WM 2010
Jetzt wird es für Frei ganz schwierig
Von Sascha Rhyner, Vanderbijlpark. Aktualisiert am 17.06.2010
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«Never change a winning team», sagt eine amerikanische Sportweisheit. Ottmar Hitzfeld ist zwar mehr für deutsche Tugenden bekannt, aber nach dem 1:0-Sieg gegen Spanien wird er kaum seine erfolgreiche Elf umstellen für das zweite Spiel der WM am Montag gegen Chile. Alex Frei hat eine Woche nach seiner Knöchelverstauchung heute wieder trainiert. Nichts möchte der 40-fache Torschütze im Nationalteam mehr, als an der WM spielen und Akzente setzen.
Für Experten wie Alain Sutter oder Toni Esposito ist aber klar: Für Alex Frei gibt es im Moment keinen Weg zurück ins Team. Erstens erledigte Eren Derdiyok gegen Spanien seinen Job auf der Position von Alex Frei mit zunehmender Spieldauer immer besser. «Ich verstand mich auch immer besser mit Blaise Nkufo», meinte er nach dem Spiel.
«Er ist megawichtig»
Und zweitens hält Hitzfeld an der Maxime fest, dass er nur auf 100% fitte Spieler setzen will. Deshalb gewährte er Frei nach dessen Oberarmbruch in den beiden Testspielen vor der WM so viel Spielpraxis wie möglich. Nach der neuerlichen Verletzung verlor Frei wieder eine Trainingswoche. Und der Angreifer musste bereits einmal erfahren, dass Hitzfeld nur auf ihn setzt, wenn er auch wirklich fit ist. Im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel gegen Israel liess der Trainer ihn 69 Minuten auf der Bank, weil er wegen einer Grippe leicht geschwächt war.
Im Schweizer Lager wird das sehr wohl heikle Thema derzeit elegant umschifft. Ersatz-Captain Gökhan Inler – ausserhalb des Rasenvierecks ohnehin die personifizierte Zurückhaltung – meinte: «Einen Alex Frei brauchen wir immer. Er ist megawichtig», so der von Hitzfeld zum Leader emporgehobene Solothurner. «Jeder ist wichtig. Auch die Jungen auf der Bank und der Staff, der uns motiviert», ergänzte er. Aber er sagte über den Sieg von Spanien schliesslich auch: «Wie haben ein ‹Zieli› erreicht.»
Nkufos Lob für Derdiyok
Auch Derdiyok erhob nach seinem starken Auftritt gegen Spanien keine Ansprüche. Der Stürmer von Bayer Leverkusen hatte den Ball schon vor dem Turnierstart bewusst flachgehalten, als ihm nur eine Jokerrolle zugedacht war. «Es bedeutet mir sehr viel, dass der Trainer mir vertraute. Es gab auch andere Möglichkeiten», sagte Derdiyok. Die Zusammenarbeit mit Nkufo habe gut geklappt, sie hätten den Ball gut halten können. Und gemeinsam kreierte das Sturmduo Derdiyok/Nkufo die beiden Schweizer Torchancen.
Ähnlich bedeckt hielt sich Nkufo in der Causa Frei: «Wir sind drei unterschiedliche Spielertypen. Aber Eren hat seine Sache sehr gut gemacht.» Es ist keine Neuigkeit, dass der Stürmer, der als Captain Twente Enschede zum holländischen Titel führte, und Alex Frei nicht die allerbesten Freunde sind. «Hauptsache, wir verstehen uns auf dem Platz», sagte der Basler während des Vorbereitungs-Camps im Wallis. Er hat Nkufo den Rassismus-Vorwurf an Köbi Kuhn im Jahr 2002 überhaupt nicht verziehen.
Ähnlich sieht die Situation auch für Valon Behrami aus. Der Tessiner kosovarischer Provenienz hätte schon gegen Spanien nur allzu gerne gespielt, doch Hitzfeld wollte das Risiko, dass seine Oberschenkel von Neuem aufbricht – was das WM-Out bedeutet hätte –, nicht eingehen. Und weil Tranquillo Barnetta vor allem defensiv und Gelson Fernandes nicht nur seines Tores wegen in beiden Richtungen eine gute Partie zeigten, wird sich Behrami wohl oder übel vorerst mit der Reservistenrolle bescheiden müssen. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.06.2010, 16:38 Uhr





