Wissen
So konsumierten die Kariben vor 1600 Jahren Drogen
Von Norbert Raabe. Aktualisiert am 22.10.2008
Gefunden im Ort «Grand Bay»: Das Handgerät zum rituellen Drogenkonsum (Bild: Scott Fitzpatrick).
Carriacou (Grenada)

Ein faszinierendes Volk müssen die Menschen gewesen sein, die Carriacou um das Jahr 400 unserer Zeitrechnung besiedelten. In kleinen Gemeinschaften bevölkerten sie die Strände der Insel im karibischen Meer, die heute zu Grenada gehört, ernährten sich unter anderem von Fischerei und lebten sehr spirituell – mit Hilfe einer Droge namens Cohoba, die Halluzinationen hervorruft und noch heute von Indio-Stämmen verwendet wird.
Den rituellen Konsum vollzogen die karibischen Menschen mit kugelförmigen Geräten aus gebranntem Ton, aus denen sie die Substanz inhalierten. Eine solche «Schnupfkugel» gibt nun ein Detail ihrer Lebensweise preis – dies glaubt der Anthropologe Scott Fitzpatrick von der North Carolina State University, der ein Exemplar unter Tonscherben und anderen Überbleibseln jener Kultur in Grand Bay fand.
Rituelles Erbstück oder importierte Ware
Gemeinsam mit seiner Londoner Kollegin Quetta Kaye unterzog Fitzpatrick das rituelle Schnupfgerät einer besonderen Datierungsmethode, die anzeigt, wann der Gegenstand zum letzten Mal stark erhitzt wurde: bei gebranntem Ton als den Zeitpunkt der Herstellung. Die gleiche Prozedur wandte er bei zwei ähnlichen Objekten aus dem Museum der Insel an. Wie sich zeigte, waren alle im Zeitraum zwischen 400 und 100 vor Christus fabriziert worden – lange Zeit also, bevor Menschen, die das Töpferhandwerk beherrschten, die Insel besiedelten.
Wie das Fachmagazin «Science» auf seiner Webseite berichtet, müssen die Gegenstände laut den Wissenschaftlern deshalb von anderswoher stammen. Wurden sie schlicht von einer der benachbarten Inseln importiert, wo vielleicht schon töpfernde Stämme lebten? Nein, glaubt Fitzpatrick: Die ersten Siedler brachten sie mit und gaben sie jeweils an ihre Nachkommen weiter, so der Historiker – ein erster Nachweis also, dass spirituelle Gegenstände tatsächlich über Generationen vererbt wurden. «Es sind ideale Erbstücke», so argumentiert der Forscher jedenfalls, «sie wurden oft benutzt, haben aber zugleich eine starke rituelle Bedeutung.» (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.10.2008, 17:17 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.






