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Wie kam das Auto auf das Kirchendach? Wir erklären es
Von Norbert Raabe. Aktualisiert am 30.01.2009
Unfall in den Schlagzeilen: Am vergangenen Montag in Limbach-Oberfrohna. (Bild: Keystone)
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Viele unglückliche Umstände müssen zusammen gekommen sein, damit der Autofahrer, dessen Unfall diese Woche Schlagzeilen machte, schliesslich schwer verletzt mit seinem Fahrzeug im Dach der Kirche in Limbach-Oberfrohna im Erzgebirge steckte. Eine ungünstige Unfallstelle, eine Böschung, die quasi als «Schanze» diente – und angesichts eines Alkoholspiegels von 0,41 Promille womöglich auch Unachtsamkeit, wie die Staatsanwaltschaft von Zwickau heute mitteilte.
Zu schnell unterwegs, doch kein «Raser»
Das Bild vom überdrehten Raser, der mit 200 km/h durch eine Ortschaft jagt, dürfte in diesem Fall allerdings nicht unbedingt zutreffen, wie eine Berechnung der Redaktion von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz anhand von Angaben zum Unfallhergang ergab. Freilich mit einigen Vereinfachungen: Weil die Böschung, über die hinweg der Unglücksfahrer «abhob», nach Angaben der Pressestelle der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge nur knapp einen Meter hoch war, setzte die Redaktion als Modell eine einfache «Wurfparabel» voraus:
Diese Formel beschreibt die Höhe «y» eines geworfenen Gegenstands – abhängig von der zurückgelegten Weite «x» sowie der Geschwindigkeit «v» und dem Winkel «Beta» zur Erdoberfläche beim Start der Parabel. Mit Hilfe mathematisch gebildeter Kollegen wurde die Gleichung so umgerechnet, dass als Zielgrösse die Geschwindigkeit am Beginn des Fluges links des «=»-Zeichens steht. Alle anderen Grössen waren bekannt: Der Wagen schlug nach Angaben der Chemnitzer Polizeidirektion nach einem Flug von 35 Metern («x») in einer Höhe von sieben Metern («y») in das Kirchendach ein. Der Wert «g» beschreibt den Einfluss der Erdanziehungskraft und beträgt 9,81 Meter pro Sekunde zum Quadrat.
Beim Abhebewinkel entschied sich die Redaktion sicherheitshalber für zwei Varianten, nämlich 35 Grad und 45 Grad, die bei einer Strassenböschung zutreffen dürften. Heraus kamen schliesslich, ohne Berücksichtigung des Luftwiderstands, Geschwindigkeiten von knapp 100 und gut 75 km/h – ein Ergebnis, das sich mit einer Berechnung an der Technischen Universität Chemnitz deckt. Der Physiker Gunter Beddies hatte den Unfall als «schiefen Wurf» berechnet – noch genauer, weil die Formel für diesen Fall auch die Böschungshöhe von einem knappen Meter berücksichtigt, von der aus der Wagen abhob. Seine Berechnung für einen Böschungswinkel von 45 Grad ergab ebenfalls eine Geschwindigkeit von rund 75 Stundenkilometern.
Risiko schon bei geringer Überschreitung
Freilich werden die Gutachter, die den Unfall derzeit in Deutschland gründlich rekonstruieren, verlässlichere Resultate liefern – doch schon die überschlägigen Berechnungen zeigen, dass auch Geschwindigkeiten, die man nicht mit «Rasern» in Verbindung bringt, grosse Gefahren bergen. «Man unterschätzt das», sagt Christian Huber, der bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (Bfu) den Bereich Verkehrstechnik leitet, «innerorts sind schon 75 Stundenkilometer massiv gefährlich.»
Zumal dann, wenn die Strassenverhältnisse tückisch sind, wie Hubers Erfahrung zeigt. Wenn sich an bestimmten Stellen Verkehrsunfälle häufen, wenden sich Gemeinden zuweilen ratsuchend an die Bfu und erfahren sie dann manchmal, dass eine Kurve einen zu kleinen Radius hat oder eine Unstetigkeit in der Linienführung die Fahrer irritiert – mögliche Gefahren wie jene unscheinbare Böschung in Limbach-Oberfrohna. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.01.2009, 09:11 Uhr








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