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Ökologischer Feldzug gegen die Malaria

Von Barbara Reye, Malindi. Aktualisiert am 08.05.2009 1 Kommentar

Mückenlarven abzutöten, ist eine wirksame Methode, um Malaria in afrikanischen Städten zu bekämpfen. Wie sich diese Herkulesaufgabe bewältigen lässt, zeigt ein Besuch vor Ort.

Untersucht Larven: Moskitofahnder.

Untersucht Larven: Moskitofahnder.

Bereit für die Analyse: Tote Mücken.

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DNA-Proben der Krankheitserreger.

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Erfüllung findet er im neuen Job, und zwar eine ganz besondere. Wenn seine Nachbarn noch schlafen, ist der Kenyaner Daniel Thoya bereits in den Strassen der Küstenstadt Malindi unterwegs. Denn der gelernte Schreiner hat den die Malaria übertragenden Moskitos den Kampf angesagt, wegen denen allein in Kenya jedes Jahr 34'000 Menschen sterben. Vor allem Kinder unter fünf Jahren. Doch das Töten der tückischen Stechmücken ist eine Sisyphosarbeit sondergleichen.

Jeden Dienstagmorgen fährt der 35-jährige Mann um sechs Uhr mit seinem alten Velo durch den bei Europäern beliebten Ferienort Malindi am Indischen Ozean, wo er - wie auch seine mehr als ein Dutzend Kollegen - für einen bestimmten Bezirk der Stadt zuständig ist. In seinem einen Quadratkilometer grossen Gebiet sammelt er die am Abend zuvor aufgestellten Lichtfallen ein, in denen die Moskitos allesamt noch leben. Und schöpft mit einer Kelle Larven aus dem Wasser privater Swimmingpools, deren Besitzer nur äusserst selten oder gar nicht mehr vorbeikommen.

Die Mafia und die Moskitos

Zum Teil sind es nur noch Bauruinen, um die sich seit Jahren niemand mehr kümmert. Völlig verwahrlost. Ein Grund dafür ist, dass Ende der 90er-Jahre die kenyanische Regierung mehrere Razzien gegen ausländische Drogenhändler mit Kontakten zur Mafia gemacht hat. In fast jeder zweiten Villa wurde damals Kokain gefunden. Bei einigen sogar im Wert von mehreren Millionen Franken. Wer rechtzeitig fliehen konnte, hat alles stehen und liegen gelassen. Nur die Moskitos nutzen noch die Swimmingpools vergangener Zeiten, in denen sich durch den Regen immer wieder Wasser ansammelt.

Genau dies ist das Problem in Malindi. «Neben Pfützen, Tümpeln und offenen Brunnen sind solche Pools ideale Brutgebiete für Stechmücken», erklärt Thoya und schüttet ein wenig von einem biologischen Insektizid ins Wasserbecken. Das Ziel ist es, das Übel gleich im Keim zu ersticken. Denn ein einziges Anophelesweibchen legt 50 bis 200 kleine, schwarze Eier in solche stehenden Gewässer. Nach zwei bis drei Tagen schlüpfen dort die Larven. Im Wasser sind sie gut zu erkennen, weil sie sich zum Atmen parallel zur Oberfläche aufhalten.

Gift durchlöchert Mückendarm

Der Moskitojäger hat den biologischen Wirkstoff des Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) in Form eines löslichen, schnell abbaubaren Granulats ins Wasser gestreut. «Es wirkt spezifisch auf Zweiflügler», sagt Charles Mbogo, Malariaspezialist des Internationalen Insektenforschungsinstituts (Icipe) in Kilifi, der das Projekt in Malindi wissenschaftlich betreut. Das Gift durchlöchert den Darm der Larven, wodurch sie schnell absterben. Durch diese ökologische Methode ist es gelungen, die Larven von Juni 2006 bis November 2008 um mehr als 30 Prozent zu reduzieren.

