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Die Cyber-Hauptstadt in der Wüste

Aktualisiert am 25.01.2016 8 Kommentare

Wirtschaftsspionage, Erpressung, kriegerische Angriffe: Israel macht eine Wüstenstadt in der öden Südhälfte des Landes zum Zentrum der Cyber-Abwehr.

Die Wüstenmetropole wird zur Cyber-Kapitale: Blick auf die Stadt Beerscheba. (17. Dezember 2015)

Die Wüstenmetropole wird zur Cyber-Kapitale: Blick auf die Stadt Beerscheba. (17. Dezember 2015)
Bild: Amir Cohen/Reuters

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Beerscheba, das schon lange den Beinamen «Hauptstadt der Negev-Wüste» führt, wird nun zur «Cyber-Capital» ausgebaut. Rund einhundert Kilometer weiter kommt am Dienstag die Weltbranche zur CyberTech-Messe in Tel Aviv zusammen.

«Egal ob Deutschland, USA oder Israel – die Bedrohung durch Computerattacken wächst sprunghaft», sagt Dudu Mimran, Technischer Leiter der Innovation Laboratories der Deutschen Telekom in Beerscheba. Aber insbesondere Israel habe sich zu einem «Impulszentrum» für die Cybersicherheit entwickelt. Laut Tom Ahi Dror vom National Cyber Bureau, das direkt dem Ministerpräsidenten untersteht, werden in Israel ein Fünftel der globalen privaten Investitionen in Cybersicherheit getätigt.

Die Deutsche Telekom war mit ihren Innovationslabors, die sie seit zehn Jahren gemeinsam mit der örtlichen Ben Gurion Universität (BGU) betreibt, einer der ersten Mieter im Technologiepark von Beerscheba. Seit einem Monat ist dieser Advanced Technology Park dank einer futuristisch gestalteten Fussgängerbrücke direkt mit der BGU verbunden.

Zwei Hauptprobleme

Das dritte Element im grossangelegten Regierungsprojekt CyberSpark ist die Verlagerung all jener Einheiten der israelischen Streitkräfte nach Beerscheba, die mit Technologie und Überwachung zu schaffen haben. In wenigen Jahren sollen dort 15'000 Beschäftigte für die Sicherheit der Informationstechnologie tätig sein.

Zwei Hauptprobleme sehen die Experten im eskalierenden Cyberkrieg. «Die gesetzestreue Seite hat bisher immer monatelange Verspätung, wenn neue Schadprogramme auftauchen», sagt Joav Zruja, einer der Partner von JVP Cyber Labs in Beerscheba. Dieser Venturekapitalfonds ist der grösste israelische Investor in Cybersicherheit.

Deshalb habe JVP zuerst das Startup-Unternehmen Cyaktive gefördert, das Varianten «böser Software» schneller entwickeln will als die Angreifer. «So können wir schon vorausschauend die Abwehr entwickeln», sagt Zruja. Inzwischen testen Siemens und Oracle die Cyaktive-Strategie.

Riesen-Stromausfall

Das zweite grosse Problem entsteht aus dem wachsenden Internet der Dinge, also der breiten Einbeziehung unserer gegenständlichen Alltagsumwelt und der klassischen Industrie in Onlinenetzwerke. «Das vermehrt die Zahl leicht angreifbarer Ziele sprunghaft», sagt Joni Schohet von SCADAfence, einem weiteren Startup, das JVP in Beerscheba als Inkubator «ausbrütet».

Der Jungunternehmer verweist auf ein deutsches Stahlwerk, wo Hacker bis in die Produktionsnetze vordringen konnten und für Ausfälle sorgten, die einen Hochofen massiv beschädigten. So nachzulesen im Lagebericht der Bundesregierung zur IT-Sicherheit für 2014. Und vor wenigen Wochen erzeugte eine Cyber-Attacke in der West-Ukraine einen Stromausfall in 700'000 Haushalten.

Mehr Bedrohungen

Ob Wirtschaftsspionage, Erpressung, Diebstahl oder kriegerischer Angriff – die Bedrohungen aus dem Internet nehmen zu. Und Israel nimmt im Abwehrkampf eine Spitzenstellung ein. Die permanente Bedrohung im Nahen Osten, die allgemeine Wehrpflicht in einer technologisch hochgerüsteten Armee, welche die dafür talentiertesten Rekruten zur Cyberabwehr ausbildet, sind wichtige Gründe dafür.

Dass Beerscheba mit heute 200'000 Einwohnern zum Hauptquartier der boomenden Branche ausgebaut wird, ist eine politische Entscheidung. Der Negev bietet sechzig Prozent der Fläche Israels, beherbergt aber nicht einmal zehn Prozent seiner Bevölkerung. Am Ende soll die Wüstenmetropole mit einer halben Million Einwohnern nach Jerusalem die zweitgrösste Stadt im Lande sein.

Arbeitsplätze schafft für sie der neue Wachstumsmagnet: Im Technologiepark wird derzeit das dritte von 27 geplanten Bürogebäuden gebaut. Und die Streitkräfte schreiben im Februar die Errichtung ihres Technologie-Campus aus, der gleich nebenan liegen wird. (thu/AFP)

Erstellt: 25.01.2016, 19:33 Uhr

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8 Kommentare

PEter Meier

25.01.2016, 20:16 Uhr
Melden 47 Empfehlung 26

Dieses neue Wachstum ist nicht anderes als eine Manifestation von Paranoia und Gier. Gefahren abwehren, Überwachung ausbauen und so Arbeitsplätze schaffen. Wunderbare Welt. Technologisch ein Fortschritt, menschlich ein weiterer Rückschritt. Der Mensch baut sich selbst ein Käfig, Hauptsache er kann Geld verdienen. Antworten


Alexander Scheiner

26.01.2016, 06:34 Uhr
Melden 21 Empfehlung 1

Seit seiner Gründung baut der Jüdische Staat Israel auf, forscht und entwickelt.
Währenddem versuchen seine Nachbarn ihn zu vernichten.
Eines der vielen Erfolge sehen ie hier, in Beer Scheba.
Antworten