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Seltsamer Tsunami

Der Tsunami war in Chile verheerend, in Hawaii jedoch nicht. Das bereitet Wissenschaftlern Kopfzerbrechen. Eine mögliche Ursache wurde nun gefunden.

Riesige Schäden und zahlreiche Tote: Chilenische Küstenstadt Talcahuano.

Riesige Schäden und zahlreiche Tote: Chilenische Küstenstadt Talcahuano.
Bild: Keystone

Hier ging das Leben mehr oder weniger normal weiter: Surfer auf Hawaii geniesst die etwas grösseren Wellen.

Hier ging das Leben mehr oder weniger normal weiter: Surfer auf Hawaii geniesst die etwas grösseren Wellen. (Bild: Keystone)

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Schadenssumme

Die Erdbebenkatastrophe in Chile dürfte die Versicherungsindustrie gemäss ersten Schätzungen drei bis acht Milliarden Dollar kosten. Dies teilte das auf die Modellierung von Versicherungsrisiken bei Naturkatastrophen spezialisierte US- Institut EQECAT am Dienstag mit.

Wie hoch die Belastungen für den Rückversicherer Swiss Re ausfallen werden, konnte eine Sprecherin des Unternehmens nicht sagen. Es sei derzeit noch zu früh, um eine Schätzung dazu abzugeben, hiess es.

Die Modelle für die Berechnung der Folgen eines Seebebens sollen nun überprüft werden, wie Mitarbeiter des Tsunami-Warnzentrums für den Pazifik in Hawaii sagten. Zwar rissen von dem Beben ausgelöste Riesenwellen in Chile selbst zahlreiche Menschen in den Tod, in anderen Pazifik-Anrainerstaaten verursachte der Tsunami aber keine grösseren Schäden.

Für den Geophysiker Gerard Fryer vom Tsunami-Warnzentrum ist das ein echtes Rätsel: Bei einem Seebeben der Stärke 8,8 vor Chile hätte er fatale Folgen auch für Hawaii erwartet, sagte Fryer. «Ich hätte gesagt: Das wird übel. Aber es war nicht so. Und wir müssen jetzt herausfinden, warum es nicht so war.»

Präziseste Vorhersage nicht veröffentlicht

Eine mögliche Ursache für die Fehlprognose sei, dass das Zentrum des Bebens näher an der Wasseroberfläche lag als angenommen, erklärte Fryer. Hätte sich der Erdstoss in grösserer Tiefe ereignet, so wäre mehr Wasser verdrängt und damit auch ein grösserer Tsunami ausgelöst worden. Überdies gingen die bislang verwendeten Modelle davon aus, dass die Geschwindigkeiten der einzelnen Wellen sowie die Intervalle dazwischen bei jedem Tsunami in etwa gleich seien. Tatsächlich gebe es aber erhebliche Unterschiede, die für die Zerstörungskraft der Wellen durchaus bedeutsam seien.

Die präziseste Vorhersage für den Verlauf des Tsunami am vergangenen Wochenende lieferte offenbar ein Modell, das derzeit noch in der Erprobungsphase ist: «Unsere Prognose war ziemlich zutreffend», sagte der Direktor des Tsunami-Forschungszentrums in Seattle, Vasily Titov. Weil das in Seattle verwendete Modell aber noch in der Testphase ist, wurde ausgerechnet diese Prognose nicht veröffentlicht, sondern lediglich an die übrigen Tsunami-Warnzentren weiterverbreitet.

Richtiger Entscheid

Dass überhaupt ein Tsunami-Alarm herausgegeben wurde, sei aber die richtige Entscheidung gewesen, betont der Geophysiker Fryer. Immerhin wurden in Hawaii und Neuseeland rund 16 Stunden nach dem Erdbeben in Chile bis zu zwei Meter hohe Flutwellen registriert. (sam/ddp/)

Erstellt: 02.03.2010, 10:25 Uhr

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