WM 2010

Der Sohn eines Platzwarts besiegt Spanien

Von Sascha Rhyner, Vanderbijlpark. Aktualisiert am 17.06.2010

Gelson Fernandes sicherte sich mit dem Tor gegen Spanien einen Platz in der Schweizer Fussball-Historie. Dabei kam er erst als Fünfjähriger in die Schweiz.

1/11 Der erste Teil des Husarenstücks: Gelson Fernandes kämpft sich gegen die Spanier durch...
Bild: Reuters

   

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«Es war mit Sicherheit nicht mein schönstes Tor», sagte Gelson Fernandes irgendwann nach dem Match im Bauch des Moses-Mabhida-Stadions in Durban. Er war beim Gespräch mit den Journalisten genauso zappelig wie er auf dem Feld wirkt. Der 23-Jährige scheint keinen Moment still sitzen zu können. Um den Hals hat er bereits wieder die überdimensionierten Kopfhörer gelegt. Zouc und Funana wird er weniger später im Bus hören. Es ist die Musik aus seiner Heimat.

Am 2. September 1986 kam Fernandes in Praia auf den Kapverdischen Inseln vor der Westküste Senegals auf die Welt. Fünf Jahre später reiste er mit seiner Mutter in die Schweiz, ins Wallis. Da hatte sein Vater ein Jahr zuvor eine Arbeit gefunden. «Ich erinnere mich, wie ich mit dem Zug aus Paris ankam und vom Anblick der Natur schlicht überwältigt war», erzählte Fernandes einmal. Es habe dann aber nur ein halbes Jahr gedauert, bis Berge und Schnee für ihn normal wurden. «Nach einigen Monaten fühlte ich mich schon als Walliser.»

Erinnerung an afrikanische Wurzeln

Gelsons Vater arbeitete als Platzwart im Tourbillon – und macht dies noch immer. Beim FC Sion durchlief Fernandes junior sämtliche Junioren-Stufen und kam schliesslich in die erste Mannschaft. Da wurden Sven-Göran Eriksson und Manchester City auf den Mittelfeldspieler aufmerksam. Im Juli 2007 bezahlten die Citizens rund 9 Millionen Franken für Fernandes. Der Schwede bezeichnete ihn als «besten jungen Spieler in der Schweiz».

Er wurde zum ersten Captain einer Schweizer Junioren-Auswahl mit afrikanischen Wurzeln. Am 22. August 2007 debütierte Fernandes in der A-Nationalmannschaft – beim 2:1-Sieg gegen Holland in Genf. Doch bald war die Zeit von Eriksson bei den Skyblues vorbei und damit auch jene von Fernandes. Mark Hughes hielt vom jungen Walliser weniger und hatte vor allem das Geld, um sich eine teure und prominente Mannschaft zusammenzustellen. Fernandes wechselte im Juli 2009 von der Ersatzbank der Premier League in die Stammformation von St-Etienne. Das sicherte ihm auch den Platz im Schweizer WM-Team – und indirekt auch den Platz in der Schweizer Fussball-Historie.

Auch wenn sich Fernandes nun als Schweizer fühlt. Seine afrikanischen Wurzeln hat er nicht vergessen – nicht nur der Musik wegen. «Schauen Sie mich an, man weiss sofort, woher ich stamme», sagt er. Es sei seine Kultur, seine Wurzeln. Und dank der Musik könne er auch kurze Reisen dorthin machen. «Ein bisschen Zouc oder Funana, und schon hebe ich ab. In solchen Momenten bringt mich nichts mehr aus der Ruhe», erklärt Fernandes. Umso wirbeliger tritt er auf dem Feld auf. Und umso ausgelassener war seine Freude nach seinem zweiten Tor im 25. Länderspiel. Zum 1:0 gegen Spanien. Zum ersten Sieg überhaupt gegen Spanien. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.06.2010, 12:52 Uhr