Potenter als ein Grippevirus

«Noch immer sind in der Schweiz zu wenige gegen Masern geimpft», sagt Christoph Berger vom Kinderspital Zürich.

Der mittlere Punkt stellt die infizierte Person dar. Die damit verbundenen Punkte zeigen, wie viele gesunde Personen von dieser Person mindestens (beziehungsweise höchstens) angesteckt werden können. Quelle: ECDC


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Masern gehören zu einer der ansteckendsten Krankheiten überhaupt. Jedes Jahr stecken sich weltweit trotz Impfkampagnen weiterhin Millionen Menschen mit dem Erreger an. Im Jahr 2015 sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) insgesamt 134'200 Menschen an Masern gestorben. Umgerechnet bedeutet dies jeden Tag 367 Tote, das sind also etwa jede Stunde 15 Menschen.

«Obwohl in der Schweiz mittlerweile viele Kinder und Jugendliche mit dem höchst wirksamen und gut verträglichen Impfstoff geimpft sind, haben etliche Erwachsene es immer noch nicht gemacht», sagt der Infektiologe Christoph Berger vom Kinderspital Zürich. Dies sei ein grosses Problem, da sie andere Menschen anstecken und gefährden.

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Denn das Virus sei sehr viel potenter als ein Grippevirus. Würde zum Beispiel in einer Schulklasse, die aus nur ungeimpften Kindern besteht, ein einziger Schüler Grippe haben und ein weiterer Masern, dann hätten am Schluss fast alle Kinder Masern und etwa nur zwei die Grippe.

Gefährliche Flecken

Masernviren übertragen sich von einer Person auf die andere über kleinste Tröpfchen, zum Beispiel beim Husten, und gelangen über die Atemwege oder Bindehaut der Augen in den Körper. Wie stark jemand erkrankt, hängt vor allem davon ab, wie gut das Immunsystem den Eindringling sofort abwehren kann. Ist der Infizierte geschwächt, vermehrt sich das Virus vorerst im Rachen und in der Lunge. Somit treten am Anfang häufig grippeähnliche Symptome wie Fieber, Husten sowie tränende Augen auf, und ein paar Tage später kommen all die roten Flecken hinzu, die sich von den Ohren an allmählich übers Gesicht bis hin zu den Füssen auf dem ganzen Körper verteilen.

Bei einigen Patienten bleibt es aber nicht dabei, sondern gefürchtete Komplikationen wie etwa Lungen- oder Hirnentzündungen sind mögliche Folgen. Insbesondere für immungeschwächte Personen kann das Virus auch lebensgefährlich sein. Und dies, obwohl sie früher sogar geimpft waren, wie der erste Schweizer Masern-Todesfall seit Jahren zeigt.

Es sei auch ein Beitrag zur Solidarität, sich impfen zu lassen, sagt Berger. In der Schweiz reiche die Durchimpfungsrate immer noch nicht aus, um die Zirkulation von Masernviren im Land zu unterbrechen. Man sei zwar inzwischen schon weit gekommen und das Ziel sei in Reichweite, doch die letzten Schritte seien immer die schwierigsten. Die USA oder Finnland wären im Vergleich wesentlich weiter.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 24.03.2017, 17:32 Uhr)

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