Kontroverse um neuen Genmais

US-Anbauer warten ungeduldig auf eine neue Sorte genmanipulierter Samen, die resistent gegen ein populäres Unkrautvernichtungsmittel sind. Kritiker warnen, dass dann noch mehr Chemikalien versprüht werden.

Die Bauern wollen die herbizidresistenten Samen: Maisfeld in den USA.

Die Bauern wollen die herbizidresistenten Samen: Maisfeld in den USA. Bild: Reuters

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Die einen haben darauf gehofft, die anderen haben es befürchtet. Die US-Regierung hat am Freitag die Tür zum kommerziellen Verkauf von neuen gentechnisch manipulierten Sojabohnen- und Maissamen geöffnet, die resistent gegen das Unkrautvernichtungsmittel 2,4-D ist. Bisher wurden diese Samen nur zu Versuchen verwendet, unter strenger Kontrolle. Jetzt hat das Landwirtschaftsministerium vorgeschlagen, die bestehenden Restriktionen aufzuheben.

Eine endgültige Entscheidung wird erst im Frühling oder Sommer erwartet. Auch die Umweltbehörde EPA hat ein Wort mitzureden. Aber die Empfehlung vom Freitag ist ein grosser Schritt vorwärts auf dem Weg zu einer Deregulierung.

2,4-D ist die Kurzbezeichnung für 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure, bei Kritikern am besten bekannt als Bestandteil des Entlaubungsmittels Agent Orange aus der Vietnamkrieg-Ära. Das US-Militär setzt das Herbizid seit 1971 nicht mehr ein, und es ist seit den 1970er-Jahren auch nicht mehr hergestellt worden. Wissenschaftler glauben nicht, dass 2,4-D, das häufig von Gärtnern und auch einer Reihe von Farmern verwendet wird, die Gesundheitsprobleme verursacht hat, die mit Agent Orange verbunden werden.

Immun gegen Roundup

Viele in der US-Landwirtschaft haben sehnsüchtig auf eine neue Generation von herbizidresistenten Samen gewartet. 2,4-D wurde bisher beim Anbau von Sojabohnen und Mais nur begrenzt eingesetzt, weil es für die Pflanzen schon im Frühstadium giftig ist. Die neuen Samen würden es den Farmern ermöglichen, das Unkrautvernichtungsmittel in allen Wachstumsphasen zu verwenden.

Mais und Sojabohnen, die in den USA angebaut werden, sind schon heute zumeist gentechnisch verändert, in der Regel so, dass sie immun gegen das Mittel Roundup des Herstellers Monsanto sind. Inzwischen gibt es aber immer mehr Unkräuter, die eine Widerstandskraft gegen Roundup entwickelt haben.

Skeptiker sind nun besorgt, dass eine kommerzielle Freigabe der neuen Samen zu einem verstärkten Einsatz von 2,4-D führen und am Ende das gleiche Problem entstehen würde: wachsende Resistenz von Unkräutern gegen 2,4-D. Umweltschützer sehen ausserdem die Gefahr, dass das Herbizid beim Versprühen leicht über das vorgesehene Gebiet hinausgeweht werden und dann andere Feldfrüchte schädigen könnte.

Entwickung neuer Resistenzen befürchtet

Auch die für Pflanzeninspektionen zuständige Abteilung im Landwirtschaftsministerium räumt ein, dass die von Dow Agrosciences entwickelten Samen zu einem erhöhten Gebrauch von 2,4-D anreizen und die Entwicklung einer neuen Resistenz fördern könnten. Darin läge das grösste Risiko, heisst es in einer am Freitag veröffentlichten vorläufigen Einschätzung. Aber die Behörde argumentiert dann weiter, dass es so oder so zu einer 2,4-D-Immunität kommen könne, weil das Herbizid schon heute der am drittmeisten verwendete Unkrautvernichter in den USA sei.

Die Öffentlichkeit hat jetzt 45 Tage Zeit, auf den Report des Ministeriums zu antworten. Die Regierung stuft 2,4-D zwar als sicher ein, aber bei der Umweltbehörde EPA läuft noch eine getrennte Untersuchung über die Auswirkungen eines steigenden Gebrauchs. Das Ergebnis wird in wenigen Monaten erwartet.

Dow Agroservices hat das Ministerium um die Deregulierung von einer Sorte Mais und zwei Sojavarianten ersucht. Der Genmais ist resistent gegen 2,4-D und zugleich gegen Glyphosat, die generische Form von Roundup. Die beiden Sojasorten sind immun gegen 2,4-D, aber unterschiedlich widerstandsfähig gegen andere Herbizide. Das Ministerium meint, dass Farmer das Resistenzproblem verringern könnten, wenn sie sich nicht nur auf ein einziges Pflanzenschutzmittel stützten. (baz.ch/Newsnet)

(Erstellt: 04.01.2014, 23:05 Uhr)

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