Auch im staatlichen Malindi District Hospital, das mit Spendengeldern recht komfortabel ausgebaut wurde, ist dies deutlich spürbar. «Vor fünf Jahren hatten wir noch 10 000 Malariapatienten in einem Jahr», sagt der Mediziner Morris Buni. «Es war so überfüllt, dass wir nicht mehr wussten, wo wir anfangen sollten.» Die Situation habe sich dank der Arbeit der Stechmückenfahnder stark verändert. Jetzt hätten sie jährlich nur noch 500 bis 600 Fälle.

Chinin und Coartem

Weil die Regenzeit in Malindi noch nicht begonnen hat, gibt es in der Kinderabteilung derzeit nur vereinzelt Malariapatienten. Gleich hinter dem Eingangsbereich stillt eine Mutter ihren erst eineinhalb Monate alten Sohn. Als er immer mehr gehustet habe, Atemprobleme und Fieber bekommen habe, habe sie ihn mit dem Motorrad ins Spital gefahren, berichtet die besorgte Frau. Der fünf Jahre ältere Bruder werde während ihrer Abwesenheit jetzt von der Tante betreut.

Dicht an dicht stehen die Betten in dem knallgelb gestrichenen Raum, in dem 52 kranke Kinder erstaunlich ruhig nebeneinanderliegen, umsorgt von ihren Müttern. Beim Eintritt ins Spital bekam der kleine Hussein sofort eine Spritze mit Chinin, dem ältesten Malariamedikament überhaupt. Ein paar Tage später erhielt er die bitter schmeckenden Tabletten Coartem, die viele Kinder gleich wieder ausspucken. «Hussein geht es wieder gut», sagt Morris Buni. Er könne bald schon nach Hause.

Einer der grössten Killer

Ein einziger Stich der Anophelesmücke reicht, um die krankheitserregenden Plasmodien zu übertragen, die ohne Behandlung bei den kleinen Patienten oft zum Tod führen. Dies ist sich auch Daniel Thoya bewusst, der selbst vier Kinder hat. Erst mit der Zeit entwickelt das Immunsystem durch den Kontakt mit dem einzelligen Parasiten einen gewissen Schutz gegen die Krankheit.

Sorgfältig sortiert er in einem anderen Gebäude des Spitals die rund sechs Millimeter winzigen Mücken, die er zuvor in der Kühltruhe verstaut und somit für weitere Untersuchungen, ohne sie zu beschädigen, getötet hat. Andere Stechmücken, die nicht zur Gattung Anopheles gehören, tut er zur Seite. «Dies hier ist eine Malariamücke», sagt Daniel Thoya. Man erkenne sie am hochstehenden Hinterteil. Ausserdem habe sie lange Taster und dunkle Flecken an den Flügeln. Dann macht er sich Notizen und verpackt Tausende der einstigen Plagegeister in einem Karton.

Weibchen sind das Problem

Dicke Post für die Forscher im Institut in Kilifi, die nun die Plasmodien aus den infizierten Mückenweibchen isolieren müssen und allein vom gefährlichen Plasmodium falciparum mehr als Hundert verschiedene Stämme identifiziert haben. «Nicht alle von ihnen führen zu schwer wiegenden Symptomen und sind tödlich», sagt Charles Mbogo vom Icipe.

Weil nur die Weibchen Blut saugen und mit ihrem Speichel die riskanten Krankheitserreger übertragen können, werden in Malindi die Männchen erst gar nicht weiter geschickt. Daniel Thoya: «Wir suchen sie heraus, zählen sie und werfen sie dann bei uns in den Müll.»

Der Artikel entstand im Rahmen einer Pressereise, die von der Schweizer Stiftung BioVision organisiert wurde.
(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.05.2009, 15:02 Uhr

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1 Kommentar

Ronnie König

08.05.2009, 15:54 Uhr
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Das ist ein gelungener PR-Gag aus Kenia! Die haben schlicht kein Geld um das flächendeckend zu realisieren! Zuviel vom Staatsetat wird benötigt um die zwei Leader(Mkibaki/Odinga) mit ihrer Entourage und Frauen durch zu füttern. Zudem hat es zuviel Wasser wo Mücken brüten und die Gleichgültigkeit im Volk sollte man nicht unterschätzen! Erfolg gibt es nur, wenn wir aus dem Norden bezahlen. Antworten



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