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Mysteriöses Fischsterben im Jura

Von Richard Diethelm. Aktualisiert am 14.05.2011 5 Kommentare

Ein mysteriöses Fischsterben trübt die Idylle des Doubs-Tals im Jura. Fischer und Naturschützer wollen die Behörden in der Schweiz und in Frankreich aufrütteln.

Algen machen den Fischen zu schaffen: Fischsterben, bei dem unzählige Tiere verenden.

Algen machen den Fischen zu schaffen: Fischsterben, bei dem unzählige Tiere verenden.
Bild: Keystone

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Patrice Malavaux’ Aufgabe wäre es, die Sportfischerei am Doubs auf einer Länge von 27 Kilometern zu überwachen. Der 33-jährige Franzose ist seit 2007 vollamtlicher Aufseher des Fischereivereins La Franco-Suisse. Zu seinem Leidwesen hat sich seine Hauptaufgabe in den vier Jahren geändert: «Heute muss ich mich in erster Linie um die Gesundheit des Flusses kümmern.»

Der Fischereiaufseher steht am Flussufer, wo sich der Doubs beim Kraftwerk Le Refrain staut. Ein Algenteppich bedeckt das stille Wasser. «Das gab es früher nicht», sagt Malavaux, «die Algen sind allerdings nur das sichtbarste Zeichen, dass es dem Fluss schlecht geht.» Im April fischte der Aufseher über 100 tote Forellen und andere Fische aus dem Gewässer. Alle waren von einem watteartigen Pilz befallen, dem Fischschimmel (Saprolegnia). Ende 2009 verendeten zuerst Barben, danach erkrankten auch andere Arten. Im Mai und Juli 2010 sowie im Januar und April dieses Jahres starben Edelfische in Massen. «Das Phänomen dauert etwa drei Wochen, dann klingt es wieder ab», sagt Malavaux.

«Brutaler» Kraftwerkbetrieb

In der Abgeschiedenheit des wildromantischen Doubs-Tals erholen sich Fischer, Wanderer und Kanuten vom Stress der Zivilisation. Gestresst sind dagegen Forellen, Äschen und die hier heimischen Barsche «Roi du Doubs». Geschwächte Tiere sind anfällig für den Schimmel. Die Sportfischer zeigen mit dem Finger auf die Betreiber von drei Flusskraftwerken auf dem Abschnitt Lac des Brenets – Goumois (siehe Karte). Denn diese verursachen im Tagesverlauf starke Schwankungen des Wasserpegels, weil sie hauptsächlich Strom für den Spitzenbedarf produzieren. Die lang anhaltende Trockenheit ist – so weit bekannt – nicht Ursache des jüngsten Fischsterbens. Niedrigwasser stresst die Fische jedoch zusätzlich.

Das Fischsterben verschärft nun den Interessenkonflikt zwischen Stromproduktion, Fischerei und Naturschutz, der am Doubs seit Jahren besteht. Der Schweizerische Fischerei-Verband, Pro Natura, der WWF und französische Partnerorganisationen haben für heute Samstag zur ersten binationalen Kundgebung im Grenzdorf Goumois aufgerufen. Unter dem Motto «Retten wir den Doubs!» wollen sie gegen den «brutalen Schwall-Sunk-Betrieb» der Kraftwerke und das Fischsterben wegen «nicht identifizierter Schadstoffe» protestieren.

Der Pilz ist zwar identifiziert. Aber die Experten wissen (noch) nicht, weshalb gerade im Doubs, dessen Wasser gemäss behördlichen Messungen die Qualität von Trinkwasser hat, so viele Fische an Saprolegnia erkranken. «Wir stehen vor einem Rätsel. Die Anzahl der betroffenen Fische ist besorgniserregend hoch», räumt Erich Staub vom Bundesamt für Umwelt ein. Er präsidiert die französisch-schweizerische Kommission für Fischerei und den Wasserlebensraum Doubs, die sich wiederholt auch mit dem Problem der Pegelschwankungen befasste.

Unter den Algen erstickt Leben

Die Kommission erreichte, dass die Kraftwerke Restwasserturbinen einbauten. Dadurch fliesst in Zeiten, in denen die Kraftwerke stillstehen, achtmal mehr Wasser, in den Unterlauf der Wehre. «Das brachte eine Verbesserung. Aber damit sind noch nicht alle Schwall-Sunk-Probleme gelöst», sagt Staub.

Zusätzliche Massnahmen sollen die Abflussspitzen brechen, wenn die Werke Strom produzieren. Die Westschweizer Groupe E kündigte zwei Tage vor der Kundgebung an, sie werde künftig bei Niedrigwasser nur zwei der vier Turbinen laufen lassen. Aber die Stromproduktion im Werk Châtelot, das den Jahresbedarf einer Stadt wie La Chaux-de-Fonds zu decken vermag, sei «unverzichtbar». Die wuchernden Algen deuten auf zu viel Nitrat und Phosphat im Wasser hin. Fischereiaufseher Malavaux führt dies auf die üppig auf Wiesen gespritzte Gülle und ungereinigte Siedlungsabwässer zurück. In Goumois, wo der Doubs unter einer alten Brücke durchfliesst, bedeckt ein dicker, schleimiger Algenteppich das Flussbett. Darunter ersticken Kleinlebewesen, die für das Ökosystem eines gesunden Fluss wichtig sind. Eine tote Äsche hat sich an einem Stein im Flussgrund verfangen. Unter einem Brückenbogen schnappt eine grosse Bachforelle, die kleine weisse Pilzflecken am Kopf und am Schwanzansatz aufweist, nach einer Mücke. «So fängt die Krankheit an», sagt Malavaux, «auch diese Forelle wird verenden.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.05.2011, 10:22 Uhr

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5 Kommentare

Martin Pütter

14.05.2011, 11:14 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Eigentlich interessanter Artikel - wird aber getrübt dadurch, dass ein Bild von toten Karpfen und Schleien dazu gestellt wird, obwohl im Doubs hauptsächlich Äschen, Forellen und Barsche unter den beschriebenen Problemen leiden... Ein leider oft zu beachtendes Phänomen, wenn Artikel über Fischsterben erscheinen. Antworten


Sandra Berger

14.05.2011, 12:54 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Wir brauchen keine Fische aus der Doubs und auch keine Sportfischer (schon nur das Wort "Sport"...). All diese Fischarten kann man in sauberen Fischzuchtbetrieben halten. Sportfischer könnten ja dort dann ihrem Hobby frönen und Fische aus den Becken angeln oder sich halt einem anderen Hobby zuwenden, zB. Stabhochsprung... Antworten



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