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Schlafattacken und Muskelversagen nach einer Erkältung
Von Felix Straumann. Aktualisiert am 02.09.2011 10 Kommentare
Oftmals falsche Diagnosen
Narkolepsie ist eine seltene Erkrankung, rund 2500 Betroffene schätzt man in der Schweiz. Viele sind nicht oder nicht korrekt diagnostiziert und werden dadurch nicht therapiert. «Zahlreiche Narkoleptiker laufen als falsch diagnostizierte Epileptiker herum», sagt Christian Baumann, Neurologe am Unispital Zürich. Man kennt fünf Hauptsymptome:
1. Tagesschläfrigkeit: Entweder ständig oder kurze anfallsartige Einschlafattacken.
2. Kataplexie: Plötzliche Muskelerschlaffung, meist durch Gemütsregung ausgelöst.
3. Hypnagoge Halluzination: Vermischen von Traumwahrnehmungen mit dem Wachbewusstsein beim Einschlafen.
4. Schlaflähmung: Der Narkoleptiker will wach werden, doch der Schlaf lässt ihn nicht los.
5. Gestörter Nachtschlaf: Abruptes Erwachen ohne ersichtlichen Grund. (fes)
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Bislang galt der Verdacht ausschliesslich Pandemrix. Der Impfstoff der Firma GlaxoSmithKline gegen das Schweinegrippevirus H1N1 wurde während der Pandemie im Jahr 2009 weltweit millionenfach gespritzt und soll in seltenen Fällen die Schlafkrankheit Narkolepsie auslösen. Nach ersten Fallberichten aus Finnland und Schweden haben inzwischen Ärzte aus weiteren Ländern, auch der Schweiz, die unerwünschte Nebenwirkung registriert. Und obwohl selten, haben die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) und auch Swissmedic, das Schweizerische Heilmittelinstitut, im Juli entschieden, Pandemrix nur noch für über 20-Jährige zuzulassen. Zu gravierend ist die Krankheit für die mehrheitlich betroffenen Kinder und Jugendlichen.
Doch nun meldet ein Team um Emmanuel Mignot von der Stanford University, dass das H1N1-Virus und möglicherweise auch andere Grippeviren Narkolepsie auslösen können, und zwar unabhängig davon, ob jemand geimpft ist oder nicht. Die Forscher analysierten rückwirkend Daten von 629 Patienten aus Peking, deren Narkolepsie zwischen 1998 und 2011 einsetzte.
Dabei wurde klar sichtbar, dass das erste Auftreten der Krankheit einem saisonalen Muster folgte: Am wenigsten neue Fälle gab es jeweils im November, am meisten im April, rund ein halbes Jahr nach dem Maximum der Erkältungssaison. Die beiden Extreme unterschieden sich dabei im Schnitt um den Faktor 6,7.
Im Jahr-zu-Jahr-Vergleich traten nach der Schweinegrippe-Pandemie 2009 dreimal mehr Fälle auf als in den vorherigen Jahren, die alle ungefähr gleich verliefen. Die Impfung spielte dabei keine Rolle: Nur 8 von 142 der Patienten (5,6 Prozent), die nach dem Oktober 2009 Narkolepsie entwickelten und von denen der Impfstatus ermittelt werden konnte, waren geimpft. Auch wenn der eindeutige Beweis aussteht, für Studienautor Fang Han von der Universität Peking steht e i n e Interpretation im Vordergrund: «Die dramatische Zunahme von Narkolepsie-Fällen im Anschluss an die Pandemie deutet auf eine mögliche Rolle des H1N1-Virus hin.» Das saisonale Muster der anderen Jahre sei zudem ein deutlicher Hinweis auf gewöhnliche Grippeviren als Auslöser.
