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Die schwersten Grippe-Epidemien der vergangenen 100 Jahre

Der Schweinegrippe-Erreger hat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Potenzial zum Auslösen einer Pandemie, also einer weltweiten Epidemie.

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Pandemie

Eine Pandemie ist eine Epidemie grossen Ausmasses. Eine ursprünglich nur regional auftretende ansteckende Krankheit (Epidemie) verbreitet sich dabei in vielen Ländern, unter Umständen auch weltweit. Grippe-Pandemien hat es Schätzungen zufolge seit dem 16. Jahrhundert bereits etwa 30 Mal gegeben. Im 20. Jahrhundert kam es drei Mal zu Pandemien, nämlich 1918, 1957 und 1968. Im Schnitt liegen nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO knapp 30 Jahre zwischen zwei Pandemien.

Experten warnen seit Jahren vor einer Grippe-Pandemie, zuletzt im Zusammenhang mit der Vogelgrippe aus Asien. Nun beobachten Forscher mit Sorge die Schweinegrippe, die in Mexiko ausgebrochen ist. Für den Fall einer Pandemie haben deutsche Behörden aufwendige Vorsorge- und Krisenablaufpläne erarbeitet und unter anderem grosse Mengen antiviraler Medikamente eingelagert.

Dass Viren von Tieren so mutieren, dass sie für Menschen gefährlich werden, ist nichts Neues: So war schon der Erreger der Spanischen Grippe von 1918 ursprünglich ein reines Vogelvirus. Damals starben weltweit mindestens 20 Millionen Menschen. Neuere Schätzungen setzen die Zahl sogar noch höher an.

Wegen des dichten Flugnetzes können Infektionskrankheiten heute weitaus schneller in entlegene Regionen der Welt vordringen. Auch der Aids-Erreger HIV wurde so vergleichsweise rasch in alle Welt verbreitet.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO unterscheidet zwischen sechs Pandemie-Phasen:

Phase 1 - geringes Risiko: Keine neuen Influenzavirus-Subtypen werden beim Menschen entdeckt.

Phase 2 - höheres Risiko: Ein im Tierreich zirkulierender Subtyp birgt ein möglicherweise höheres Krankheitsrisiko für den Menschen.

Phase 3 - pandemische Warnperiode: Die Tierkrankheit breitet sich auf andere Länder und Kontinente aus. Menschen stecken sich zwar an, aber nur im Ursprungsland und nur bei sehr engem Kontakt.

Phase 4 – Im Ursprungsland und ausserhalb werden kleinere Herde von Mensch-zu-Mensch-Übertragungen festgestellt. Noch ist das Virus nicht sehr gut an den Menschen angepasst.

Phase 5 – Es kommt zu Mensch-zu-Mensch-Übertragungen in grösserer Zahl, auch ausserhalb des Ursprungslandes oder -kontinents. In dieser Phase ist das Virus besser an den Menschen angepasst.

Phase 6 - Pandemie-Periode: Ein Virus wird weltweit in der gesamten Bevölkerung von Mensch zu Mensch übertragen.

Die Grippe hat im vergangenen Jahrhundert drei grössere Epidemien verursacht:

1918: Die Spanische Grippe gilt als die verheerendste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Die ersten Fälle wurden zwar in den USA nachgewiesen, ihren Namen erlangte die Krankheit jedoch vor allem wegen des grossen Medieninteresses in Spanien, weil während des Ersten Weltkriegs in vielen anderen Ländern die Presse massiv zensiert wurde. Bei der Spanischen Grippe handelte sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge, gesunde Erwachsene dahinraffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.

1957: Die Pandemie von 1957 wurde als Asiatische Grippe bekannt. Der Virenstrang H2N2 wurde damals zuerst in China nachgewiesen. Die Pandemie hatte zwei Wellen: Zunächst erkrankten hauptsächlich Kinder, später waren vor allem ältere Menschen betroffen. Weltweit geht man von etwa zwei Millionen Toten aus.

1968: Die letzte Pandemie ging als Hongkong-Grippe in die Geschichte ein. Es war die schwächste der drei Pandemien des 20. Jahrhunderts. Erstmals wurde die Krankheit mit dem Virenstrang H3N2 1968 in Hongkong nachgewiesen, von wo aus sie sich in den folgenden zwei Jahren über die ganze Welt verbreitete. Besonders ältere Menschen erkrankten, insgesamt gab es etwa eine Million Grippetote.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts gab es bereits mehrere Epidemien, denen jedoch weit weniger Menschen zum Opfer fielen als den grossen Epidemien des 20. Jahrhunderts.

Im November 2002 trat in der chinesischen Provinz Guangdong die gefährliche Lungenkrankheit Sars auf. Sie breitete sich im Laufe des Jahres 2003 aus, weltweit erkrankten etwa 8000 Menschen, 800 Menschen starben, davon knapp 350 in China.

2003 trat erstmals das Vogelgrippe-Virus H5N1 auf. Seitdem starben mehr als 250 Menschnen an der Krankheit, die meisten in Südostasien. Die Krankheit wird jedoch anders als jetzt das Schweinegrippe-Virus nur vom Tier auf den Menschen übertragen, nicht von Mensch zu Mensch.

Alljährlich gibt es zudem Grippe-Epidemien. Die Grippe-Viren verändern sich rasch, so dass immer neue Impfstoffe entwickelt werden müssen. Jedes Jahr erkranken laut WHO zwischen drei und fünf Millionen Menschen schwer an der Grippe, zwischen 250'000 und 500'000 sterben daran. (sam/sda/ap/)

Erstellt: 27.04.2009, 16:34 Uhr

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4 Kommentare

Anita Kiefer

25.09.2009, 03:52 Uhr
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Interessant wären Zahlen über Todesfallraten im Zusammenhang mit Impfungen gegen Grippeviren. Aber da legt wohl die Pharmaindustrie ihr Veto ein. Ein gutes Geschäft mit der Angst der Menschen und dies mit ausserordentlicher Genehmigung der FDA ohne nachweisliche Unbedenklichkeitsstudien. Antworten


Jack R. Metz

10.08.2009, 13:21 Uhr
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Sie vergassen, die Schweinegrippe von 1976 zu erwähnen. Sie ist als Schweinegrippen-Fiasko in die Geschichte eingegangen. Weil sie auf dem Erreger H1N1 beruhte, hat USA Präsident Ford sofort eine nationale Impfkampagne lanciert. Da es bei einem einzigen Todesfall blieb und anderseits einige Hundert Personen schwere neurologische Impfschäden entwickelten, wurde die Kampagne im Januar abgebrochen. Antworten


Peter Meier

05.08.2009, 12:55 Uhr
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Interessant bei der spanischen Grippe ist, dass sie vor allem diejenigen dahinraffte, die geimpft waren (viele Soldaten)... Antworten


daisy andrade

01.05.2009, 02:27 Uhr
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ganz herzlichen dank fuer die wetvollen zeilen,bin schweizerin und lese den tagesanzeiger taeglich,von allen die besten informationen gibt unser tagi gruesse aus quito-ecuador Antworten



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