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Scheich Burckhardts Reise nach Mekka

Er hätte die Minarett-Initiative sicher nicht unterschrieben: Vor 200 Jahren brach der Schweizer Abenteurer Johann Ludwig Burckhardt in die arabische Welt auf und trat zum Islam über.

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Der Schweizer Entdecker Johann Ludwig Burckhardt, auch bekannt unter dem Namen Scheich Ibrahim Ibn Abdallah, wurde 1784 in Lausanne geboren.

   

Als er lebte, war der Islam in der Schweiz noch etwas Fernes, Fremdes: Der Entdecker Johann Ludwig Burckhardt, auch bekannt unter dem Namen Scheich Ibrahim Ibn Abdallah. Burckhardt, 1784 als Spross eines reichen Basler Patriziergeschlechts in Lausanne geboren, studierte in Göttingen und Leipzig Jura und Statistik. Trotz seiner guten Ausbildung fand er nach dem Abschluss keine Stelle in Basel – seine antifranzösische Haltung eckte anfangs des 18. Jahrhunderts an. Es blieb ihm nur eins: auszuwandern.

Mit 22 Jahren setzte er sich nach London ab, wo er bald ein verlockendes Angebot bekam: Er sollte für die African Society als erster Europäer die Sahara, und vor allem die für Christen verbotene Stadt Timbuktu erkunden. Abenteuerlustig wie er war, sagte er zu – obwohl sein Vorgänger bei der gleichen Expedition ums Leben gekommen war. Um sich optimal vorzubereiten büffelte er Arabisch, besuchte Vorlesungen in Medizin, Astronomie und Chemie. 1809 machte er sich auf den Weg: Burckhardt schiffte nach Malta ein, von wo die Reise weiter ins syrische Aleppo ging.

Mit Turban und Kaftan

Um nicht aufzufallen, verkleidete er sich dort als muslimischer Kaufmann mit Turban und verfeinerte sein Arabisch. Sprachen ihn die Leute auf seinen Akzent an, sagte er, er komme aus Indien. Nach einiger Zeit beherrschte er die Sprache so gut, dass es ihm gelang, «Robinson Crusoe» auf Arabisch zu übersetzten. Die arabische Kultur zog ihn derart in ihren Bann, dass er zum Islam konvertierte. In den folgenden Jahren erkundete Burckhardt unter dem Pseudonym Scheich Ibrahim Ibn Abdallah Syrien und den Libanon.

1812 reiste er von Damaskus nach Kairo, auf der Suche nach Petra, der einst blühenden Handelsstadt in Jordanien. Als Wegweiser dienten ihm alte Aufzeichnungen. Beduinen führten ihn schliesslich zu den Ruinen: Er war der erste Europäer seit den Kreuzfahrern vor 600 Jahren, der das antike Petra zu sehen bekam. Immer schrieb er dabei Reisenotizen, die nach seinem Tod unter anderem in «Reisen in Syrien, Palästina und der Gegend des Berges Sinai» erschienen und zu eigentlichen Bestsellern wurden.

Beeindruckter Pilger

Von Kairo aus reiste er den Nil flussaufwärts und machte eine weitere wichtige Entdeckung: Die Pharaonentempel von Abu Simbel. Zwei Jahre später, nach ausführlichem Studium des Koran, erhielt er die Erlaubnis, Mekka zu besuchen. Er schloss sich einer Pilgerkarawane an und sah – auch hier wieder als einer der ersten Europäer seit Jahrhunderten – die heiligsten Stätten des Islam. Tief beeindruckt schrieb Burckhardt: «Der Effekt einer solchen vereinten Verbeugung von sechs- bis achttausend Menschen, verbunden mit dem Gedanken an ihre entfernten Länder, aus denen sie gekommen sind, kann nicht verfehlen, auch den kältesten Zuschauer mit einiger Ehrfurcht zu erfüllen.»

Nun sollte seine eigentliche Sahara-Mission beginnen, doch Burckhardt erkrankte an der Ruhr und musste sich bis 1815 in Medina auskurieren. Er erholte sich und reiste in den Sinai. 1817 brach die Krankheit jedoch erneut aus, als sich Burckhardt in Kairo aufhielt. Kurz darauf starb er daran und wurde auf einem muslimischen Friedhof beerdigt. Das Grab ist heute in der ägyptischen Hauptstadt erhalten. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.10.2009, 15:59 Uhr

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