Wissen
Die Ausserirdische
Von Thomas Wyss. Aktualisiert am 05.02.2010
Eine Ausserirdische? Klar, das ist frech geflunkert. So universell (oder spirituell?) ist nicht mal das tolle Tagi-Kontaktnetz, als dass wir einfach mal rasch mit einem Mars-Weibchen plaudern könnten. Nein, Barbara Burtscher ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, gross geworden in Ebnat-Kappel, nun wohnhaft in Zürich. Und doch - ganz falsch ist die Behauptung nicht. «Ausserirdisch» kann man nämlich als Synonym für die atemberaubende Karriere der erst 24-jährigen Astrophysikerin einsetzen.
Wer die Chance bekommt, mit einer solch spannenden Person zu parlieren, ist natürlich massiv aufgeregt, sodass er ihr plötzlich ganz komische (und kosmische) Fragen stellt. Netterweise hat sie Frau Burtscher alle beantwortet - sogar jene nach Personen, die die fixe Idee haben, zum Mars zu fliegen und dort eine Parallelzivilisation zur Erde aufzubauen . . . Menschen, wie sie Regisseur Richard Dindo im Film «The Marsdreamers» (siehe unten) porträtiert hat.
Doch beginnen wir am Anfang. Dank dem Vater, der ein Pilotenbrevet hatte und als Sprengfachmann arbeitete, kam Klein Barbara früh mit der Welt der Technik in Kontakt. Und von der Technik in den Weltraum ist es bekanntlich ein kleiner Schritt für die Menschheit. Beim Schreibenden (das ist nicht allzu relevant, aber eine hübsche Anekdote) haben die «Tim und Struppi»-Bände «Reiseziel Mond» und «Schritte auf dem Mond» eine kleine Mondsucht bewirkt. Wie aber war das bei der Expertin?
Frau Burtscher, gab es ein Schlüsselerlebnis, das Ihre Faszination für den Weltraum auslöste?
Ja, das war, als ich als Kind von blossem Auge den Kometen Hale-Bopp mitverfolgen konnte. Ich wollte alles darüber erfahren. Das Resultat ist, dass ich mich nun, als Astrophysikerin, auf Kometen spezialisiert habe.
Wenn man einen Kometen neu entdeckt, darf man ihm den eigenen Namen geben. Ein Traum von Ihnen?
Schön wäre das schon, aber ein Traum, nein. Ich bin sehr zufrieden, dass ich kürzlich in der Wüste von Utah meinen ersten eigenen Meteoriten gefunden habe. Er ist zwar ganz klein, aber echt.
Auf dem Dach der Kantonsschule Heerbrugg im Rheintal hat es ein Teleskop. Mit diesem suchte Burtscher den Nachthimmel ab, während ihre Kameraden Partys feierten. Nicht immer, aber oft. Als Folge davon schrieb sie eine Arbeit über den Kometen 153P/Ikeya-Zhang. Ihr Astronomielehrer war derart begeistert, dass er ihr riet, damit am Wettbewerb «Schweizer Jugend forscht» teilzunehmen. Die Arbeit bekam das Prädikat «Hervorragend». Als Preis durfte Burtscher am Max-Planck-Institut ein Forscherpraktikum absolvieren und an der Physik-Nobelpreisträger-Tagung teilnehmen - und das im zarten Alter von 18. Kein Zweifel: Ein Star war geboren.
Haben Sie jemals gedacht, dass Ihre beruflichen Erfolge auf einer idealen astrologischen Sternenkonstellation basieren könnten?
Nein, daran habe ich nie gedacht. Mit Astrologie kann ich als Forscherin wenig anfangen, weil sehr vieles auf Annahmen basiert. Unsere Sternzeichen haben sich im Laufe der Zeit um mehr als ein Sternenbild verschoben, dadurch wird jede Aussage sehr relativ.
Ähnlich relativ und subjektiv ist auch das Thema Schönheit. Welches ist das schönste Objekt am Sternenhimmel, das Sie je gesehen haben?
Ui, schwierig. Jedes Mal, wenn ich einen neuen Nebel oder eine neue Galaxie sehe, bin ich hin und weg. Aber als ich das erste Mal den Saturn mit dem Ring sah, war das enorm emotional und ergreifend, ich stammelte nur noch «Wow». Ich sage also: der Saturn.
