Wissen

Waterboarding verursacht Erinnerungslücken bei den Opfern

Aktualisiert am 21.09.2009

Die von US-Präsident Barack Obama abgeschafften harschen Verhörmethoden des Geheimdienstes CIA haben bei den betroffenen Verdächtigen bleibende Schäden angerichtet.

Folter: Protestaktion gegen das Waterboarding.

Folter: Protestaktion gegen das Waterboarding.
Bild: Keystone

Durch die Foltermethoden des amerikanischen Geheimdienstes sind bei Terrorverdächtigen wahrscheinlich Erinnerungsvermögen und Hirnfunktionen beeinträchtigt und damit ihre Fähigkeit vermindert worden, genau die detaillierten Informationen zu geben, die die CIA haben wollte. Das geht aus einer Studie irischer Forscher hervor, die am Montag in dem Wissenschaftsmagazin «Trends in Cognitive Science: Science and Society» veröffentlicht wurde.

Die vom damaligen Präsidenten George W. Bush genehmigten harten Verhörmethoden wie das Ertrinken simulierende so genannte Waterboarding habe die Fähigkeit der Vernommenen gemindert, sich detaillierte Informationen merken und diese abrufen zu können. Derart unter Druck gesetzte Verdächtige könnten dann versucht haben, Erinnerungslücken irgendwie auszufüllen - dieses Phänomen ist beispielsweise bei Alzheimer-Patienten als konfabulieren bekannt. Die Autoren der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass die von Obama als Folter bezeichneten Verhörmethoden genau das Gegenteil bewirkten, was das Verhör bewirken sollte: verlässliche Informationen zu generieren.

Bush-Regierung ignorierte moderne Wissenschaft

In dem Bericht schreibt Professor Shane O'Mara vom Institut für Neurowissenschaft, die in der Bush-Ära angewandten harschen Verhörmethoden beruhten offenbar nicht auf den modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen darüber, wie Erinnerung und kognitive Gehirnfunktionen arbeiteten. CIA-Techniken wie langer Schlafentzug, die Fesselung in schmerzhaften Körperhaltungen, das Ausnutzen von Ängsten der Gefangenen und Waterboarding seien für das Verhörziel biologisch kontraproduktiv gewesen.

«Gründliche wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie extremer Stress und Schmerz das Gedächtnis und ausführende Funktionen (wie Planung) beeinflussen, legen nahe, dass diese Techniken wohl nichts anderes produzieren als das Gegenteil von dem, was Ziel der Vernehmung mit Zwang war», heisst es in der Veröffentlichung des irischen Trinity College. (vin/ap)

Erstellt: 21.09.2009, 19:30 Uhr

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!