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Ein genetischer Schnelltest für 1000 Dollar
Von Walter Niederberger. Aktualisiert am 11.01.2012 9 Kommentare
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Steve Jobs zahlte über 100'000 Dollar, um sein Erbgut analysieren zu lassen und ein auf ihn zugeschnittenes Medikament gegen den Krebs zu finden. Der Apple-Gründer war eine der ersten Personen überhaupt, deren DNA vollständig entschlüsselt wurde. Entweder sei er einer der ersten Menschen, der den Krebs besiegen könne, sagte Jobs, oder einer der letzten, der daran sterbe.
Seine Hoffnung wurde enttäuscht. Doch immerhin sollen solch umfassenden Erbgut-Tests, die bisher einigen wenigen vermögenden Patienten vorbehalten waren, bald zum medizinischen Grundangebot werden.
Resultate innerhalb eines Tages
Die kalifornische Life Technologies Corporation stellte gestern ein Analysegerät vor, mit dem eine vollständige DNA-Untersuchung für nur rund 1000 Dollar durchgeführt werden kann. Und das Resultat soll noch am selben Tag vorliegen statt wie bis anhin nach einer Woche. Das Analysegerät ist etwa so gross wie ein Drucker und kostete zwischen 99'000 und 149'000 Dollar. Grössere Arztpraxen und Spitäler sollten sich somit ein DNA-Gerät leisten können, erklärte Jonathan Rothberg, Direktor von Life Technologies.
Eine Analyse des Erbguts erlaubt Ärzten und Wissenschaftern, frühzeitig Zellveränderungen zu erkennen, die schwere, lebensbedrohenden Krankheiten wie Parkinsons, Alzheimer oder Diabetes auslösen können. Das Aufschlüsseln sämtlicher drei Milliarden DNA-Einheiten, die das Erbgut ausmachen, sei besonders hilfreich, wenn nicht klar sei, welches Gen eine Erkrankung auslöse, so der Direktor des Genome Institute in St. Louis, Richard Wilson. Gestützt darauf, sei es Pharma- und Biotechfirmen möglich, vermehrt individuelle, auf einen Patienten abgestimmte Medikamente zu entwickeln.
Hilfreich für Pharmaforschung
Das 2003 abgeschlossene Humane Genome Project hatte zunächst grosse Hoffnungen auf die Entwicklung einer Reihe gezielter Medikamente geweckt. Diese Erwartungen wurden bislang nicht erfüllt, unter anderem auch, weil bis anhin erst 1800 Genome vollständig erforscht wurden. Mit Massentests, so glauben die Forscher, könnte die präventive Behandlung mit individuellen Medikamenten rascher vorankommen.
Allerdings stehen gemäss Umfragen in den USA bis zu 90 Prozent der Ärzte der Massenverbreitung der DNA-Analysen skeptisch gegenüber, weil Patienten überfordert sein könnten. Entweder glauben sie zu Unrecht, eine bestimmte DNA-Konstellation führe zwangsläufig zu einer schweren Erkrankung, oder sie wiegen sich in falscher Sicherheit, wenn das Erbgut ein bestimmtes Krankheitsrisiko nicht erkennen lässt. Hinzu kommt, dass jeder Mensch DNA-Veränderungen mit potenziell tödlichen Krankheitsfolgen aufweist. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.01.2012, 18:49 Uhr
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