So könnte man die Erderwärmung begrenzen

Der Weltklimarat IPCC fordert eine radikale Abkehr von Öl, Gas und Kohle. Die umfassende Energiewende sei weniger teuer als vermutet.

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Nur der Einsatz nichtfossiler Energien auf breiter Front könne die Erderwärmung noch auf zwei Grad begrenzen, schreibt der Weltklimarat IPCC in seinem heute veröffentlichten Bericht. Kritisch beurteilen die Wissenschaftler darin die weltweit steigenden Emissionen durch Kohlekraftwerke. Gefordert wird ein Umstieg auf emissionsarme Techniken, zum Beispiel erneuerbare Energien. Das geht aus dem dritten Teil des IPCC-Sachstandsberichts hervor, der in Berlin vorgestellt wurde.

Die Treibhausgasemissionen hätten sich – trotz der Anstrengungen zu ihrer Reduzierung – verstärkt, heisst es in der nach einwöchigen Beratungen beschlossenen Zusammenfassung des Berichts für politische Entscheidungsträger. Auch warnen die Experten, ohne zusätzliche Massnahmen sei ein weiterer Anstieg zu erwarten. Allein im Energiesektor dürften sich die Emissionen bis 2050 verdoppeln oder verdreifachen.

Emissionen bis zu 70 Prozent verringern

Um das 2-Grad-Ziel noch zu erreichen, müssten die CO2-Emissionen bis 2050 um 40 bis 70 Prozent verringert werden, verglichen mit dem Stand von 2010. Der Anteil nicht-fossiler Energieerzeugung solle bis dahin auf mehr als 80 Prozent steigen.

Der Bericht zeigt auf, je weniger die Emissionen bis 2030 reduziert würden, desto schneller müssten die Emissionen zwischen 2030 und 2050 sinken. Neue, wenig erprobte Technologien müssten dann unter Umständen zum Einsatz kommen, um etwa Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entfernen.

Weniger teuer als vermutet

Eine Kernbotschaft lautet, dass dieser Wechsel nicht so teuer sei wie vermutet. Nach IPCC-Berechnungen schlägt er bei einem Wirtschaftswachstum von 1,6 bis 3 Prozent im Jahr nur mit einem Minus von rund 0,06 Prozentpunkten zu Buche. «Es kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten», sagte Ottmar Edenhofer, Co-Vorsitzender des aktuellen IPCC-Berichts.

Laut der Umweltorganisation WWF zeigt der IPCC-Bericht Lösungen gegen die Erderwärmung auf. Dazu gehöre eine Abgabe auf den CO2-Ausstoss, insbesondere im Verkehr, heisst es in einer Medienmitteilung von WWF Schweiz.

WWF mit Vorschlägen für die Schweiz – Grüne mit Interpellationen

«Die Schweiz tut also gut daran, die CO2-Abgabe auszubauen und auf Treibstoffe auszudehnen», wird Patrick Hofstetter, Leiter Klima und Energie von WWF Schweiz, darin zitiert. Die Schweiz spare bereits heute über eine Milliarde Franken pro Jahr durch die bestehenden, aber ungenügenden Klimaschutzmassnahmen. Weiter solle kein Geld für neue Öl- und Gasheizungen, Ölunternehmen oder Kohlekraftwerke ausgegeben werden.

Die Grünen Schweiz bezeichnen den Teilbericht in einer Mitteilung als «wichtige Wegleitung für die nationale, aber vor allem auch lokale Politik». Grüne und Junge Grüne wollen in den kommenden Wochen in fast allen Kantonen gleichlautende Interpellationen einreichen. Darin fragen die Politiker unter anderem nach konkreten Präventionsprojekten und nach den finanziellen Auswirkungen des Klimawandels für den jeweiligen Kanton.

Grundlage für Weltklimagipfel

Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) – kurz Weltklimarat genannt – legt alle fünf bis sieben Jahre einen Sachstandsbericht vor, in dem der wissenschaftliche Erkenntnisstand der Klimaforschung zusammengefasst wird. Der jetzige besteht aus vier Teilen, zwei davon sind schon öffentlich.

Der in Berlin vorgestellte Bericht gibt ökonomische, technologische und politische Handlungsempfehlungen. Das Treffen und der Bericht dienen der Vorbereitung der nächsten Weltklimagipfel in Peru und Ende nächsten Jahres in Paris. (rub/sda)

Erstellt: 13.04.2014, 12:56 Uhr

Der IPCC sorgt sich wegen verstärktem Kohleeinsatz: Braunkohle-Mine Garzweiler vor einem Kohlekraftwerk in der Nähe von Grevenbroich in Deutschland. (3. April 2014) (Bild: Keystone )

Der Weltklimarat

Angesichts der Erderwärmung gründeten zwei UNO-Organisationen im Jahr 1988 den Weltklimarat IPCC, der inzwischen fast 200 Mitgliedsländer hat. Er soll aufzeigen, wie sich der Klimawandel auf Natur und Mensch auswirkt, welche Anpassungsstrategien es gibt und wie er gebremst werden kann. Das Gremium mit Sitz in Genf forscht dabei nicht selbst, sondern sammelt wissenschaftliche Daten und wertet sie aus. Bislang hat es 1990, 1995, 2001 und 2007 umfassende Berichte veröffentlicht. Am 5. Report, dessen drei Teile 2013 und 2014 veröffentlicht wurden, waren insgesamt über 830 ehrenamtlich arbeitende Hauptautoren beteiligt.

Für seinen Kampf gegen den Klimawandel erhielt der IPCC 2007 den Friedensnobelpreis. IPCC steht für Intergovernmental Panel on Climate Change (Zwischenstaatlicher Ausschuss zum Klimawandel). Ins Leben gerufen hatten ihn das UNO-Umweltprogramm (UNEP) und die Weltwetterorganisation (WMO). Der IPCC ist so erfolgreich, dass nach seinem Vorbild 2012 der Weltrat für Biologische Vielfalt IPBES initiiert wurde. (sda)

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