Mehr tödliche Herzinfarkte während Marathon – bei den Anwohnern

US-Studie: Weil die Notfallfahrzeuge während der Grossveranstaltungen schlechter durchkommen, steigt die Zahl der Todesfälle.

Wegen der Marathonläufer verlieren Rettungswagen wertvolle Minuten. (Bilgin S. Sasmaz/Getty Images)

Wegen der Marathonläufer verlieren Rettungswagen wertvolle Minuten. (Bilgin S. Sasmaz/Getty Images)

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Beim Marathon sorgen sich alle um die Gesundheit der Sportler. Wie es den Anwohnern geht, fragt kaum jemand. Das könnte sich ändern. Denn solche Veranstaltungen können insbesondere für Unbeteiligte tödlich enden. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Harvard Medical School in Boston, nachdem sie Daten aus elf amerikanischen Grossstädten analysiert haben.

Konkret sterben Patienten mit einem Herzinfarkt oder nach einer Reanimation nach Herzstillstand häufiger während Marathonläufen. Das klingt überraschend. Doch die Erklärung für das Phänomen ist einleuchtend: Während der Veranstaltung wird der Strassenverkehr grossräumig umgeleitet, wodurch Rettungswagen ihr Ziel später erreichen. Die Verzögerung war dabei in der Studie mit durchschnittlich rund vier Minuten nicht wirklich gross (18,1 statt 13,7 Minuten). Doch in solchen Notfallsituationen kann dies über Leben oder Tod entscheiden. «Bei der Behandlung eines Herzinfarkts zählt jede Minute», wird Studienleiterin Anupam Jena in einer Mitteilung zitiert. Ihre Studie wurde unlängst im angesehenen Fachblatt «New England Journal of Medicine» veröffentlicht.

«Üblicherweise fokussieren wir uns bei der medizinischen Bereitschaft und Notfallversorgung auf die Läufer», so Jena. «Unsere Untersuchungen legen jedoch nahe, dass Effekte eines Marathons auch über den Anlass hinaus wirken.» Das dürfte nicht nur für Marathonläufe, sondern auch für andere Grossveranstaltungen gelten. Etwa das Sechseläuten, das demnächst in Zürich stattfinden wird. Jena findet deshalb, dass Organisatoren von grossen Veranstaltungen sicherstellen müssten, dass «die Anwohner lebensrettende Behandlung bekommen, welche sie schnell benötigen».

Drei zusätzliche Todesfälle auf 100 Infarkte

Für die Studie analysierten die Mediziner die Überlebensraten von über 1100 Patienten, die während einer Marathon-Veranstaltung wegen Herzinfarkt oder nach Herzstillstand ins Spital eingeliefert wurden. Die Daten verglichen sie mit denjenigen von 11'000 Patienten, die an Nichtmarathontagen Hilfe benötigten.

Der Effekt war dabei nicht gerade klein: Es zeigte sich, dass 28 Prozent der Patienten innerhalb von 30 Tagen starb, wenn sie an Marathontagen eingeliefert wurden. An anderen Tagen lag die Rate bei 25 Prozent. Das bedeutet, dass auf hundert Patienten mit Herzinfarkt oder Herzstillstand an Marathontagen etwas über drei Todesfälle hinzukommen. Andere Faktoren als die Verzögerung der Rettungswagen konnten die Forscher ausschliessen. Während Marathonveranstaltungen wurden Patienten nicht in andere Spitäler eingeliefert, es war nicht weniger Personal vorhanden und auch die Behandlungen unterschieden sich nicht im Vergleich zu anderen Tagen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.04.2017, 14:42 Uhr

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