Wissen
Cern hat «Urknallmaschine» repariert
Artikel zum Thema
- Morgen ist Neustart am Cern
- Festgenommener Cern-Physiker diskutierte Anschlagspläne
- Vogel legt Cern lahm
Der Teilchenbeschleuniger LHC
Der Large Hadron Collider (LHC) ist der grösste jemals gebaute Teilchenbeschleuniger. In dem 27 Kilometer langen und knapp 4 Meter hohen Tunnel im schweizerisch-französischen Grenzgebiet bei Genf werden die kleinsten Bausteine der Materie, Elementarteilchen, nahezu auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Supraleitende Magneten halten sie auf der Kreisbahn.
Bei voller Energie besitzt jeder Protonen-Strahl soviel Energie wie ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 1.600 Kilometern in der Stunde. Bis zu eine Milliarde Mal pro Sekunde prallen dann einzelne Protonen aufeinander. Deren elementare Bestandteile - Quarks und Gluonen - erzeugen neue Teilchen und Energie. Es werden Temperaturen erreicht wie in der ersten Billionstelsekunde nach dem Urknall. Die Beobachtung der Prozesse im LHC, für die gigantische Detektoren gebaut wurden, ist daher wie ein Blick auf einen Moment kurz nach der Entstehung des Universums im Urknall.
Nach rund einjährigen Reparaturarbeiten ist der weltgrösste Teilchenbeschleuniger wieder hochgefahren worden. In der Nacht zum Samstag wurden erstmals wieder Protonenstrahlen in den 27 Kilometer langen runden Tunnel am Europäischen Kernforschungszentrum (CERN) bei Genf geschickt, wie CERN-Sprecher James Gillies mitteilte.
Nachdem Pannen den Erststart des spektakulären Projektes im Sommer 2008 zum Fiasko hatten werden lassen, lief nun alles nach Plan. Tatsächlich floss der erste Protonenstrahl neun Stunden früher als erwartet: «Wir mussten einige Wissenschaftler zurückrufen, sie waren schon nach Hause gegangen», sagte Gillies. Wenige Stunden später wurde ein zweiter Protonenstrahl in entgegengesetzter Richtung auf den Weg gebracht, der entscheidende Schritt für die Protonenkollision.
Protonen bald schneller unterwegs
Gillies feierte die Wiederinbetriebnahme als wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu den ersten Experimenten, die im kommenden Jahr durchgeführt werden sollen. Die Forscher erhoffen sich von der Anlage Antworten auf grundlegende Fragen nach der Entstehung und dem Aufbau des Universums.
Die Strahlen am Freitag seien mit relativ geringer Energie ins Rennen geschickt worden, teilte Gillies mit. Eine baldige Beschleunigung sei jedoch geplant.
Der Large Hadron Collider (LHC) wurde im vergangenen Jahr unter grossem Interesse der Öffentlichkeit gestartet. Ein Defekt durch eine fehlerhafte elektrische Verbindung in der Verkabelung setzte den gigantischen Teilchenbeschleuniger aber schon wenige Tage später ausser Gefecht. Die Reparaturen und zusätzliche Sicherheitsmassnahmen kosteten rund 27 Millionen Euro. (tan/ap/)
Erstellt: 21.11.2009, 09:36 Uhr



Die Welt in Bildern


