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«Eine bis fünf Pillen täglich, ein Leben lang»
Von Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 15.08.2012 46 Kommentare
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«Die Medikamente, die wir heute haben, sind verträglicher»: Manuel Battegay, Leiter der Infektiologie und Spitalhygiene am Universitätsspital Basel sowie Co-Leiter einer Schweizer HIV-Studie mit 2000 Neuinfizierten.
Links
- Schweizerische HIV-Kohortenstudie
- «Ich bin HIV-positiv und führe ein normales Leben» (Swiss Aids News)
- «Choice of Initial Combination Antiretroviral Therapy in Individuals With HIV Infection» (Archives of Internal Medicine)
- Aids-Hilfe Schweiz
Mehr Medikamente mit schwereren Nebenwirkungen: Die Tagesration mit 35 verschiedenen Tabletten für eine Patientin im Jahr 1998.
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HIV/Aids ist nach wie vor nicht heilbar – das muss betont werden. HIV/Aids wird aber eine immer normalere Krankheit. Normaler insofern, als HIV-Infizierte dank zunehmend wirksameren Medikamenten eine annähernd gleich hohe Lebenserwartung haben wie gesunde Menschen – und dies bei zumeist guter Lebensqualität, weil die Medikamente immer verträglicher werden.
Laut Manuel Battegay, Leiter der Infektiologie und Spitalhygiene am Universitätsspital Basel, müssen Betroffene «eine bis vier oder fünf Pillen pro Tag einnehmen, immer zum selben Zeitpunkt, meist einmal täglich entweder morgens oder abends». Weil HIV/Aids weiterhin eine chronische Krankheit ist, müssen die Medikamente lebenslang eingenommen werden. Dennoch ist dies ein Fortschritt: Es ist noch nicht lange her, da mussten HIV-infizierte Patienten deutlich mehr Pillen (siehe Foto unten) mit spürbareren Nebenwirkungen einnehmen.
90 Prozent der Infizierten nicht mehr ansteckend
Manuel Battegay und seine Basler Uni-Kollegin Luigia Elzi haben eine Schweizer Studie mit rund 2000 Neuinfizierten im Rahmen der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie geleitet. Die soeben veröffentlichten Resultate der Studie sind auch international sehr bemerkenswert: Egal welche Medikamenten-Kombinationen die Patienten einnehmen, bei 90 Prozent von ihnen verschwinden die Viren fast vollständig aus dem Blut. Damit waren die Infizierten nicht mehr ansteckend. Allerdings würde die Virusvermehrung laut Elzi bei Absetzen der Therapie sehr rasch wieder beginnen. Die regelmässige Einnahme von Medikamenten ist also entscheidend für den Erfolg der HIV-Therapien.
Je nach Patient kommen mehrere Therapien zur Anwendung. Ärzte können heute zwischen rund 25 antiviralen Medikamenten oder Wirkstoffkombinationen auswählen, um HIV zu bekämpfen. Laut Battegay hat sich die Situation punkto Nebenwirkungen der Medikamente deutlich verbessert. «Die Medikamente, die wir heute haben, sind verträglicher», wie er im Gespräch mit baz.ch/Newsnet sagt.
Übelkeit oder Schwindelgefühle am Anfang
Einzelne verschriebene Medikamente beinhalten bis zu drei verschiedene Wirkstoffe. Zu Beginn einer Therapie kommt es laut Battegay immer wieder vor, dass Patienten über Übelkeit oder Schwindelgefühle klagten. Normalerweise verschwänden diese Symptome wieder. Wenn dies nicht der Fall sei, werde die Therapie angepasst. Die Patienten werden jedenfalls an allen an der Studie beteiligten schweizerischen Zentren – Basel, Bern, Genf, Lausanne, Lugano, St. Gallen und Zürich – «sehr gut und in gleicher Qualität betreut», wie Battegay sagt.
In die Studie wurden auch Drogenabhängige, die Methadon erhalten, sowie Patienten mit Hepatitis oder Herzkreislauf-Krankheiten miteinbezogen. Solche gesundheitlichen Probleme beeinflussen die Auswahl der Medikamente und können ihre Wirksamkeit reduzieren. Bei einem Teil der HIV-Patienten, so Battegay, kann es langfristige Nebenwirkungen geben. Dabei handelt es sich um medizinische Probleme, die die Leber, die Nieren oder den Fettstoffwechsel betreffen. Laut Battegay belaufen sich die Kosten von solchen Therapien auf rund 15'000 Franken pro Jahr.
«Diese Krankheit darf keinesfalls verharmlost werden»
Obwohl die Schweizer HIV-Studie für Betroffene zu neuer Hoffnung Anlass gibt, warnt Battegay davor, die HIV-/Aids-Präventionsarbeit zu vernachlässigen. «Diese Krankheit darf keinesfalls verharmlost werden.» HIV/Aids sei nach wie vor eine Belastung für die betroffenen Menschen, zumal die Krankheit sehr persönliche Dinge tangiere, etwa die Sexualität oder auch Beziehungen, sagt der Basler Mediziner. Ausserdem sind die Langzeitauswirkungen von jahrzehntelanger Krankheit und Therapie nicht ausreichend erforscht.
Inwiefern ein normales Leben möglich ist, schildert ein HIV-positiver Mann in der neusten Ausgabe der Zeitschrift «Swiss Aids News» der Aids-Hilfe Schweiz. Der Mann, der sich 1995 angesteckt hatte, lebt in einer offenen Beziehung und arbeitet zu 100 Prozent. Zu seinem Leben gehören regelmässige Arztkontrollen.
Jährlich werden 500 neue HIV-Fälle registriert
Trotz medizinischer Forschritte ist es immer noch eminent wichtig, sich gar nicht anzustecken. Nach Ansicht von Battegay müsste die gute Aufklärungsarbeit der Aids-Hilfe, insbesondere an den Schulen, wieder vermehrt unterstützt und intensiviert werden.
In der Schweiz leben heute rund 25'000 Menschen mit HIV und Aids, jedes Jahr werden rund 500 neue HIV-Fälle registriert. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.08.2012, 14:27 Uhr
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46 Kommentare
Mein Nachbar hat seid 23 Jahren HIV man sieht es im nicht an er sieht top aus ist Fit arbeitet zu 100% und es geht ihm ausgezeichnet,er hat mich bez. HIV sehr gut aufgeklärt, das schlimme sei nicht die Therapie sondern die Stigmatisierung, die Ablehnung weil immer noch das Bild von 1985 in den Köpfen festsitzt.Die Fortschritte in der HIV Medizin faszinierend.Was Krebs angeht sind wir Steinzeit med Antworten
Auf den Rauchern und Uebergewichtigen (nicht alle gemeint) hackt man immer rum, weil sie ihren Gesundheitszustand selber ruinieren und so die Krankenkasse also die Allgemeinheit belasten würden. Wie siehts dann aber mit einem HIV-Kranken aus, der ungeschützt Sex mit Risikogruppen praktiziert? Weshalb soll hier die Krankenkasse 15'000.- p.a. zahlen. Rechnet mal, wenn er mit 30 Jahren erkrankt... Antworten
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