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Ist Schweigen wirklich Gold?
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Wir fragen, antworten, diskutieren, kommentieren fast ohne Unterlass. Trotzdem ist es ziemlich gewiss, dass die höchste, klügste, wenn nicht gar schönste Form der Kommunikation ein waches, aufmerksames Schweigen ist.
Liebe Frau K.
Im Alltag hat man sich auf die Formel geeinigt, dass Reden Silber ist und Schweigen Gold. Gold ist seltener als Silber, darum entsprechend wertvoller. Silber ist allerdings auch nicht zu verachten. Und somit ist man redend wie schweigend auf der sicheren (edelmetallischen) Seite. Ein «Paradox», mit dem man zurechtkommen müsste, scheint es nicht zu geben: alles zu seiner Zeit. Ebenso wenig scheint es mir «gewiss», dass («waches, aufmerksames») Schweigen «die höchste, klügste» und möglicherweise «schönste Form der Kommunikation» darstellt.
Denken Sie dabei an das wohlwollend einverständige Schweigen gut miteinander alt gewordener, liebender Ehepaare? Wie Philemon und Baucis vor der Hütte zu sitzen und so andächtig wie wortlos den Sonnenuntergang betrachten, stelle auch ich mir ziemlich golden vor. Doch die Fälle bleiernen Anschweigens dürften häufiger sein. Oder denken Sie gar an das berühmte Schweigen des Analytikers in der Psychoanalyse? Wenn Letzteres zutrifft, dann besten Dank für das Stichwort – aber ich muss Ihrer stillen Verehrung einen geschwätzigen Dämpfer verpassen: Das Schweigen des Analytikers wird gewaltig überschätzt – insbesondere von den Psychoanalytikern selbst, die aus ihm geradezu ihr Markenzeichen (neben der Couch) gemacht haben. Manche pervertieren es, indem sie damit ihrerseits der Analysestunde eine Aura sakraler Stille verleihen, in die der arme Analysand getreu dem Gebot der freien Assoziation permanent hineinquatschen muss, bis der Analytiker-Priester am Schluss der Stunde kurz sein Schweigegelübde unterbricht und das erlösende «Gehet hin in Frieden» spricht.
Kein Wunder, wenn der sich bei dieser Übung wie ein plappernder Banause in einer vollkommen stillen Kathedrale vorkommt. Dabei ist das Schweigen des Psychoanalytikers nichts weiter als ein technischer Kniff der Selbstdisziplinierung, sich beim Verstehen und beim Einverständnis mit dem Patienten gefälligst zurückzuhalten. Aber auch beim Widersprechen. Und, so geduldig es die eigene charakterliche Konstitution zulässt, auf jene eher seltenen Momente zu warten, in dem sich das Gesagte des Patienten und die eigenen Gedanken zum Lichtblick einer gewagten Deutung oder Rekonstruktion verheddern.
Dann aber ist Schluss mit Schweigen, und Reden ist Gold. Eine gute Deutung kommt einem so unverhofft wie unabweislich auf die Zunge wie eine gelungene Pointe, und die will unters Volk gebracht werden. Der Rest ist Schweigen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.01.2012, 14:44 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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