptstadt, «Wiege des Monotheismus», lassen sie noch links liegen. (sam/ddp/)

Erstellt: 12.03.2010, 19:24 Uhr