Botenstoff im Gehirn fehlt
Narkolepsie ist eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Betroffene leiden unter Symptomen wie extremer Schläfrigkeit, plötzlichem Muskelversagen oder Schlaflähmungen. Neue Forschungen zeigen, dass Narkoleptiker im Gehirn weniger von der Schlaf-Wach-Regulatorsubstanz Hypokretin haben. Über den Grund für diesen Mangel spekulieren die Mediziner noch. Lange Zeit standen neurodegenerative Prozesse wie bei der Alzheimererkrankung im Vordergrund. Inzwischen deuten verschiedene Studien aber auf eine Autoimmunreaktion, bei der das körpereigene Abwehrsystem irrtümlich Nervenzellen angreift, die den Botenstoff Hypokretin herstellen. Dabei könnten Krankheitserreger eine wichtige Rolle spielen.
«Wir haben immer mehr Anhaltspunkte dafür, dass Infektionen der oberen Atemwege bei der Entstehung von Narkolepsie wichtig sind», sagt Emmanuel Mignot. Bereits frühere Studien haben darauf hingedeutet, dass einem Krankheitsausbruch häufig Infektionen mit Streptokokken-Bakterien vorausgehen. «Wir hatten deshalb den Verdacht, dass saisonale Schwankungen auftreten könnten, die Deutlichkeit der Daten hat mich aber dennoch sehr überrascht», so Mignot. Die Zahlen aus China seien dabei zuverlässig und liessen sich auch auf Europa übertragen. Ob Influenzaviren selber der Auslöser waren, ist nicht erwiesen. Es könnten ebenso gut auch andere Erkältungsviren oder Bakterien sein, die gleichzeitig, kurz davor oder danach kursieren. Unklar ist zudem, ob die Infektionen eine Narkolepsie nur auslösen, welche die Patienten ohnehin über kurz oder lang bekommen hätten. Möglich wäre auch, dass Krankheitserreger die eigentlichen Auslöser der Autoimmunreaktion sind.
Fünf Fälle in der Schweiz
Die Frage, ob der Impfstoff Pandemrix tatsächlich Narkolepsie auslöst und wieso, klärt die Studie mit den chinesischen Daten nicht auf. In China waren dieser Pandemie-Impfstoff sowie ähnliche Impfprodukte nicht im Einsatz. Immerhin ist klar, dass andere Grippeimpfstoffe ohne Wirkverstärker bei der Narkolepsie keine Rolle spielen.
Bei Pandemrix berechneten die Gesundheitsbehörden in Finnland ein neunfach erhöhtes Erkrankungsrisiko, in Schweden war die Gefahr bei unter 20-Jährigen vierfach erhöht. In der Schweiz sind fünf Fälle bekannt. Einer davon am Universitätsspital Zürich mit «sehr gut belegtem Zusammenhang zur Pandemrix-Impfung», sagt Christian Baumann, Neurologe am Universitätsspital Zürich. «Der eindeutige Beweis fehlt allerdings.» Verschiedene Studien, unter anderem in Deutschland, sollen diesen erbringen.
Wahrscheinlich ist, dass die Narkolepsie durch den Wirkverstärker im Impfstoff begünstigt wurde. Möglich, dass das Adjuvans unbeabsichtigt eine vorhandene Autoimmunreaktion verstärkt oder eine neue ausgelöst hat – mit oder ohne Beteiligung des Schweinegrippevirus. Allerdings: «Die Impfung war zu spät, die meisten waren zu dem Zeitpunkt bereits infiziert mit H1N1», gibt Mignot zu bedenken. Es könnte deshalb auch sein, dass die Betroffenen eigentlich unter den Folgen einer Grippeinfektion leiden und der Zeitpunkt der Impfung zufällig damit zusammenfiel. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.08.2011, 18:51 Uhr
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10 Kommentare
Die Diskussion des Wirkstoffvertärkers war bekannt. Die USA haben ihre Bevölkerung geschützt. Leider hat es unsere Pharmalobby geschafft, den günstigsten Freifeldversuch durchzuführen-korrumpierte Politik....? Eklig waren/sind auch die Zwangsimpfungen des Pflegepersonals! Antworten

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