Wissen

«Das Klima hat sich immer verändert»

Von Hansjörg Müller. Aktualisiert am 14.10.2013 37 Kommentare

Der frühere britische Finanzminister Nigel Lawson hält die Messmethoden des Weltklimarats für «nicht adäquat». Dass der Mensch für den Klimawandel verantwortlich ist, bezweifelt er.

«Der Treibhauseffekt ist gut für die Produktion von Nahrungsmitteln»: Ein nepalesischer Reisbauer unter seinem traditionellen Regenschutz.

«Der Treibhauseffekt ist gut für die Produktion von Nahrungsmitteln»: Ein nepalesischer Reisbauer unter seinem traditionellen Regenschutz.
Bild: Keystone

Seit beinahe vier Jahrzehnten prägt Nigel Lawson (81) die britische Politik, zuerst als Abgeordneter im Unterhaus, dann als Minister unter Premierministerin Margaret Thatcher und mittlerweile, seit 1992, als Lord im Oberhaus. Als Finanzminister (1983 bis 1989) hat der konservative Politiker durch Steuersenkungen und Deregu­lierungen für einen Wirtschaftsboom gesorgt. Nach seinem Rücktritt aus der Regierung fiel er immer wieder durch klare Stellungnahmen auf, sei es zur Europäischen Union, zur Finanzpolitik oder zum Klimawandel. (Bild: Keystone )

Artikel zum Thema

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Lord Lawson, in seinem neuesten Bericht schreibt der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC), die Durchschnittstemperatur auf der Welt sei seit 15 Jahren nicht mehr gestiegen. Ein Grund zum Aufatmen?
Das ist sicher ein bemerkenswertes Eingeständnis, ein Umdenken sehe ich beim IPCC dennoch nicht. Vor allem hat sich gezeigt, dass die Modelle, auf die sich das IPCC stützt, nicht adäquat sind. Sie müssten überprüft werden, das ist der Schluss, den ich aus dem neuen Bericht ziehe. Man hat hier eine Theorie aufgestellt, diese auf ein Computermodell übertragen, und dann suggeriert, man könne vorhersagen, was die Zukunft bringen wird. Vor allem aber widersprechen die Aussagen des IPCC allen empirischen Erkenntnissen. So macht man keine Wissenschaft.

Trotzdem: Die Menschheit produziert mehr Kohlenstoffdioxid (CO2) als jemals zuvor. Hat all dies keinen Einfluss auf das Klima?
Dass wir mehr CO2 in die Atmosphäre schicken als je zuvor, ist klar, und es stimmt wohl auch, dass dieses einen wärmenden Effekt hat. Das ist der Treibhauseffekt. Doch wie gross ist er? Und welchen Einfluss hat CO2 auf das Klima? Darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Die Alarmisten, die im IPCC den Ton angeben, behaupten, der ohnehin bestehende Treibhauseffekt werde durch unseren CO2 noch verstärkt. Doch das ist keineswegs sicher: Das Klima hat sich immer verändert, und dies geschah viele Jahrhunderte bevor der Mensch anfing, Treibhausgase zu produzieren. Also muss es andere Faktoren geben, die einen Einfluss ­haben. Der wichtigste von ihnen ist zweifellos die Aktivität der Sonne.

Vielleicht haben ja auch die Ozeane das CO2 absorbiert und sind dadurch wärmer geworden.
Das ist reine Spekulation, eine Aus­rede der Alarmisten, die nun nach Gründen dafür suchen, dass sie sich geirrt haben. Im Allgemeinen sind die Ozeane derzeit sehr kalt, und über die Temperatur der Tiefsee gibt es keine aktuellen Untersuchungen.

Auch der Golfstrom könnte sich abgeschwächt haben. Dies könnte erklären, dass es in Nordeuropa nicht wärmer geworden ist.
Der Golfstrom hat sich nicht abgeschwächt, was wir daran sehen, dass es in Nordeuropa nicht kälter geworden ist. Dass CO2 den Golfstrom beeinflussen könnte, halten die führenden Meeresforscher übrigens für ­Unsinn: Der Golfstrom wird allein von den Winden beeinflusst, diese sind wiederum von der Rotation der Erde abhängig.

