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KZ-Bordelle: «Weiber für den fleissig arbeitenden Gefangenen»
Zwangsprostituierte für den «fleissig arbeitetenden Gefangenen»: Das Lagerbordell im KZ Mauthausen.
Bis heute ist die Zwangsprostitution im Nationalsozialismus in der Geschichtsschreibung weitgehend ein weisser Fleck geblieben. Die Legende, die Nazis hätten die Prostitution verboten oder zumindest bekämpft, hielt sich hartnäckig. Doch nun räumt eine umfassende wissenschaftliche Arbeit des deutschen Kulturwissenschaftlers Robert Sommer mit dieser Vorstellung auf und bringt Licht in das lange tabuisierte Schicksal der Zwangsprostituierten im Nazi-Regime.
In seiner Dissertation erzählt Sommer, wie die Nazis in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Dachau und Ausschwitz Bordelle für KZ-Gefangene errichteten. Rekrutiert wurden dabei vor allem gesund und gut aussehende Häftlingsfrauen im Alter zwischen 17 und 35 Jahren. «Die Weiber» sollten den «fleissig arbeitenden Gefangenen zugeführt werden», um die Arbeitsproduktivität der Lagerinsassen zu heben, so die Vorstellung von Reichsführer Heinrich Himmler.
Eine Prostituierte auf 300 bis 500 Gefangene
Nicht weniger als 200 Frauen wurden in den Lager-Bordellen gehalten, vor allem als «asozial» inhaftierte deutsche Frauen, aber auch Polinnen und Russinnen wurden den Sonderkommandos überstellt. Für die Prostitution nicht zugelassen waren Jüdinnen – aus Gründen der «Rassenhygiene». Gemäss den Richtlinien des Reichssicherheitshauptamtes kam auf 300 bis 500 Mann je eine Prostituierte.
Der Ablauf des Bordellbesuch wurde durch die Nazis streng reglementiert. Den Häftlingen wurde genau 15 Minuten eingeräumt, eine Privatsphäre gab es nicht: Die Türen hatten Spione auf dem Flur patrouillierten SS-Wachmännern. Sprechen durften die Freier mit den Prostituierten nur das Allernötigste, und erlaubt war nur die Missionarsstellung. Juden war der Besuch verboten.
Letzte Chance, dem Tod im Lager zu entkommen
Die Bordellfrauen hatten laut der Studie bessere Aussichten, das Terror-Regime zu überleben, als die anderen Lagerinsassen. Für viele totgeweihte Frauen war die Abberufung ins Bordell denn auch die letzte Chance, dem Tod im Lager zu entkommen. Doch nicht immer meldeten sich die Frauen freiwillig für die Prostitution. So hätten die Nazis Lagerinsassinen gedroht, sie mit Gewalt zu holen, wenn es keine Freiwillige gebe.
Eben diese angebliche Freiwilligkeit hat indessen dazu beigetragen, dass über das Schicksal der Bordellfrauen in den KZ bislang nur wenig bekannt ist: Die ehemaligen Prostituierten wurden lange Zeit stigmatisiert. Was aus ihnen wurde, bleibt im Dunkeln. Die meisten schwiegen sich nach dem Ende der Nazi-Schreckensherrschaft über ihre Arbeit als Prostituierte aus. (dvp)
Erstellt: 25.05.2009, 16:40 Uhr










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