Maya geben Entwarnung: «Die Welt geht 2012 nicht unter»

Obwohl der Maya-Kalender ausläuft, besteht kein Grund zur Panik, sagten vier Nachfahren der Maya gestern im Zürcher Kongresshaus. Dann beteten sie zusammen, damit die Welt schneller heil wird.

Ein Maya-Kalender läuft am 21. Dezember 2012 aus: Geht danach die Welt unter?

Ein Maya-Kalender läuft am 21. Dezember 2012 aus: Geht danach die Welt unter? Bild: PD

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Das Zürcher Kongresshaus war am Donnerstagabend fest in der Hand von Esoterikanhängern. Die spirituellen Sucher füllten den grossen Saal und harrten vier Stunden aus, um von Maya-Ältesten zu erfahren, was es mit dem ominösen Datum vom 21. Dezember 2012 wirklich auf sich hat. An diesem Tag läuft einer der Maya-Kalender aus, verbunden mit apokalyptischen Katastrophen. So verkünden es zumindest viele Endzeitpropheten und Esoteriker. So suggeriert es auch der Untergangsthriller «2012» von Starregisseur Roland Emmerich.

In einem Punkt waren sich die vier Maya-Ältesten Juan Camaja, Cutzal Mijango, Elizabeth Araujo und Vilma Cristina aus Guatemala und El Salvador einig: Die Welt wird Ende nächsten Jahres nicht untergehen, wenn die 5200-jährige Epoche endet. Die Zeitrechnung beginne einfach wieder von vorn. Einig waren sich die Nachfahren der Maya auch, dass grosse Veränderungen anstehen. Die Menschheit werde sich auf neue spirituelle Werte besinnen und einen Weg in die Harmonie finden.

Um die Entwicklung zu beschleunigen, beteten die Kongressbesucher gemeinsam zum Schöpfer des Universums; auf Geheiss von Elizabeth Araujo gaben sie sich alle die Hände.

Liebe, Harmonie, Kosmos

Der Informationsgehalt der Reden der vier Maya, die von Esoterikveranstaltung zu Esoterikveranstaltung gereicht werden, hielt sich in Grenzen. Auch ihre spirituellen Botschaften blieben auf einer bescheidenen Ebene stecken: In jedem zweiten Satz war unspezifisch von Liebe, Harmonie, spiritueller Energie und Kosmos die Rede. Die Hunderten von Zuhörern warteten vergeblich auf die versprochenen neuen Fakten über den Zeitbegriff der Maya, ihre 20 Kalender, ihre Tradition und Kulturen. Das lag wohl daran, dass die ursprünglichen Maya vor 1000 Jahren ausgestorben sind und nur wenige Zeugnisse hinterlassen haben. Ausserdem wurden ihre Hieroglyphen erst um 1980 von westlichen Forschern entziffert.

Das hielt Grandmother Elizabeth Araujo nicht davon ab, die Gelehrten zu kritisieren und ihre Vorfahren zu verklären. Es stimme nicht, dass ihre Ahnen Menschenopfer dargebracht hätten. Diese seien sanfte, spirituell hoch entwickelte Wesen gewesen. Ihre Weisheit kehre in unseren Tagen zurück, ihre Prophezeiungen von einer harmonischen Welt würden sich nun erfüllen. Als Quelle ihrer Erkenntnisse gab sie mündliche Überlieferungen an. Nur: Die Nachfahren der Maya interessierten sich über Jahrhunderte nicht um die Traditionen ihrer Ahnen. Wohltuend aus dem Rahmen fiel Cutzal Mijango. Er prangerte die Unterdrückung der Maya-Nachfahren in Guatemala an. «Wir sind bei uns zu Hause nichts wert», sagte er, «in den Schulbüchern wird behautet, die Maya existierten überhaupt nicht.»

Vilma Cristina erklärte, ihr gesticktes Kopftuch stelle eine Schlange mit Flügeln dar und schaffe eine Verbindung von den Haaren zum Kosmos. Dies gebe einer Frau Kraft. Würde sie die Haare schneiden, gehe die kosmische Energie verloren. Für ihre Spiritualität sei es wichtig, dass sie den Kalender ihrer Vorfahrern benutzen könnten. Schade nur, dass die unterprivilegierten Maya, von ihren Landsleuten abschätzig Indios genannt, den Kalender kaum kennen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.08.2011, 09:11 Uhr

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