USA verloren Atombombe in Grönland

1968 stürzte ein Bomber der amerikanischen Luftwaffe über Grönland ab. Das Pentagon behauptete damals, man habe alle vier Sprengkörper an Bord gerettet. Nun zeigt sich: Eine Atombombe blieb unauffindbar - bis heute.

Ein B-52-Bomber: Ein Flugzeug dieses Typs stürzte 1968 ab und verlor eine Atombombe.

Ein B-52-Bomber: Ein Flugzeug dieses Typs stürzte 1968 ab und verlor eine Atombombe. Bild: Keystone

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Die ganze Mission war streng geheim. Denn die Welt stand mitten im Kalten Krieg. Deshalb war die Thule Air Base für die Amerikaner enorm wichtig. Sie glaubten, dass die Sowjetunion jederzeit Atombomber über den Nordpol in Richtung der Vereinigten Staaten schicken könnte. Diese wollte man von der Luftwaffenbasis in Grönland aus frühzeitig abfangen und zum Gegenschlag ausholen. Sobald die russischen Kampfflieger Thule angegriffen hätten, wären von dort US-Jets gestartet, um Moskau mit Atomsprengköpfen anzugreifen.

Ständig kreisten deshalb über Thule Bomber - bereit für einen möglichen Einsatz. Am 21. Januar 1968 lief dabei jedoch etwas schief. Ein Bomber vom Typ B-52 stürzte in der Nähe der Basis ab. Die USA lancierten umgehend eine riesige Rettungs- und Suchaktion. Die Piloten wurden gerettet, Tausende von Trümmerteilen gefunden. Beim Absturz explodierte der chemische Sprengsatz, die entschärften atomaren Sprengköpfe jedoch nicht. Das Pentagon aber meldete, alle vier Bomben seien gefunden worden.

Geheime Dokumente und Zeugenaussagen

Doch wie die BBC nun aufgedeckt hat, war das gelogen. Einer der vier Sprengköpfe - er trug die Seriennummer 78252 - blieb unauffindbar. Dies bestätigten mehrere mit den Details der Mission vertraute Personen dem britische Fernsehsender, der zusätzlich auch Einblick in teilweise bis heute geheime Dokumente hatte. Nach der Suche stellten die amerikanischen Militärs erschrocken fest, dass sie nur drei Atom-Sprengköpfe gefunden hatten.

Wie die BCC berichtet, brach daraufhin Panik im Pentagon aus. Man befürchtete, dass Unbefugte die Waffe finden - und daraus das Atomprogramm enttarnen könnten. So wurde bereits im April das U-Boot Star III losgeschickt. Es tauchte unter das Packeis. Doch die Suche war weitaus schwieriger als vermutet. Als der Winter einbrach, wurde sie unmöglich und die USA gaben auf. «Man sagte sich: Wenn wir sie nicht finden, findet sie auch niemand anders», erklärte William H. Chambers, ein ehemaliger Atombomben-Ingenieur der USA heute der BBC.

Angst vor gesundheitlichen Folgen

Die Enthüllungen des britischen Senders zeigen nun: Irgendwo unter dem grönländischen ewigen Schnee liegt noch ein atomarer Sprengkopf. Das wird den Befürchtungen vieler Einheimischer wieder Auftrieb verleihen, die schon bis anhin - jedoch nur aufgrund von Gerüchten - Angst vor gesundheitlichen Schäden infolge der verlorenen Bombe haben. (baz.ch/Newsnet)

(Erstellt: 11.11.2008, 15:18 Uhr)
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