Das sind die gefährlichsten Giftquellen

Wer Umweltgiften ausgesetzt ist, verliert 12,7 Lebensjahre infolge Tod oder Behinderung. Eine neue Studie zeigt, in welchen Bereichen am meisten Menschen gefährdet sind.


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Ein Umweltgiftbericht von Green Cross Schweiz und dem Blacksmith Institute aus den USA benennt erstmals die zehn gefährlichsten Umweltgiftquellen. Am meisten schädliche Gifte entweichen im Bergbau und in der Erzaufbereitung, wie die Organisationen am Donnerstag mitteilten. Diese Umweltgifte gefährden über sieben Millionen Menschen weltweit.

Die Metallverhüttung, ein Verfahren, in welchem Metalle aus Erzen, Erden, Salzen oder beim Recycling gewonnen und nutzbar gemacht werden, beeinträchtigt die Gesundheit von schätzungsweise fünf Millionen Menschen. Gefährlich sind auch die chemische Produktion und der Bergbau mit einfachen handwerklichen Mitteln, die je weit über vier Millionen Personen gefährden.

Gefahrenpotenzial haben auch Industrieareale, die landwirtschaftliche Produktion und Deponien mit je über drei Millionen Menschen, die an den gesundheitlichen Folgen leiden. Den Top-Ten der Umweltgiftquellen gehören auch noch die Schwerindustrie an, die Erdöl-Industrie und die Gerbereibetriebe.

Sanierungen zwingend

«Obwohl mindestens so viel Menschen unter umweltgiftbedingten Krankheiten leiden wie an Malaria oder Tuberkulose, unterstützt die internationale Weltgemeinschaft in vielen Ländern kaum Hilfsmassnahmen», wird Green Cross Geschäftsleiterin Nathalie Gysi in der Mitteilung zitiert.

Um den dringenden Handlungsbedarf zu verdeutlichen, haben Forscher an mehr als 2000 eindeutigen, ortsfesten stark verschmutzten Orten einerseits die Schadstoffkonzentration erhoben und andererseits die Anzahl betroffener Menschen geschätzt.

Erstmals beziffern sie die Auswirkungen der Umweltgifte aufgrund der verlorenen und der in Krankheit verbrachten Lebensjahre. Dies im Gegensatz zur umweltmedizinischen Forschung, die sich nur auf Todesfälle konzentriert.

Viele Opfer sind in der Statistik nicht erfasst

«Weil Umweltgifte oft zu schweren Behinderungen ohne tödliche Folgen führen, werden viele Opfer von der Statistik nicht erfasst», schreiben die Verfasser. 12,7 Lebensjahre verliert eine Person, die von einer der genannten Umweltgiftquellen betroffen ist. Der Index «Disability-Adjusted Life Year» steht für die verlorenen oder mit einer Behinderung verbrachten Lebensjahre.

«Die internationale Weltgemeinschaft ist aufgefordert, die nötigen Ressourcen und das Engagement aufzubringen, um die Umweltgiftquellen zu beseitigen und die schwerwiegendsten Probleme sofort anzugehen», fordert Stephan Robinson von Green Cross Schweiz.

Multis entlastet

«Entgegen der weitverbreiteten Ansicht sind viele der gravierendsten Schadstoffquellen nicht direkt auf multinationale Unternehmen zurückzuführen, sondern auf ungenügend regulierte, kleinräumige Aktivitäten wie Bergbau mit handwerklichen Mitteln, Metallrecycling und stillgelegte Betriebe», schreiben Green Cross und das Blacksmith Institute.

Die Organisationen entlasten Länder mit hohen Einkommen nicht. Denn diese trügen indirekt in erheblichem Masse zu diesen Umweltgiftproblemen bei, weil die Nachfrage nach Rohstoffen und Konsumgütern hauptsächlich durch wirtschaftlich starke Länder forciert werde.

Die Umweltorganisation Green Cross Schweiz mit Sitz in Genf setzt sich für die Bewältigung der Folgeschäden aus Industrie- und Militärkatastrophen ein. Das Blacksmith Institute ist eine Nonprofit- Organisation mit Sitz in New York. Sie setzt sich für die Lösung von lebensbedrohlichen Umweltproblemen in Entwicklungsländern ein. (miw/sda)

(Erstellt: 10.11.2011, 11:04 Uhr)

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