An der Uni Zürich studierte Burtscher von 2003 bis 2008 Physik mit Schwerpunkt Astrophysik sowie Finance. Während des Studiums gründete sie mit ihrem Lebenspartner Martin Signer die Firmen Astrophysics.ch GmbH und 4Finance AG, für die sie nach wie vor tätig ist. Daneben arbeitet sie als Physiklehrerin an der Kanti Wattwil und organisiert den Schweizer Astronomietag, bei dem diverse Koryphäen auftreten.
Frau Burtscher, weshalb sind Sie so erpicht darauf, der Menschheit den Weltraum näherzubringen?
Ich finde es sehr wichtig, dass man die Erde in einem universellen Zusammenhang sieht. Dass man erkennt, wie gewaltig und doch fragil das System ist, welches ein Leben auf der Erde ermöglicht . . . und dass man als Folge unserem Planeten mehr Sorge trägt.
Ein Problem ist doch, dass Astronomie vielen Laien so spanisch vorkommt wie Fachchinesisch. Aus diesem Grund habe ich eine Live-Beobachtungs-Show entwickelt, bei der Bilder aus dem All via Teleskop live auf eine Grossleinwand übertragen werden, während ich dazu möglichst verständlich erläutere, was man sieht, was passiert. So wird Astronomie zum fesselnden Spektakel.
Ein Spektakel war auch Burtschers Auftritt am International Space Camp 2009 im Nasa Education Center in Huntsville, Alabama. Eigentlich war sie nur aus Spass dort, sie durfte eine ihrer Kanti-Schülerinnen begleiten, die einen Forschungswettbewerb gewonnen hatte. Doch dann absolvierte sie die Astronauten-Tests (Minirakete basteln, Satellit flicken, Bergung im Wasser, Zentrifuge fahren, im Simulator einen Spaceshuttle landen) derart souverän, dass ihr die Nasa nicht nur die Ehrenmedaille «Right Stuff» verlieh, sondern ihr auch einen Job anbot: Sie darf fortan jeden Sommer am Nasa Education Center Lehrer unterrichten. Zudem legte man ihr nahe, sich als Astronautin zu bewerben. Was sie dazu verraten darf: Sie wird demnächst einen Parabelflug machen, bei dem Schwerelosigkeit simuliert wird. Ihr Ziel: Bei diesem Schwerelosigkeitsflug versuchen, einen Tischtennismatch zu spielen. Crazy.
Frau Burtscher, im letzten Dezember waren Sie rund drei Wochen auf dem Mars. Wie wars?
(Lacht.) Ich war nicht wirklich auf dem Mars, ich habe am Projekt Mars Desert Research Station teilgenommen. Wir haben das Leben auf dem Mars in der Wüste in Utah simuliert. Aber es war grossartig. Bisweilen auch etwas hart. Auf der Toilette war es minus 20 Grad, das Fleisch kam aus der Dose, und ein Arm ist mir halb abgefroren, aber zum Glück wieder aufgetaut.
Im Film «The Marsdreamers» geht es um Menschen, die um jeden Preis auf dem Mars eine neue Zivilisation, also eine Zufluchtsinsel für den Menschen der Zukunft errichten wollen. Sind das naive Spinner?
Bis eine Mars-Mission zustande kommen könnte, dauert es mindestens nochmals 10 bis 15 Jahre. Aber grundsätzlich finde ich solche Ideen wichtig. Sollte, was theoretisch möglich ist, ein Asteroid auf die Erde stürzen und die Staubwolke so viel Material in die Atmosphäre bringen, dass wir vom Sonnenlicht getrennt wären, gäbe es auf der Erde bald kein Leben mehr. Und so viel ich weiss, glaubt die Wissenschaft daran, auf dem Mars eine erdähnliche Atmosphäre erschaffen zu können. Das ist alles noch Sciencefiction, aber sehr aufregend. Der nächste Astronomietag findet am 11. September 2010 in Basel statt. Infos: www.astronomietag.ch (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.02.2010, 10:19 Uhr
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.






