Folter in der Antike: «Langsame, qualvolle Todesarten»

Aktualisiert am 12.05.2009

Ägypter, Assyrer, Griechen, Römer – die grossen Völker des Altertums hatten eines gemeinsam: Sie waren grausam. Blut floss schon beim kleinsten Ungehorsam.

Münchner Studien zur Alten Welt: Extreme Formen von Gewalt in Bild und Text des Altertums; Martin Zimmermann (Hrsg.).


Extreme Formen von Gewalt in Bild und Text des Altertums

Münchner Studien zur Alten Welt: Extreme Formen von Gewalt in Bild und Text des Altertums; Martin Zimmermann (Hrsg.). Extreme Formen von Gewalt in Bild und Text des Altertums

Wer glaubt, «Das Schweigen der Lämmer» sei brutal, irrt. Wirkliche Grausamkeit gibts nur auf Papyrus und in Stein gemeisselt, wie ein neues Buch mit dem Titel «Extreme Formen von Gewalt in Bild und Text des Altertums» zeigt. Historiker haben die Formen physischer Gewalt in den verschiedenen alten Kulturen untersucht und sind zum Schluss gekommen, dass Gewalt besonders im Orient als Machtinstrument eingesetzt wurde. So gingen die Richter Altbabylons hart zur Sache: Das Abschneiden von Füssen, Lippen und Nasen, auch das Blenden, «Ausdärmen» und Herausreissen von Herzen waren Standardstrafen.

Blutrünstige Herrscher

Als Meister der Brutalität gelten die Assyrer. Wortreich rühmten sie sich grässlichsten Umgangs mit Feinden, wie das Nachrichtenmagazin «Spiegel» in seiner Rezension des Buches schreibt. «Ihr Fleisch zerstückelte ich und liess es in allen Ländern zum Anschauen herumtragen», sagte etwa der blutrünstige Assurbanipal (668 bis 627 vor Christus). Doch auch das eigene Volk verschonten die Würdenträger nicht – im Gegenteil. «Mitteilung des Königs an den Gouverneur von Kaleh: 700 Ballen Stroh. Spätestens am 1. Tag des Monats. Einen Tag mehr und du bist tot», heisst es in einem Tributschreiben.

Derjenige, der sterben musste, konnte sich auf ein schmerzhaftes Ende vorbereiten. Denn die Assyrer entschieden sich grundsätzlich für «scheussliche Verstümmelungen oder langsame, qualvolle Todesarten», weiss das Buch. Darunter gehören zum Beispiel das Schinden und das Pfählen. Letztere Folter bereitete einen besonders schmerzhaften Tod. Dem Opfer wird mit dem Hammer ein Pfahl in den eingeölten Anus getrieben, wobei die inneren Organe nicht verletzt werden sollten. Danach wird der Pfahl aufgerichtet, die Opfer quälen sich tagelang. Künstler hielten das Leiden auf Reliefs fest – zur Abschreckung.

Feinde wurden gekocht

Auch die Griechen gingen mit ihren Gegnern wenig zimperlich um, so baute sich Phalaris einen Stier aus Bronze und kochte seine Feinde darin; der Tyrann Periander trat seine schwangere Frau so fest, dass sie starb. Danach verging er sich an ihr. Die Römer setzten mehr auf «Brot und Spiele»: Wilde Tiere zerfetzten Verurteilte im Kolosseum. Aus der Ägyptologie wiederum sind Tausende Darstellungen auf Tempeln, Felsenreliefs und Statuen bekannt, wie ein König seine Feinde erschlägt, meist in Anwesenheit eines Gottes. Ein klares Signal für das Volk: Hütet Euch. So viel hat sich also im Gegensatz zu heute nicht geändert. Viele Regimes üben Gewalt aus, um ihre Ziele zu erreichen. So heisst es denn im Buch: «Physische Gewalt ist eine Universalie der Kulturen und zu allen Zeiten zu beobachten. Besserung im Sinne einer Mässigung oder einer Abnahme von Gewalt ist in der bisherigen Geschichte der Menschheit nicht festzustellen.» (cha)

Erstellt: 12.05.2009, 09:56 Uhr

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