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Recherchepanne beim Weltklimarat

Von Martin Läubli. Aktualisiert am 21.01.2010 11 Kommentare

Trotz hohem Qualitätsstandard gibt es im Uno-Weltklimarat IPCC Schwachstellen bei der Begutachtung wissenschaftlicher Arbeiten.

Panne: Für Abschmelz-Szenarien verliessen sich die Klimaexperten der Uno auf Daten, die wissenschaftlich nicht geprüft waren.

Panne: Für Abschmelz-Szenarien verliessen sich die Klimaexperten der Uno auf Daten, die wissenschaftlich nicht geprüft waren.
Bild: Keystone

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Es ist ein Spiessrutenlauf, den der Uno-Weltklimarat (IPCC) in den letzten Wochen absolviert. Erst musste er sich im Dezember gegen haltlose Vorwürfe verteidigen, Wissenschaftler eines renommierten britischen Klimainstituts hätten Daten manipuliert. Nun sprach er gestern sein Bedauern aus, dass sich in einem Kapitel des 4. IPCC-Berichtes über die Gletscher im Himalaja offensichtlich ein peinlicher Fehler eingeschlichen hat. Die hohen Qualitätsstandards seien bei der Überprüfung durch Experten verletzt worden.

Gemeint sind Autoren des Berichts der Arbeitsgruppe II, die sich mit den Auswirkungen und der Verletzlichkeit der Ökosysteme durch den Klimawandel beschäftigt. So warnen sie, dass die Himalaja-Gletscher schneller schmelzen als irgendwo anders auf der Welt. Die Wahrscheinlichkeit sei sehr hoch, dass das Eis im Jahr 2035 verschwunden sei, wenn sich die Erde weiter erwärmt wie bisher. Umweltorganisationen wie der WWF griffen diese Zahl in der Öffentlichkeit immer wieder auf, um darauf hinzuweisen, wie dringend Massnahmen sind.

Erderwärmung ist physikalisch unumstritten

Nun stellt sich laut verschiedenen Medienberichten heraus, dass dieser Wert überhaupt nicht plausibel sein kann. Die IPCC–Autoren dieses Kapitels beziehen sich auf einen Kampagnen-Beitrag des WWF im Jahre 2005, dessen Zahlen jedoch in keinem wissenschaftlichen Papier jemals überprüft worden sind. Für viele Glaziologen waren diese Werte seit langem nicht glaubwürdig. Auch nicht für Georg Kaser von der Universität Innsbruck. «Im Sommer liegt die Nullgradgrenze im Himalaja im Durchschnitt bei 5000 Meter über Meer. Damit die Gletscher vollständig abschmelzen, müsste sie auf über 8000 Meter steigen», sagt der Glaziologe. Das werde in den nächsten Jahrhunderten nicht passieren. Für Kaser ist der Fehler marginal und schmälert die Glaubwürdigkeit des gesamten IPCC-Berichtes keineswegs. «Die Erderwärmung ist physikalisch unumstritten.»

Kaser war Leadautor in der Arbeitsgruppe I, die sich mit den physikalischen Grundlagen der Klimaveränderung beschäftigt. «Im Gegensatz zur Arbeitsgruppe I, wo es um knallharte Wissenschaft geht, stehen in der zweiten Gruppe gesellschaftspolitische, heikle Themen im Zentrum», sagt er. Deshalb versuche man stets bei der Auswahl der Experten ein geopolitisches Gleichgewicht zu schaffen. Das heisst: Bedeutend mehr Forscher kämen aus Entwicklungsländern, vor allem wenn es um regionale zusammenfassende Aussagen gehe. So waren für das fehlerhafte Kapitel vor allem Forscher aus Asien verantwortlich. Weil es letztlich um Entwicklungsfragen gegangen sei, seien auch keine Glaziologen in den kleinen Teams der Leadautoren gewesen, die für die regionalen Kapitel der Arbeitsgruppe II zuständig waren. Dafür unter anderem Ökologen und Hydrologen. Dennoch hätte die alarmistische Aussage nie im Bericht stehen dürfen, zumal es nach wie vor an zuverlässigen Daten fehle, um die Entwicklung der Gletscher im Himalaja einschätzen zu können.

Nächster Bericht kommt 2013

Im Jahr 2013 soll der 5. IPCC-Bericht veröffentlicht werden. Zuvor wird es wieder vorschriftsgemäss eine Reihe von Begutachtungen geben, darunter auch ein Verfahren, das für alle Wissenschaftler offen ist. «Es darf nicht wieder vorkommen, dass dabei wie beim letzten Mal viele Naturwissenschaftler fast ausschliesslich die Papiere der Arbeitsgruppe I prüfen», sagt Kaser. Der Bericht über die Auswirkungen des Klimawandels habe offensichtlich keine Glaziologen interessiert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.01.2010, 04:00 Uhr

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11 Kommentare

Ulrich Scheidegger

21.01.2010, 08:13 Uhr
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Die Vergangenheit aufzuarbeiten mag sicher etwas einfacher sein, als die Zukunft auch nur annährend aufzuzeichnen. Die Wissenschaft vermag ja vieles, aber gewisse Deutungen sind vielleicht doch etwas zu Linear -und diese Deutungen können natürlich auch falsche Szenarien und Aengste generieren. Antworten


majo naef

21.01.2010, 05:23 Uhr
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Es ist heute genau so wie zu Galileis Zeit - was nicht sein darf, darf nicht wahr sein. Da wird gelogen, geschoben das sich die Balken biegen. Gut haben wir heute Internet. Antworten



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