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Wohin nur mit den wilden Mustangs?

Aktualisiert am 08.12.2009

Die Wildpferde, die über die Prärie donnern, sind der Inbegriff des Wilden Westens. Doch nun sollen sie in die andere Himmelsrichtung ausweichen – zum Ärger prominenter Tierschützer.

Teil des kulturellen Erbes der USA: Zwei junge Hengste beim spielerischen Kampf.

Teil des kulturellen Erbes der USA: Zwei junge Hengste beim spielerischen Kampf.
Bild: Keystone

Ein Grund für die Pläne ist, dass sich die Tiere sehr schnell vermehren. In zehn Bundesstaaten im Westen geht den Tieren nach Angaben der Behörden die Nahrungsgrundlage aus – zum Teil auch wegen der anhaltenden Dürre in dieser Region. Von den dort lebenden 37'000 Mustangs, darunter allein die Hälfte in Nevada, will die Regierung bis zu 25'000 in den Mittleren Westen und noch weiter nach Osten umsiedeln.

«Wir sind besorgt über die hohen Zahlen», sagte Robin Lohse, Leiterin des National Wild Horse and Burro Advisory Boards am Montag bei einer Anhörung in Sparks in Nevada, «die Zeit ist nicht auf unserer Seite.» Die Bundesbehörde für Landverwaltung (BLM) hatte im vergangenen Jahr sogar schon Pläne ausgearbeitet, um Mustangs abzuschiessen, um so ihre Zahl einzuschränken – und zugleich die Kosten für ihre Pflege zu verringern. Aber Anfang dieses Jahres kündigte Innenminister Ken Salazar an, dass die ihm unterstehende BLM stattdessen 11'500 bis 25'000 Pferde auf weiter östlich gelegene Weiden verlegen werde.

Suche nach geeignetem Reservat

Die genauen Standorte für die Umsiedlung stehen allerdings noch nicht fest. Der bei der BLM dafür zuständige Abteilungsleiter Don Glenn sagte, dass eine Verlegung in das Gebiet der Great Plains – von Montana im Norden bis Texas im Süden – aufgrund von Wasser- und Nahrungsversorgung am sinnvollsten sei. Die Pläne stossen jedoch auf den erbitterten Widerstand von Tierschützern, unter ihnen Prominente wie Sheryl Crow, Bill Maher und Ed Harris.

«Die Regierung Obama muss eine neue Politik entwerfen, um diese Tiere zu schützen und dem Willen der Öffentlichkeit zu entsprechen, diesen wichtigen Teil unseres nationalen Erbes zu bewahren», verlangt William Spriggs von der Organisation In Defense of Animals. Er und andere Tierschützer legten am Montag ebenfalls ihre Argumente bei der Anhörung in Nevada dar. Das Gremium vertagte sich, ohne eine Empfehlung abzugeben.

Schon seit Jahren ein Thema

Der Umsiedlungsplan ist nur der jüngste Abschnitt eines langwierigen Streits um die Mustangs im Westen. Dort sind sie zuhause, seit sie im 16. und 17. Jahrhundert von spanischen Siedlern nach Nordamerika gebracht wurden und verwilderten. Die Farmer im Westen hatten die wild lebenden Pferde stets als Bedrohung für ihr Weideland betrachtet. Bis 1971 durften sie Mustangs auf ihrem Land erschiessen.

Seit dem Verbot dieser Praxis bemüht sich die Regierung um eine Kontrolle der Mustang-Bestände. Ohne äussere Einwirkung kann sich die Grösse einer Herde in nur vier Jahren verdoppeln. Eine zeitlang wurde den Stuten ein Verhütungsmittel injiziert, was sich auf Dauer aber als zu kostspielig erwiesen hat.

Mit Hubschraubern zusammengetrieben

In den vergangenen Jahren waren dann Mustangs eingefangen worden, um sie zu eingezäunten Ländereien im Westen zu bringen. Mit Hubschraubern wurden die Pferde zusammengetrieben. Cowboys fingen sie dann mit dem Lasso ein und zerrten sie auf Lastwagen. Bislang aber waren die Mustangs stets im Westen geblieben.

Die Tierschützer von Defense of Animals in Kalifornien verurteilen das Eintreiben der Pferde mit dem Hubschrauber als grausame Traumatisierung. Zu den engagiertesten Mustang-Aktivisten gehört die Sängerin Sheryl Crow, die selbst ein Pferd adoptiert hat und ihre Bedenken kürzlich in einem Telefongespräch mit Innenminister Salazar vorgebracht hat. «Er hat als erstes gesagt, dass etwas getan werden muss, weil die Pferde sonst verhungern», sagte Crow, «das glauben wir nicht.» (raa/ap)

Erstellt: 08.12.2009, 08:50 Uhr

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