Eine andere Erklärung für die ausbleibende Erwärmung könnte die kosmische Strahlung sein: Partikel aus den Tiefen des Weltalls bilden Wolken in der Atmosphäre, die das Sonnenlicht reflektieren und so die Erde abkühlen.
Eine interessante Theorie, die von dem dänischen Physiker Henrik Svensmark aufgestellt wurde. Doch auch sie ist nicht bewiesen. Am Cern, dem Genfer Kernforschungszentrum, haben sich Wissenschaftler ­intensiv mit Svensmarks Theorie beschäftigt und diese weder beweisen noch verwerfen können.

Gibt es nicht immer mehr Naturkatas­trophen, die auf einen Klimawandel hindeuten?
Das ist völlig falsch! Die Zahl und Heftigkeit der Tropenstürme ist in den letzten Jahrzehnten nicht angestiegen, auch wenn die Versicherungen immer das Gegenteil behaupten, um ihre steigenden Prämien zu rechtfertigen. Tatsächlich ist ein Zusammenhang zwischen der Erderwärmung und den extremen Wettersituationen nie bewiesen worden.

Doch der Meeresspiegel steigt, wenn man dem IPCC glaubt, sogar noch stärker als bisher angenommen.
Tatsächlich gab es einen sanften ­Anstieg des Meeresspiegels, seit man begonnen hat, diesen zu messen. Es gibt allerdings keinerlei Anzeichen dafür, dass er nun schneller ansteigen wird, als er dies in den letzten 100 Jahren getan hat. Das Konzept eines Welt-Meeresspiegels ist ohnehin problematisch, denn im Grunde ist die Höhe des Meeres ein lokales Phänomen: In manchen Weltteilen hebt sich das Land an, sodass es aussieht, als würde der Meeresspiegel sinken, während es in anderen Weltregionen genau andersherum ist.

Sie selbst haben immer wieder von ­Vorteilen gesprochen, die eine leichte Erwärmung des Klimas mit sich bringe.
Bis zu einem gewissen Grad hat die Klimaerwärmung tatsächlich gute Seiten und diese überwiegen die Nachteile bei Weitem. Weltweit gibt es wesentlich mehr Todesfälle aufgrund von Kälte als solche, die auf Hitze zurückzuführen sind. Ausserdem ist der Treibhauseffekt gut für die Produktion von Nahrungsmitteln, zum einen wegen der verbesserten klimatischen Bedingungen in vielen Weltregionen, zum anderen weil CO2 Pflanzen erwiesenermassen fruchtbarer macht.

Und die negativen Auswirkungen? Wie sollte der Mensch darauf reagieren?
Hier vertraue ich auf die Technik. Es ist dumm, sich zu überlegen, wie wir mit den Mitteln von heute auf etwas reagieren sollen, das in 100 Jahren geschehen könnte. Wenn man sich überlegt, welche technischen Entwicklungen die Menschheit schon hervorgebracht hat, kann man sich kaum vorstellen, welche Errungenschaften das nächste Jahrhundert mit sich bringen wird. Also wird sich der Mensch auch steigenden Temperaturen anpassen können. Auch heute ­unterscheiden sich die Temperaturen ja schon von Weltregion zu Weltregion erheblich: In Finnland ist es sehr kalt, in Singapur dagegen sehr heiss, und die Bewohner beider Länder können damit umgehen.

Die meisten Klimaforscher sagen, die Menschheit müsse Abschied nehmen von fossilen Energieträgern wie Öl, Gas und Kohle. Was wären die Folgen?
Vor allem erfolgreiche Schwellenländer wie China und Indien sollten dies auf gar keinen Fall tun, denn damit würden sie ihre wirtschaftliche Entwicklung aufs Spiel setzen. Fossile Energiequellen sind und bleiben am effizientesten. Vielleicht wird Europa einen Sonderweg gehen und auf ­erneuerbare Energien setzen, doch unsere Wettbewerbsfähigkeit würde darunter enorm leiden. Überall auf der Welt wird heute viel Geld investiert, um neue Öl- und Gasquellen ausfindig zu machen. Ausserhalb von Europa glaubt niemand an das Ende der fossilen Energien. Höhere Energiepreise wären schrecklich, vor allem für die Armen!

