WM 2010
Schweizer spielten zu naiv
Von Sascha Rhyner, Port Elizabeth. Aktualisiert am 21.06.2010 53 Kommentare
Um es kurz zu machen. Die Schweizer Naivität ist an vier Punkten festzumachen:
1. Die Naivität gegenüber de Schiedsrichter
Als der Schiedsrichter nach nicht einmal zwei Minuten Humberto Suazo für nichts verwarnte, sollten die Alarmglocken läuten. Spätestens nach der gelben Karte gegen Blaise Nkufo für noch weniger, war es klar. Der saudische Schiedsrichter Khalil Al Ghamdi hatte die Karten so locker wie ein Revolverheld seinen Colt. Und die Foulpfiffe gab es auch à discrétion. Nicht einseitig, sondern auf beide Seiten. Die Chilenen nutzten dies gekonnt und fielen immer wieder hin auf dem unebenen Rasen im Nelson-Mandela-Bay-Stadion. Und die Schweizer? Sie nervten sich mit jedem Foulpfiff mehr über den Unparteiischen.
2. Die Naivität von Behrami
Klar war die rote Karte gegen Valon Behrami überhart. Nur: Man hat solche roten Karten eben schon gesehen. Und von einem gestandenen Premier-League-Profi darf man erwarten, dass er genau den vorher erwähnten Punkt einschätzen kann. Und dann eben entsprechend nicht mit den Armen nach hinten fuchtelt. Aber es ist auch klar. Es ist Teil von Behramis wildem Spielstil. Und schliesslich konnte auch Franz Klammer auf den Abfahrten das Rudern plötzlich abstellen.
3. Die Naivität beim Gegentor
Die Chilenen waren vor allem eines: schnell wie der Wind, der durchs Stadion in Port Elizabeth pfiff. Und dabei immer auf Offside zu spielen, ist schon fast so riskant, wie im Roulette immer auf die 13 zu setzen. Im Casino hat man irgendwann kein Geld mehr, auf dem Fussballplatz klingelt es irgendwann im eigenen Tor. Esteban Paredes startete zwar leicht im Offside – von blossem Auge kaum zu erkennen –, aber er entwischte der Schweizer Abwehr um mehr als nur diese paar Zentimeter die er jenseits der imaginären Offsidelinie gestartet war. Die Schweizer hatten einige Male Glück, dass die Chilenen entweder naiv in die Offsidefalle trampelten, oder dann vor dem Tor kläglich vergaben.
4. Die Naivität in der Schlussphase
Ein 1:1 wäre für die Schweiz ein wunderbares Resultat gewesen. Ein 0:2 hätte zwar nicht die vorschnelle Heimreise bedeutet, aber die Swiss hätte wohl den Charter-Airbus, der die Nationalmannschaft nach Hause bringen wird wohl schon einmal feinsäuberlich gewartet. Die Schweiz verdankte die knappe Niederlage letztlich mehr der chilenischen Abschlussschwäche – Paredes sei hier besonders hervorgehoben – als der soliden Abwehrarbeit. Sie hatte auf der Suche nach dem Ausgleich sehr viel nach vorne geworfen. Und man kann anfügen, wäre auch durch Derdiyok fast belohnt worden. Aber eben nur fast. Die Chilenen bestraften die Schweizer Naivität in der Schlussphase glücklicherweise nicht. Und das 0:1 bedeutet nichts mehr, als wohl ein Sieg gegen Honduras bereits für die Achtelfinals reicht. Mit einem Tor Unterschied mit Bibbern auf das Parallelspiel Chile – Spanien. Bei zwei Toren Unterschied ganz sicher. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.06.2010, 22:47 Uhr
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53 Kommentare
Ein Unentschieden wäre ein Hohn gewesen für einen Fussballstil, der an einer WM nichts verloren hat. Hitzfeld in Ehren, aber wer will schon Betonfussball sehen. Wenn man zweimal in der eigenen Hälfte "Fussball" spielt, kann man nicht davon ausgehen, zweimal zu gewinnen. Antworten
Guter Kommentar, auch wenn der Ärger über die Refs verständlich ist. Man muss bei sich selbst anfangen wenn man etwas verbessern will. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Profis sollen sich auf ein verändertes Umfeld rascheinstellen können, Hier pflichte ich sachs Rhyner voll bei. Ein unentschieden wäre schön gewesen. Tapfer gekämpft, verloren, aufstehen, weiterkämpfen! Es ist ja nur ein Spiel! Antworten







