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In Grönland schmilzt das Eis doppelt so schnell

Aktualisiert am 07.12.2009

Vor zwölf Jahren wurde in Kyoto ein wegweisendes Klimaabkommen unterzeichnet, das der Erderwärmung entgegenwirken sollte. Zahlen und Fakten dokumentieren das wahre Ausmass des Klimawandels.

1/5 Eines der grössten Steinkohle-Kraftwerke Europas, das E.ON Kraftwerk Scholven, steht in Gelsenkirchen. Die weltweiten CO2-Emmissionen stiegen seit dem Kyoto-Protokoll um ein Drittel an.
Keystone

Klimakrise

   

Was seit dem Kyoto-Protokoll von 1997 in der Natur beobachtet werden kann, sind keine guten Nachrichten für die Welt. Billionen Tonnen Eis sind in Grönland und der Antarktis geschmolzen, und die Gletscher in Europa, Südamerika, Asien und Afrika schrumpfen schneller als je zuvor. Auch anderswo ist der Klimawandel deutlich zu spüren: So ist der Meeresspiegel um fast vier Zentimeter angestiegen, Dürren und Waldbrände werden in vielen Regionen der Erde immer verheerender. Unter dem Temperaturanstieg leiden zahlreiche Tierarten, darunter der Eisbär, der zum Symbol für die Folgen des Klimawandels geworden ist. Auch zahlreiche Pflanzen kämpfen ums Überleben.

Die Durchschnittstemperaturen lagen seit 1997 um 0,4 Grad höher als in den zwölf Jahren zuvor - ein solches Ausmass sagten nicht einmal die düstersten Prognosen vorher. «Die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass wir uns in grösseren Schwierigkeiten befinden, als wir gedacht haben», sagt der Klimaberater von Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon, Janos Pasztor.

Seit der Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls im Dezember 1997 ist der Gehalt des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre um 6,5 Prozent angestiegen, die weltweiten CO2-Emmissionen durch fossile Brennstoffe kletterten zwischen 1997 und 2008 um 31 Prozent. Hauptverursacher sind die USA, China und Indien. Die USA haben das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert.

Auch Al Gore ist alarmiert

Die Auswirkungen der Treibhausgase sind zugleich noch gravierender als vorhergesagt. «1997 wurden die schädlichen Wirkungen unterschätzt», sagt die US-Wissenschaftlerin Virginia Burkett. Auch der ehemalige US-Vizepräsident und Friedensnobelpreisträger Al Gore ist alarmiert: «Die Krise beschleunigt sich», sagte Gore der Nachrichtenagentur AP.

In den 90er Jahren beschäftigte der Klimawandel noch hauptsächlich Wissenschaftler und Umweltschützer. Heute sind auch Wirtschafts- und Ernährungswissenschaftler, Ingenieure, Anwälte, Versicherungsexperten und sogar Psychologen mit dem Thema befasst. «1997 war das alles noch sehr abstrakt, heute sieht jeder die Auswirkungen», sagt der Klimaforscher Andrew Weaver von der University of Victoria.

Vor zwölf Jahren hat niemand den dramatischen Verlust der Eismassen in der Arktis erwartet, der die Wissenschaftler heute beunruhigt. Von 1993 bis 1997 schrumpfte das Meeres-Eis am Nordpol im Sommer durchschnittlich auf eine Fläche von 4,3 Millionen Quadratkilometer. In den vergangenen fünf Jahren waren im Schnitt jeweils nur noch weniger als 3,2 Millionen Quadratkilometer übrig. Eine Fläche so gross wie Alaska ging verloren.

Die dramatisch schmelzenden Polkappen lassen den Meeresspiegel ansteigen. Seit dem Jahr 2000 hat Grönland mehr als 1,5 Billionen Tonnen Land-Eis verloren, in der Antarktis waren es seit 2002 eine Billion Tonnen, wie zwei im Herbst veröffentlichte Studien zeigen. In Grönland schmilzt das Eis inzwischen doppelt so schnell, damit steigt auch der Meeresspiegel rascher als befürchtet.

Die Gletscher schmelzen immer schneller

Die Gletscher schrumpfen inzwischen drei Mal schneller als in den 1970er Jahren, im Schnitt sind es 7,6 Meter seit 1997, wie der Zürcher Wissenschaftler Michael Zemp sagt. Alarmierend sei auch das Auftauen der Permafrostböden, die das Treibhausgas Methan speichern, warnt Burkett.

Neu ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt ist zudem die Tatsache, dass die Meere immer saurer werden, weil mehr CO2 aus der Atmosphäre absorbiert wird. Darunter leiden müssen die Meeresbewohner. 1997 seien die Auswirkungen des Klimawandels auf Tiere und Pflanzen noch kaum beachtet worden, sagt der Biologe Terry Root von der Stanford University. Heute gehe es darum, welche Art vor dem Aussterben bewahrt werden könne und welche nicht.

«Wir wissen sehr viel mehr als noch 1997, aber alle Erkenntnisse sind negativ», sagt Eileen Claussen, Präsidentin des Pew Centers zum globalen Klimawandel. «Die Lage ist weitaus schlechter, als es die Modelle vorhergesagt haben.» (vin/ap)

Erstellt: 07.12.2009, 22:20 Uhr

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