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Ab welcher Dosis Dioxin gesundheitsschädigend ist
Von Richard Diethelm. Aktualisiert am 08.01.2011 4 Kommentare
«Es werden vermehrt Proben gemacht»
Auch nach der Ausweitung des Dioxin-Skandals in Deutschland sind in der Schweiz keine verseuchten Lebensmittel aufgetaucht. Importierte Eier oder Fleisch können laut den Gesundheitsbehörden weiterhin problemlos konsumiert werden.
Bei den grossen Detailhändlern sind bislang alle Proben negativ ausgefallen. Aldi Schweiz hat nach Bekanntwerden des Skandals seine Sicherheitsstandards erhöht. «Es werden vermehrt Proben gemacht, sowohl in eigenen wie in externen Labors», sagte Aldi-Sprecher Sven Bradke. Zudem sei mit allen Lieferanten die Situation abgeklärt worden. Auch beim deutschen Discounter Lidl und bei den Grossverteilern Migros und Coop sind keine Produkte mit erhöhtem Dioxin-Gehalt in den Verkauf gelangt. Bei keinem der vier grossen Detailhändler wurden Eier oder Fleisch von gesperrten Betrieben bezogen.
Während Bio-Eier meist aus Schweizer Betrieben stammen, stehen in Supermärkten auch Importeier in den Regalen, die teilweise aus deutscher Bodenhaltung kommen. Bei Migros und Coop wird zudem aus dem Ausland auch Ei-Masse für die Verarbeitung von Backwaren oder Teigwaren eingeführt. Coop etwa bezieht Vollei von drei Lieferanten. Diese hätten alle schriftlich bestätigt, dass die von ihnen gelieferte Ware nicht betroffen sei, teilte der Detailhändler mit. Bislang sei keine Verunsicherung der Kunden oder ein Rückgang der Nachfrage spürbar, heisst es bei allen Grossisten in der Schweiz unisono.
Für Konsumenten ist das Risiko allemal gering. Auch wenn dioxinverseuchte Eier, Fleisch oder Fertigprodukte in der Schweiz auftauchen sollten, bestehe keine akute Gefahr für die Gesundheit, heisst es in einem Informationsschreiben des Bundesamtes für Gesundheit.(SDA)
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Vor sechs Jahren gingen die Bilder des damaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko um die Welt, weil sein Gesicht nach einem Mordversuch mittels Dioxin verunstaltet war. Am Genfer Uni-Spital mass eine Equipe um Jean-Hilaire Saurat im Körper Juschtschenkos eine Konzentration des Giftes, die 50'000-mal höher war als bei normalen Menschen. Dem ukrainischen Politiker waren im Wahlkampf 2 bis 5 Milliliter «Seveso-Gift» ins Essen gemischt worden. Der Name erinnert an eine Katastrophe: 1976 entwich eine Wolke mit der giftigsten Art aller Dioxine aus einer zum Roche-Konzern gehörenden Fabrik und verseuchte das Gebiet ums norditalienische Seveso. Dank der Behandlung durch den heute emeritierten Professor Saurat ist Juschtschenko heute geheilt.
Professor Saurat, bei Dioxin denken viele an Seveso und das Gesicht Juschtschenkos. Sind die Ängste im aktuellen deutschen Fall begründet?
Ein Konsument müsste eine 50'000-mal höhere Dosis Dioxin zu sich nehmen, als jetzt in Deutschland in verseuchten Eiern gemessen wurde, bis er so aussähe wie damals Präsident Juschtschenko. Auf der Haut einzelner sehr empfindlicher Personen könnte jedoch nach dem Genuss solcher Eier vereinzelte kleine Chlorakne auftreten.
Warum bei empfindlicher Haut?
Dioxin lagert sich im Hautgewebe ab. Die Haut ist wie die Leber ein Organ, das Stoffe wie Dioxin selektiv anreichert. Deshalb zeigen sich erste Anzeichen einer Vergiftung auf der Haut.
Wann gibt es Gesundheitsschäden?
Bei einer so hohen Dosis, wie sie Herr Juschtschenko erhielt, waren sie gravierend. Selbst eine 10-mal geringere Dosis hat schwere Folgen. Aber in Deutschland haben wir es mit geringen Belastungen zu tun. Bereits sehr geringe Konzentrationen aktivieren die Selbstabwehr des Körpers. Frauen, die Dioxin aufnahmen, gebären im Vergleich zu unbelasteten Frauen mehr Mädchen als Knaben. Dass Dioxin krebserregend sei, halte ich aber für unwahrscheinlich. Epidemiologische Untersuchungen lieferten keinen Beweis dafür. Man sollte der Bevölkerung keine Angst vor Krebs machen.
Verharmlosen Sie nicht das Risiko?
Skandalös ist, dass Hühner in Deutschland verseuchtes Futter bekamen. Aber bezüglich der Gesundheitsrisiken für Konsumenten darf man nicht in Panik verfallen. Auch wenn das Risiko nicht exakt zu bestimmen ist.
Warum?
Die Grenzwerte, welche Toxikologen im 20. Jahrhundert festlegten, basieren darauf, Rückstände in den Lebensmitteln und im menschlichen Blut zu messen. Das sind heikle Kriterien. Dank dem Fall Juschtschenko wissen wir, dass Dioxin sich im Fett und in einzelnen Organen anreichert. Es kann daher vorkommen, dass man im Blut sehr wenig Dioxin feststellt, hingegen in einem Körperteil eine hohe Konzentration. Die aktuelle Forschung etwa des Schweizer Zentrums für angewandte Humantoxikologie arbeitet an Methoden, um die Alarmzeichen wichtiger Körperorgane im Fall einer Dioxin-Verseuchung rasch zu entdecken. Die moderne Toxikologie richtet sich auf diese «Markierer» anstelle der teuren exakten Bestimmung des Dioxin-Gehalts im Körper. Denn für eine Person kann eine bestimmte Menge harmlos, für eine andere Person dagegen schädlich sein.
Wie haben Sie Herrn Juschtschenko geheilt?
Ich publiziere dazu bald einen wissenschaftlichen Artikel. Vorher sage ich nichts. Ich habe Herrn Juschtschenko vor Weihnachten getroffen. Er ist in blendender Form und fährt wieder Ski.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.01.2011, 10:16 Uhr
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4 Kommentare
Es geht offenbar nur darum, Panik zu vermeiden und die Geflügel- und Schweinemäster nicht weiter zu schädigen. Solche Skandale wird es immer wieder geben solange diese von der EU subventionierte Massentierhaltung erlaubt ist. Klar, dass gewisse Elemente da ihren Reibach machen wollen und können ! Antworten
Es gibt keine Dioxin-Dosis, die nicht gesundheitsschädlich ist. Theoretisch reicht ein einziges Dioxin-Molekül, um in irgendeiner Zelle des menschlichen Körpers die DNA zu schädigen und Krebs auszulösen. Der Körper kann zwar DNA Schäden reparieren, aber nicht unbegrenzt, und mit zunehmendem Alter immer weniger. Antworten
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