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Warum sich der Appenzeller Seealpsee rot verfärbte

Eine harmlose Alge färbte den Bergsee rot. Ihre ungewöhnliche Algenblüte ist in der Schweiz neu.

Ende Juli war der Seealpsee rot verfärbt durch die Alge Tovellia sanguinea.

Ende Juli war der Seealpsee rot verfärbt durch die Alge Tovellia sanguinea.
Bild: PD

Das Trinkwasser, das aus dem Appenzeller Seealpsee entnommen wird, ist unbedenklich. Heute gibt die zuständige Behörde in Appenzell bekannt, dass die ungewöhnliche Rotfärbung, die Ende Juli für einige Tage zu sehen war, von harmlosen Algen herrührt. Mehrere Forschergruppen aus Zürich, Kopenhagen und Konstanz fanden heraus, dass es sich dabei um die Art Tovellia sanguinea handelt. Sie gehört zu den sogenannten Dinoflagellaten. Das sind Einzeller die im Süss- und Salzwasser vorkommen können. Der Algenspezialist und Systematiker Hans Rudolf Preisig von der Universität Zürich erkannte zusammen mit Kollegen die Alge nach genauen lichtmikroskopischen Analysen.

Novum in der Schweiz

Daniel Dietrich von der Universität Konstanz lieferte mit seinem Team zusätzlich die genetischen Daten und bestätigte, dass diese Algenart keine Giftstoffe bildet. «Nach wenigen Tagen stand fest, dass es sich um einen Dinoflagellaten handelt», so Dietrich. Doch diese Einzeller können je nach Art auch für den Menschen gefährliche Giftstoffe produzieren. Deshalb war es wichtig, die genaue Art zu bestimmen.

«Eine Algenblüte von Tovellia sanguinea ist ein Novum in der Schweiz», sagt Preisig. Bisher waren solche Algenblüten nur von einem See in Norditalien, dem Lago di Tovel, einem Bergsee in den Trentiner Alpen, bekannt. «Der italienische See war bis in die 1960er-Jahre wegen seiner blutroten Färbung eine Touristenattraktion», weiss Preisig. Seit 1964 ist der italienische See nie wieder rot geworden.

Warum es in diesem Jahr zu dieser aussergewöhnlichen Algenblüte im Seealpsee kam, wissen die Forscher noch nicht. Dietrich vermutet, dass die Alge optimale Nährstoff-, Temperatur- und Lichtverhältnisse vorfand. Tovellia sanguinea ist orangerot gefärbt. Die Mikroorganismen besitzen als Farbstoffe die rötlichen Karotinoide und grünes Chlorophyll. Inzwischen hat der Dinoflagellat Zysten gebildet. Das sind Dauerstadien, die auf dem Seegrund überwintern können. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.08.2009, 08:32 Uhr

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