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Gletscherschmelze schreitet voran

Von Bruno Stüdle. Aktualisiert am 14.10.2012 45 Kommentare

Die Messwerte für die Jahre 2010 und 2011 zeigen, dass die Gletscher weiter abschmelzen: 93 von 97 beobachteten Gletschern haben sich zurückgezogen.

1/5 Der Steingletscher am 1. Juni 2006 und am...
Bild: Bruno Petroni

   

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Nationalen Rückzugsrekord erzielte in der jüngsten Messperiode der Roseggletscher: Innert einem Jahr verlor er 1305 Meter an Länge. Damit hat sich der Bündner Gletscher seit Messbeginn (1855) von 6711 um 2567 Meter zurückgezogen. Das geht aus den neusten Daten der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (Scnat) hervor.

Die Messwerte für die Periode 2010/2011 zeigen, dass sich die Gletscher in der Schweiz weiter rapid zurückziehen: «93 von 97 beobachteten Gletschern haben an Länge und Masse verloren; 3 veränderten ihre Position nicht und nur 1 Gletscher – der Glacier du Mont Durand im Wallis – rückte um 23 Meter vor. Rund drei Viertel der Messwerte liegen zwischen minus 1 und minus 30 Metern», schreibt ETH-Glaziologe Andreas Bauder in der neusten Ausgabe im Magazin des Schweizer Alpen-Clubs «Die Alpen».

Prognose, dass Gletscher verschwinden, bestätigt sich

Logisch, verzeichneten alle untersuchten Gletscher auch eine negative Massenbilanz: «Die Werte schwanken zwischen einem Verlust von etwa 1 Meter Eisdicke bei 2 Gletschern und rund 2 Metern bei allen anderen Gletschern», hält Bauder fest. Damit setzt sich der über die vergangenen Jahre anhaltende massive Volumenverlust weiter fort, was die Prognose der Gletscherexperten bestätigt: «Modellrechnungen verschiedener Komplexität ergeben seit vielen Jahren übereinstimmend, dass bei realistischen Szenarien weiterer Erwärmung wesentliche Teile des noch verbleibenden Eisvolumens bereits bis zur Jahrhundertmitte abschmelzen und auch grosse Gletscher in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts bis auf kleine Reste verschwinden dürften.»

So ist es im jüngsten Forschungsbericht des NFP 61, Projekt Nelak (Neue Seen als Folge der Entgletscherung im Hochgebirge: Klimaabhängige Bildung und Herausforderungen für eine nachhaltige Nutzung), nachzulesen. Wie im Bericht weiter steht, verlieren die Gletscher der Alpen gegenwärtig jährlich rund zwei bis drei Prozent ihrer Fläche (2011 waren es rund 1800 km2) und ihres Volumens (2011 waren es rund 80 ± 20 km3).

Rekorde im Berner Oberland

Bei den Gletschern im Berner Oberland fallen in der Messperiode 2010/2011 der Gauli- und der Steingletscher auf: Der Steingletscher zog sich innert einem Jahr um 155 Meter zurück; so viel Länge verlor der Gletscher im Sustengebiet noch nie seit Erhebung der Daten. Und auch der Gauligletscher ist mit einem Minus von 135 Metern weiter rapid auf dem Rückzug. In den letzten vier Messperioden verlor er jeweils zwischen 75 und 196 Meter.

Vergleicht man die Veränderung der Gletscherlängen in der Dekade 2001 bis 2010 mit den früheren Zeitabschnitten, bestätigt sich genannte Prognose der Experten auch im Oberland: Der Gauligletscher zum Beispiel verlor innert zehn Jahren 637 Meter an Länge. Seit Messbeginn im Jahre 1958 zog er sich von 6688 Meter Länge um 1150 Meter zurück. Der Steingletscher verlor seit Messbeginn (1893) 724 Meter – über die Hälfte davon in den Jahren 2001 bis 2010. Rekordhalter ist und bleibt im Oberland der Triftgletscher: Er zog sich innert den 10 Jahren um 840 Meter zurück, und gesamthaft verlor er seit Messbeginn (1861) rund 3013 Meter von damals 7674 Meter – das bedeutet schweizweit den Rekordrückzug.

Allerdings werden nicht alle Gletscher genau beobachtet und bei anderen fehlen ältere oder neuere Daten – für die beiden Grindelwaldgletscher zum Beispiel. Klar ist, dass sie sich in den vergangenen Jahren stark zurückgezogen haben. Wie stark ist unklar: «Früher basierten die Messmethoden darauf, dass man direkten Zugang zum Gletscherende hatte – ihre Zungen reichten damals bis ins Tal hinunter. Heute haben sie sich weit in die engen, fast unzugänglichen und steinschlaggefährdeten Schluchten und über die Geländestufen zurückgezogen. Sie können von den früheren Messplätzen also nicht mehr eingesehen werden. Deshalb lassen sich die alten Messmethoden nicht mehr anwenden und wir messen nur noch periodisch mit aufwendigeren Methoden», begründete Glaziologe Andreas Bauder die fehlenden Daten vor vier Jahren in einem Interview. Gemäss dem erwähnten Forschungsbericht des NFP 61 hat die Zunge des Unteren Grindelwaldgletschers in den letzten 150 Jahren «ungefähr» zwei Kilometer an Länge verloren. (Berner Oberländer)

Erstellt: 13.10.2012, 21:23 Uhr

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45 Kommentare

raphael zarth

13.10.2012, 23:45 Uhr
Melden 129 Empfehlung 51

Und trotz der fakten gibt es immer noch politiker due den klimawandel leugnen. eifach traurig. Antworten


Theo Lauber

13.10.2012, 23:20 Uhr
Melden 90 Empfehlung 25

Ohne Worte ! Antworten



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