Das ist das Wartehäuschen der Zukunft

Auf den Bus oder das Tram warten ist eine langweilige Sache. In Florenz ist damit bald Schluss: Neue Wartehäuschen mit Internetzugang und Touchscreen-Wänden sollen den ÖV-Benutzern die Zeit verkürzen.

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Wartehäuschen sind in den meisten Schweizer Städten keine Augenweide. Sie haben primär eine Aufgabe: Passagiere, die auf den Bus oder das Tram warten, vor Regen, Schnee und Wind zu schützen. Doch es geht auch anders, wie das Beispiel Florenz zeigt. Ab Oktober wird in der italienischen Stadt ein Prototyp des wohl modernsten Wartehäuschens weltweit getestet: Eine futuristische High-Tech-Haltestelle aus Glas.

Das Wartehäuschen mit den Namen «EyeStop» sieht nicht nur gut aus. Die Passagiere können darin auch die langweilige Wartezeit überbrücken: In die Glaswände sind Touchscreens eingelassen, wo man E-Mails lesen, Busverbindungen suchen oder im Internet surfen kann. Per Interface ist es zudem möglich, das Handy zu synchronisieren. Und Sensoren messen in Echtzeit die Feinstaubbelastung, Temperatur und andere Wetterdaten. Den Strom für die Computer liefern Solarzellen.

Das Wartehäuschen als Quartiertreff

Die Erfinder des High-Tech-Wartehäuschens vom Senseable City Lab der US-Universität Massachusetts wollen mit «EyeStop» aber mehr, als öffentlich zugängliche Computer aufstellen. Sie wollen die Städte revolutionieren: Die Häuschen sollen zu Zentren der Kommunikation werden. So darf jeder auf einem interaktiven schwarzen Brett Annoncen platzieren und Firmen können Werbeclips abspielen. «Wir glauben, dass solche Bauten den Umgang mit Informationen ändern können, ähnlich wie das iPhone die Einstellung zur Telefonie veränderte», sagt Projektleiter Giovanni de Niederhausern in der Zeitung «Le Temps». Das Potenzial dazu ist vorhanden: Die Haltestellen könnten den Passagieren beispielsweise Kurznachrichten per Twitter zusenden, wenn der Bus im Stau steht und sich verspätet.

Besteht der Prototyp den Alltagstest, sollen in Florenz 200 solche Wartehäuschen gebaut werden. Damit geben sich die Erfinder aber nicht zufrieden. Auch in anderen Städten sollen ihre Häuschen gebaut werden. Ihr Konzept sieht vor, dass diese Individuell an jede Umgebung angepasst werden. Dafür entwickelten sie ein Computerprogramm, das das Aussehen jeder Haltestelle berechnet. Doch alles Design im öffentlichen Raum nutzt nichts, wenn es nicht vandalensicher ist. Carlo Ratti von Senseable City Lab: «Wir haben spezielle Glasoberflächen geprüft, die selbstreinigend und Grafitti-abweisend sind. Trotzdem werden wir noch einige Test durchführen, bevor wir den Prototypen bauen.» (cha)

Erstellt: 18.06.2009, 15:51 Uhr


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