Erdbeben, Grippeepidemie, Greiskraut?

Der Bund hat eine ganze Reihe von Szenarien zu Katastrophen und Notlagen erarbeitet. Wir haben vier verglichen – und Kurioses entdeckt.


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Das Erdbeben vom Montagabend mit der Stärke 4,6 auf der Richterskala war eines der stärksten Beben der letzten Jahrzehnte. Schäden hat der Erdstoss dennoch kaum verursacht. Ganz anders wäre es bei einem Beben der Stärke 9 auf der Europäischen Makroseismischen Skala. Dieses Szenario hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz im Risikobericht 2015 beschrieben – zusammen mit 32 anderen Katastrophen und Notlagen. Darunter fallen naturbedingte Ereignisse wie Unwetter oder Überschwemmungen, technische Unfälle (Kernschmelze, Stromausfall) oder humanitäre Notlagen wie Unruhen oder Anschläge. Sie sind teilweise sehr selten oder noch gar nie eingetreten, können sich nach Einschätzung des Bundes hierzulande aber grundsätzlich jederzeit ereignen.

Der Risikobericht beschreibt dabei die vermuteten Auswirkungen der verschiedenen Szenarien auf Bevölkerung, Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Wir haben in obiger Grafik folgende Notlagen verglichen: schweres Erdbeben, Grippeepidemie, Flugzeugabsturz auf bewohntes Gebiet und eine Flüchtlingswelle, jeweils mit der geschätzten Zahl der Toten und Verletzten sowie dem Schaden für die Wirtschaft.

Und von diesen Szenarien geht der Bund aus:

  • Ein Beben mit einer maximalen Intensität von 9 auf der Europäischen Makroseismischen Skala (EMS). Sie beschreibt die Zerstörung von Umwelt und Gebäuden, 12 ist der Höchstwert. Stärke 9 bedeutet: «Allgemeine Panik unter den Betroffenen. Sogar gut gebaute gewöhnliche Bauten zeigen sehr schwere Schäden und teilweisen Einsturz tragender Bauteile. Viele schwächere Bauten stürzen ein.»
  • Nachbeben finden statt
  • Schadensradius beträgt 80 Kilometer
  • Radius des Hauptschadenraums beträgt 25 Kilometer
  • Hohe Infrastrukturdichte
  • Zeitpunkt: Spätfrühling, werktags am Morgen

  • Neues Grippevirus (Subtyp HxNy) breitet sich weltweit aus
  • Vorwarnzeit beträgt ca. 1 Monat
  • Das Virus ist leicht übertragbar (Tröpfcheninfektion)
  • Ein Viertel der Schweizer Bevölkerung wird infiziert, 2 Prozent davon müssen ins Spital, jeder achte Hospitalisierte muss auf einer Intensivstation betreut werden. 0,4 Prozent der Infizierten überleben die Krankheit nicht.
  • Antivirale Medikamente helfen bei der Milderung der Symptome und der Vorbeugung gegen gefährliche Folgekomplikationen
  • Nach 4 bis 6 Monaten ist ein Impfstoff verfügbar

  • Absturz eines Passagierflugzeugs mit 145 Passagieren
  • Absturz in besiedeltem Gebiet
  • Vormittags an einem Werktag

  • Flüchtlingswelle von 75'000 Personen während 4 Monaten, Vorphase von 1 Monat
  • Zu Beginn der Welle 1000 Flüchtlinge pro Tag, danach abnehmend
  • Viele Flüchtlinge kommen erschöpft und in schlechtem gesundheitlichem Zustand an
  • Zeitpunkt: Sommer

Die grössten Schäden in diesem Vergleich würde das schwere Erdbeben verursachen. Der Bund geht von bis zu 10'000 Toten und ebenso vielen Verletzten aus. Das Beben träfe auch die Infrastruktur schwer. Schäden in der Höhe von über 50 Milliarden könnten entstehen und die Wirtschaftsleistung wäre auf längere Zeit massiv beeinträchtigt. Auch eine Grippe-Epidemie mit einem neuartigen Virus würde möglicherweise Tausende Tote fordern – mehr, als der Bund etwa für einen Anschlag mit einer radioaktiven Bombe annimmt.

Unter den 33 aufgelisteten Szenarien finden sich auch einige Kuriositäten: Der Einschlag eines Meteoriten von 20 Metern Durchmesser und 10'000 Tonnen Gewicht zum Beispiel, der in der Annahme des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz keine Todesopfer fordert. Oder die massenhafte Ausbreitung des Schmalblättrigen Greiskrauts auf Agrar- und Weideflächen. Die invasive Art ist giftig und könnte in diesem Szenario über Nutztiere und Nahrungsmittel für Menschen gefährlich werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.03.2017, 12:57 Uhr

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