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Bei Lärm rufen Blauwale ihre Freunde
Singende Blauwale. Quelle: Youtube.
Blauwale verändern ihr Rufverhalten, wenn sie durch Lärm gestört werden. Das zeigt die Studie einer Forscherin der Universität Zürich. Die Tiere produzierten mehr soziale Rufe, wenn sie dem Schall von seismischen Untersuchungen ausgesetzt waren.
Die Verhaltensbiologin Lucia Di Iorio beobachtete Blauwale im St.-Lorenz-Golf von Kanada. Das Gebiet, in dem der St.-Lorenz-Strom in den Atlantik mündet, gilt als wichtiges Nahrungsgebiet für viele Meeressäuger. Blauwale, die sonst als Einzelgänger die Meere durchstreifen, treffen hier aufeinander und verständigen sich dabei mittels sozialer Rufe.
Di Iorio wollte wissen, wie das Rufverhalten der Tiere durch seismische Untersuchungen beeinflusst wird. Solche Erkundungen dienen meist der Suche nach Öl oder Gas im Erdinnern. Von Schiffen aus werden laute Schallwellen durchs Wasser geschickt; anhand der Reflexion können Geologen bestimmen, wie der Untergrund aussieht.
Walrufe auf Tonband
Elf Tage lang nahm Di Iorio die Signalrufe von verschiedenen Blauwalen auf Tonband auf und verglich dann deren Häufigkeit mit der Lärmbelastung durch die seismischen Untersuchungen. Die Resultate publizierte sie im Fachmagazin «Biology Letters».
Es stellte sich heraus, dass die Wale unter Lärmeinfluss häufiger riefen. Das galt einerseits für den Vergleich zwischen Tagen mit seismischen Untersuchungen und solchen ohne. Andererseits aber auch für Zeitabschnitte mit und ohne die Lärmbelastung innerhalb eines Tages.
Laut Di Iorio ist es das erste Mal, dass eine Studie nachweise, dass Wale ihre Kommunikation wegen seismischer Schallwellen verstärken. Das häufigere Rufen erhöhe für die Tiere die Wahrscheinlichkeit, dass sie von ihren Artgenossen wahrgenommen würden, sagte sie auf Anfrage.
Auswirkungen unbekannt
Wozu die sozialen Rufe dienen, ist gemäss der Forscherin wenig untersucht. «Sie werden immer dann ausgesandt, wenn mehrere Wale einander nahekommen, zum Beispiel auch beim Kontakt zwischen Mutter und Jungtier», sagte sie. Die Rufe seien viel weniger laut und repetitiv als die Gesänge, mit denen Blauwal-Männchen Weibchen anlocken.
Auch die Auswirkungen der beobachteten Verhaltensänderung sind unklar. Es sei möglich, dass die Wale mehr Energie verbrauchten, weil sie häufiger rufen müssten, sagte Di Iorio. Zudem seien Störungen von sozial wichtigen Momenten, wie sie die Tiere im St.-Lorenz-Golf verbringen, meistens problematisch.
Immer mehr Schiffslärm
Laut der Forscherin muss der Einfluss von Schallwellen auf Wale noch genauer untersucht werden. Neben den seismischen Untersuchungen werden die Tiere auch durch den immer grösser werdenden Schiffslärm und durch Sonare belästigt, mit denen U-Boote und andere Objekte im Meer aufgespürt werden.
Im Vergleich zu anderen seismischen Untersuchungsmethoden sei jene in der Studie relativ leise, sagte Di Iorio. Sie werde angewendet, weil man davon ausgehe, dass sie den geringsten Einfluss auf Meereslebewesen habe. Es zeige sich aber, dass nicht nur die Lautstärke zähle: Es komme auf die Walart, auf die Situation und auch auf die Art der Rufe oder Gesänge an. (oku/sda)
Erstellt: 23.09.2009, 09:59 Uhr








