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Europäische Weltraumteleskope stellen Hubble in den Schatten

Aktualisiert am 12.05.2009

Mit den bisher grössten Weltraumteleskopen Herschel und Planck wollen die Europäer erstmals Licht in die Entstehung des Universums bringen.

Wird am Donnerstag ins All geschossen: Teleskop «Herschel».

Wird am Donnerstag ins All geschossen: Teleskop «Herschel».

Das Teleskop-Tandem «Herschel» und «Planck» soll am Donnerstag an Bord einer Ariane-Rakete ins All geschossen werden und die schon faszinierenden Einblicke des in die Jahre gekommenen «Hubble»-Teleskopes in den Schatten stellen. «Wir werden die Grenzen der Weltraumastronomie verschieben», jubelt die federführende Europäische Weltraumagentur ESA.

Das Universum war nach dem Urknall für Millionen von Jahren völlig dunkel, bevor sich erste Sterne und Galaxien bildeten. Bis in diese Zeit soll «Herschel» zurückblicken. Möglich wird dies durch einen Spiegel von 3,5 Metern Durchmesser und unerreicht leistungsstarke Infrarotsensoren, mit denen das Fernrohr in die Weiten des Alls späht. Dem inzwischen 19 Jahre alten «Hubble» mit seinem 2,4 Meter breiten Spiegel bleibt die Sicht noch von Staub- und Gasschichten versperrt.

Entwicklungskosten: 100 Millionen Euro

Ein Herzstück des 7,5 Meter hohen Teleskops hat das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching massgeblich mitentwickelt: die Infrarotkamera PACS (Photodetector Array Camera and Spectrometer). Die Entwicklungskosten alleine für PACS belaufen sich auf 100 Millionen Euro.

«Herschels» Schwesterteleskop «Planck» kann Mikrowellenstrahlung erfassen und so Temperaturschwankungen aus der ersten Zeit des Universums aufspüren. Er wird den sogenannten kosmischen Mikrowellenhintergrund erforschen - ein Relikt des ersten Lichtes, das 380'000 Jahre nach dem Urknall ausgesandt wurde. Zudem soll er die Dichte der mysteriösen «dunklen Materie» erfassen, die bis heute unsichtbar geblieben ist.

Die Instrumente könnten «15-mal mehr Informationen über Ursprung, Evolution und Zukunft des Universums liefern als alle Vorgängermissionen», erklärt die ESA. Insgesamt sind 500 Milliarden Messungen vorgesehen, die eine Himmelskarte mit einer Auflösung von mehreren Millionen Pixeln erstellen sollen.

Inspektion nach dem Start ins All

Unterdessen haben die Astronauten an Bord der US-Raumfähre «Atlantis» am Dienstag damit begonnen, praktisch jeden Quadratzentimeter ihres Shuttles nach möglichen Schäden infolge des Starts abzusuchen. Am Mittwoch wollen sie nach erfolgreicher Inspektion dann das Weltraumteleskop «Hubble» erreichen.

Auf die «Atlantis»-Besatzung - sechs Männer und eine Frau - wartet die bislang grösste Reparatur des Weltraumteleskops, dessen Bilder aus der Tiefe des Universums seit 19 Jahren die Wissenschaftler begeistern. «Hubble» soll durch den Einbau wissenschaftlicher Instrumente, Ersatzteile für beschädigte Kameras und neuen Batterien auf den technisch bestmöglichen Zustand für die nächsten fünf bis zehn Jahre gebracht werden. Dann ist kein Shuttle-Flug zu «Hubble» mehr möglich, weil das US-Raumfährenprogramm im kommenden Jahr eingestellt wird.

«Hubble» ist ein Gemeinschaftsprojekt der US-Raumfahrtbehörde Nasa und der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Die elftägige Reise der «Atlantis» war ursprünglich schon im Oktober vergangenen Jahres geplant, musste aber wegen technischer Probleme des Weltraumteleskops verschoben werden. (vin/ap)

Erstellt: 12.05.2009, 16:47 Uhr

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