Warum denken Sie als Politiker eigentlich, Sie wüssten es besser als die Experten des IPCC?
Zunächst einmal bin ich mit meiner Haltung nicht allein: Viele stimmen mir zu, darunter auch Wissenschaftler wie Freeman Dyson, einer der bedeutendsten Physiker unserer Zeit. Ich bin zwar kein Naturwissenschaftler, doch bevor ich Finanzminister wurde, war ich Energieminister. Ich verstehe also etwas von Energiepolitik, zumindest mehr als mein Parteikollege, der britische Premierminister David Cameron, oder der frühere US-Vizepräsident Al Gore. Abgesehen davon sind ja auch viele Wissenschaftler, die in der Frage mitreden, keine Klimatologen: Wenn Sie Nuklearphysiker sind, macht Sie dies noch nicht zu einem Klimaexperten.

Politiker wie Cameron haben den Klimawandel immer wieder als eines der drängendsten Probleme unserer Zeit bezeichnet.
Cameron mag Überzeugungen haben, doch zuerst schaut er, was die Leute denken, und davon überzeugt er sich dann selbst. Mit der Materie hat er sich kaum beschäftigt, aber er dachte, wenn viele Leute von etwas überzeugt sind, wird es schon richtig sein. Zudem macht es sich gut, wenn man sich als Retter des Planeten ­inszenieren kann.

Eine der Ersten, die auf das Problem des Klimawandels hingewiesen hat, war immerhin Margaret Thatcher, unter der Sie als Minister gedient haben.
Ja, aber sie sagte nur, dass es eventuell ein Problem geben könnte und dass man deswegen ernsthafte Untersuchungen durchführen müsse. Als studierte Chemikerin verstand sie, wie ein wissenschaftlicher Erkenntnisprozess ablaufen sollte. Doch weil sie auch wusste, dass die Wissenschaft noch nicht genug wusste, machte sie damit keine Politik. Später, nachdem sie nicht mehr Premierministerin war, wies sie die Theorien der Alarmisten entschieden zurück.

Warum beharrt das IPCC nun grundsätzlich auf seiner Position?
Das liegt in der menschlichen Natur: Wenn man eine Haltung einmal eingenommen hat, gibt man ungern zu, dass man falschlag. Politiker wiederum sprangen auf den Zug auf, um von realen Problemen abzulenken. Vor allem aber spielen auch handfeste ­Interessen eine Rolle: Der Industriezweig der erneuerbaren Energien könnte ohne staatliche Subventionen nicht überleben, folglich investieren diese Unternehmen in Lobbyarbeit. Hinzu kommt bei vielen Alarmisten auch ihre Ablehnung des Kapitalismus. Nach dem Scheitern des Kommunismus brauchte man neue Argumente, um die Marktwirtschaft in Misskredit bringen zu können. Teilweise trägt der Glaube an einen menschengemachten Klimawandel religiöse Züge: Dies erklärt auch, warum er in Europa, wo sich die Kirchen leeren, wesentlich stärker ist als beispielsweise in den USA. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.10.2013, 11:10 Uhr

37

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.
Werbung

37 Kommentare

steve weber

14.10.2013, 11:29 Uhr
Melden 148 Empfehlung 38

In der Wissenschaft ist es nicht anders als bei jedem Menschen auch: Man schaut die Dinge an, wie man sie sehen möchte, und entwickelt Theorien, die einem nützen. Wenn man nur lange genug forscht, kann man fast alles beweisen. So war das auch mit dem Klimawandel, es ist schlicht und einfach ein Hebel, um eine neue Geldquelle zu schaffen. So sinnvoll wie die Salzsteuer. Antworten


Ronnie König

14.10.2013, 11:17 Uhr
Melden 108 Empfehlung 21

Eigentlich ist der Grund für den Klimawandel wurscht! Die Frage ist doch die, wie gedenken wir damit umzugehen? Das ist der entscheidende Punkt. Dass Regierungen, wenn sie zu wenig Steuern von Mensch und Wirtschaft bekommen, sich neue Quellen erschliessen um an Geld zu gelangen, dann ist das normal und ist seit 6000Jahren so. Bsp. CO2-Steuer. Damit wird die Welt nicht gerettet, man zahlt ja. Antworten