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Er hat Benzin im Blut und sieht die Autozukunft elektrisch
Von Walter Jäggi. Aktualisiert am 01.03.2010
«So schnell wie mit dem Porsche»: Fredy A. Lienhard ist begeistert vom Tesla.
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Er hat die tollsten Traumwagen gefahren: Ferrari, Porsche, Lamborghini, Maserati. Er bestritt während Jahren Autorennen, unter anderem in der einstigen Formel 2 und in der amerikanischen Sportwagenserie. Er kämpfte auf legendären Strecken in Daytona, Monza, Le Mans und auf dem Nürburgring. Fredy A. Lienhard hatte immer eine Schwäche für Autos. Er habe eben, sagt er, «Benzin im Blut». Heute fährt er als einer der Ersten in der Schweiz einen vollelektrischen Roadster der Marke Tesla.
Der Elektroantrieb wird von vielen Autofans skeptisch betrachtet, die elektrischen Autos werden belächelt oder als utopische Fantasieprodukte abgetan. Das sei, sagt Lienhard, immer noch das Image der ersten Elektromobile: unattraktives Design, müdes Tempo und schwächliche Batterien. Inzwischen sei das ganz anders. «Mit dem elektrischen Tesla bin ich so schnell wie mit dem Porsche», sagt Lienhard, der seit einem halben Jahr den amerikanischen Elektrosportwagen fährt. Überlegen ist sein Porsche, wenn es um die Reichweite geht. Doch Lienhard ist überzeugt, dass die Technik der Akkus noch grosse Fortschritte machen wird.
Teurer Tesla
Mit einem Preis von rund 150'000 Franken liegt der schnelle Tesla ausserhalb der Reichweite eines Durchschnittskäufers. Aber wer die Mittel hat, sich teure Fahrzeuge zu leisten, wird über diesen Preis nicht erschrecken – ein konventioneller Sportwagen kostet ebenso viel. Auch Fredy A. Lienhard weiss, dass der Tesla ein Luxusprodukt für einen Nischenmarkt ist. «Aber viele technische Neuheiten haben in der obersten Fahrzeugklasse begonnen, heute sind sie in jedem Kleinwagen anzutreffen.» Er habe die Möglichkeit, ein solches Auto zu kaufen und Pionier zu sein. «Ich finde es interessant, bei dieser neuen Technik dabei zu sein», sagt Lienhard, der als Unternehmer die Büromöbelfabrik Lista besitzt.
Fredy A. Lienhard demonstriert sein ungewöhnliches Auto gerne und hat auch schon einige andere prominente Unternehmensleiter mit dem Elektrovirus angesteckt. Junge Tüftler, Bastler und Ökofundamentalisten können sich den Tesla nicht leisten, aber für Manager und Unternehmer mit einem Hang zu technischen Innovationen sei das kleine Auto wie gemacht.
Vorbote der neuen Autotechnik
Für Lienhard ist sein Elektroflitzer aber nicht einfach ein Hightech-Spielzeug. Er sieht es als Vorboten einer umfassenden Neuorientierung der Autotechnik. Und weil er als Rennfahrer erlebt hat, dass die technische Avantgarde häufig im Automobilsport die entscheidenden Impulse findet, glaubt er auch an den elektrischen Rennwagen. Er unterstützt daher das AMZ-Racingteam, eine Gruppe von Studentinnen und Studenten der ETH und der Hochschule Luzern. Das Team baut gegenwärtig das Elektrorennauto Furka und wird damit im Sommer internationale Rennen der «Formula Student» bestreiten.
Auch Lienhard hatte als Student mit einer Gruppe von Kollegen selber Rennautos konstruiert – zum Teil mit Bestandteilen vom Abbruch – und dabei handwerklich viel gelernt. Noch früher war er mit Seifenkisten und mit Karts unterwegs gewesen. Den Nachwuchs, bis hin zur Seifenkistenklasse, fördert er heute gerne. Der Automobilsport sei nämlich eine ausgezeichnete Schule für junge Leute. Da müsse man nicht nur körperlich fit sein, sondern auch die Technik im Griff haben und vor allem teamfähig sein. Denn hinter jedem Rennwagen stehe eine komplexe Mannschaftsleistung.
Rennen mit ausgewachsenen Rennwagen hat Lienhard mit Erfolg während vier Jahrzehnten bestritten, das letzte vor einem Jahr, an seinem 61. Geburtstag. Er hatte als Privatfahrer an Rennen im In- und Ausland teilgenommen, Profi wollte er nie werden. «Als Profi hätte ich nicht bis 61 Rennen fahren können», sagt er mit Blick auf die 40-jährigen Pensionierten im Rennzirkus. Ausserdem musste er in jungen Jahren das Unternehmen seines verstorbenen Vaters weiterführen.
Nicht nur was den Spass am Elektroauto angeht, ist Lienhard ein ungewöhnlicher Autofan. Seine Renn- und Sportwagen, ergänzt um einige Leihgaben, wollte er nicht einfach in einem Magazin einlagern. Die Oldtimer sollen auch anderen Leuten Freude machen und zudem hie und da etwas bewegt werden. Er eröffnete deshalb letztes Jahr in Romanshorn den «Autobau», ein Eventzentrum, das um eine Sammlung von 80 zum Teil sehr aussergewöhnliche Autos herum angelegt ist und das für Firmenpräsentationen, Seminarien oder Hochzeiten genutzt werden kann. Unter anderem sind mehrere berühmte Modelle von Sauber zu sehen, ein Motor von Illien, Serienfahrzeuge und Prototypen von Monteverdi, Rinspeed, Enzmann und Sbarro.
Mit Solarzellen speisen
«Ich möchte auch zeigen, was mutige Schweizer Konstrukteure geleistet haben», sagt Lienhard. Der «Autobau» ist in denkmalgeschützten Industriegebäuden untergebracht. Dazu kommen soll demnächst ein Gewerbehaus. Und dort auf dem Dach werden Solarzellen installiert werden, plant Fredy A. Lienhard. «Die Ingenieure in Kalifornien haben mir gesagt, mit dem Strom aus sechs mal sechs Meter Solarzellen könne man den Tesla 25'000 Kilometer im Jahr fahren. In Romanshorn wirds vielleicht nicht ganz so viel sein, doch das will ich jetzt ausprobieren.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.03.2010, 09:02 Uhr
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Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.






