WM 2010
Alex Frei, der Captain in der Wagenburg
Von Marcel Rohr, Vanderbijlpark. Aktualisiert am 23.06.2010 9 Kommentare
Umfrage
Alex Frei muss derzeit viel Kritik über sich ergehen lassen – vor allem wegen seines Schweigens gegenüber der Medien. Ist die Kritik am Nati-Captain berechtigt?
Für einmal fand Alex Frei am Montag den direkten Weg zum Ziel. Schnurgerade steuerte auf den Schweizer Teambus zu. Augen zu und ab durch die Mixed-Zone. Wortlos liess er die Journalisten stehen. Der Stürmer des FC Basel hatte auch an diesem Abend nichts zu sagen. Nicht nach diesem Match, nach dem 0:1 gegen Chile. Dabei wäre es doch relativ einfach gewesen.
Frei hätte erklären können, wie er sich gefreut hat über das Vertrauen, welches ihm Ottmar Hitzfeld schenkte; immerhin hatten seine Teamkollegen ohne ihn einen Jahrhundertsieg über Spanien eingefahren. Er hätte sagen können, wie weh es tut, nach 42 Minuten und dem Platzverweis gegen Valon Behrami aus taktischen Gründen ausgewechselt zu werden. Er hätte betonen können, dass es nicht einfach war, im Mittelfeld für die Defensive zu arbeiten. Oder er hätte Zuversicht verbreiten können; immerhin haben die Schweizer auch nach der Niederlage von Port Elizabeth noch intakte Chancen auf das Erreichen der Achtelfinals.
Keine Pluspunkte
Doch Alex Frei schwieg. Weil er – so seine Annahme – nicht mithelfen konnte, ein besseres Resultat zu erreichen, hat es aus seiner Sicht nichts zu sagen gegeben. Der Captain in der Wagenburg; abgeschirmt vom Feind. Doch Frei irrt sich. Valon Behrami und Eren Derdiyok, zwei andere Schweizer Verlierer an diesem Tag, stellten sich den Medien und erklärten kurz ihre Sicht der Dinge. Pluspunkte hätte auch der Biel-Benkemer sammeln können. Er verzichtete darauf, was ihm im Schweizer Lager als Unprofessionalität ausgelegt wird.
Damit verfestigt sich die These, die bereits am 9. Juni, Stunden vor dem Abflug nach Johannesburg, die Runde machte: Der Bluterguss am Knöchel, zugezogen im letzten Training auf Schweizer Boden, verpfuscht dem 30-Jährigen die WM. Noch steht ein Gruppenspiel an, noch wartet die Aufgabe gegen Honduras, noch kann sich Frei aus dem Tal der Tränen schiessen – aber eine Erfolgsgeschichte scheint auch dieses Turnier in Südafrika nicht zu werden. Dabei standen die Vorzeichen gar nicht schlecht. Noch als Alex Frei am 22. Februar mit gebrochenem Oberarm im Spital lag, verkündete Ottmar Hitzfeld, dass sein Captain «gesetzt sei». Das Vertrauen des Nationaltrainers war und ist da – beste Voraussetzungen also nach den Pleiten-Pech-und-Pannen-Turnieren 2004 (Spuckaffäre), 2006 (Auswechslung vor Penaltyschiessen gegen Ukraine) und 2008 (Innenbandriss im Knie beim Startspiel).
Enttäuschung über Kritik nach der Rückkehr
Doch Hitzfelds Support allein genügt nicht, um den Angreifer happy zu machen. Als er im Sommer 2009 von Dortmund zurück nach Basel kam, entbrannte eine Qualitätsdebatte, die Frei ins Mark traf. Teile der Medien wollten ausgemacht haben, er bringe es nicht mehr. Der Basler St.-Jakob-Park sei seine persönliche Altersresidenz. «Das hat mich sehr enttäuscht», sagt Frei, in Rennens und Dortmund als bester Torjäger geadelt. Beim FC Basel hat er auf seine Weise geantwortet: 15 Super-League-Tore in einer halben Saison. Die restliche Spielzeit war er verletzt. Dann kam die WM-Vorbereitung und mit ihr die nächste kritische Frage: Ist er WM-fit? Alex Frei fühlte sich schon in Crans-Montana angegriffen, in die Ecke gedrängt. Die 40 Tore zwischen März 2001 und September 2009 haben ihn zum Rekord-Torschützen der Auswahl gemacht.
«Manchmal habe ich aber dennoch nicht das Gefühl, dass diese Marke etwas zählt», hat Frei schon mehrfach betont. Seiner Ansicht nach läuft es oft so: Gewinnen die Schweizer und trifft Frei, hat er nur seinen Job erfüllt. Verliert Rotweiss, ist er der erste Sündenbock. Dass ein Blaise Nkufo beispielsweise 90 Minuten lang keinen Ball stoppen kann, interessiere dann niemanden mehr. Alex Frei hat 76 Länderspiele auf dem Buckel. Die Tatsache, dass in der Fussballwelt heute die Leistung von gestern keinen Deut zählt, wird er auch künftig nur schwer akzeptieren können. Deshalb würde es nicht mehr erstaunen, wenn der Captain nach der WM seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft geben würde. Nicht aus Trotz, sondern um sich künftig ganz auf den FCB konzentrieren zu können. Dort fühlt er sich wohl und verstanden. (Basler Zeitung)
Erstellt: 23.06.2010, 11:51 Uhr
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9 Kommentare
Ich kenne Alex seit vielen Jahren und er war für mich immer ein guter Kamerad ob auf den Fussballplatz oder bei mir im Restaurant. Bitte lasst Ihn in Ruhe und haut nicht immer auf Ihn ein, nur so kann er seine Einstellung zum Fussball wieder ins Lot bringen. Bitte bitte hört auf zu meckern besonders die nichts vom Fussball verstehen. Mfg Otto Antworten
Was soll diese unnütze, unnötige Berichterstattung gegen Alex Frei? Bereits gestern wurde über ihn berichtet, von seinem "fast krankhaften" Ehrgeiz usw. Dass er nicht bester Laune ist nach einer Auswechslung ist klar. Dennoch kann er wohl abolut nichts für die Niederlage gegen CHI. Hauptsache eine Story, hautpsache irgendwo den Daumen draufdrücken. Und das von der BAZ! Der FCB braucht ihn! Antworten







