WM 2010
«Das Problem ist nicht Anelka, sondern der Verräter unter uns»
Von Stephan Roth. Aktualisiert am 20.06.2010
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Die Sportzeitung «L'Equipe» hatte die Affäre in ihrer Samstagsausgabe ins Rollen gebracht. In grossen Lettern auf der Titelseite stand, was Anelka in der Pause der Partie gegen Mexiko (0:2) Domenech an den Kopf geworfen hatte: «Va te faire enculer, sale fils de pute!»
Bei einem Krisentreffen mit Domenech, den Spielern und hohen Verbandsfunktionären wurde die Suspendierung Anelkas beschlossen, nachdem Domenech vergeblich auf eine Entschuldigung des Angreifers gewartet und Präsident Nicolas Sarkozy den Vorfall als «inakzeptabel» taxiert hatte. Bereits am Samstagabend verliess Anelka das Camp der Franzosen.
«Der Journalist hat das nicht erfunden»
«Jedesmal wenn ich in der Equipe de France bin, habe ich den Eindruck, dass man vergisst über Fussball zu sprechen», klagt Frankreichs Captain Patrice Evra. «Das Problem ist nicht Anelka, sondern der Verräter unter uns, den man eliminieren muss.»
Der Verteidiger von Manchester United hat auch einen Verdacht, wer für die Indiskretion verantwortlich ist. «Für mich kommt das von jemandem, der innerhalb dieser Gruppe ist, im Staff, der der Nationalmannschaft schlechtes wünscht. Der Journalist hat das nicht erfunden.»
«Alle Spieler wollten, dass er bleibt»
Sorgen macht Evra, dass Kinder Anelkas primitive Attacke an den Kiosken lesen können. Anelkas Beleidigung sei untragbar, so der Captain. Er sei beim Disput zwischen Trainer und Spieler dazwischen gegangen. «Ich sagte: ‹Was machen wir da? Wir haben einen Match zu gewinnen.›»
«Die Leute kennen ihn nicht, aber ich kenne ihn. Ich kenne ihn als gutartigen Typen», sagte der Linksverteidiger an einer Medienkonferenz über Anelka. «Er ist verletzt, es geht ihm wirklich schlecht. Er ist fertig. Er hat seine Gründe. Vielleicht ist etwas passiert und... voilà. Aber wer macht keine Fehler? Im Verein passiert so etwas auch. Das kann unter Männern vorkommen.»
Auf die Frage, wie viele Spieler sich für den Verbleib von Anelka im Team ausgesprochen hätten, antwortete Evra: «Alle Spieler wollten, dass er bleibt.»
«Es war nie mein Ziel, das Nationalteam zu destabilisieren»
Anelka bestätigte, dass er eine erhitzte Diskussion mit Domenech gehabt habe. Der Wortlaut sei aber ein anderer gewesen. «Die Diskussion war in der sicheren Kabine, zwischen dem Coach und mir, vor meinen Teamkollegen und dem Staff. Das hätte nicht aus der Kabine dringen dürfen», so der Chelsea-Star. «Es war nie mein Ziel, die Nationalmannschaft, eine Institution, die ich respektiere, zu destabilisieren.»
Er akzeptiere seinen Rauswurf, so Anelka. Er wünsche der Mannschaft viel Glück gegen Südafrika. Mehr wolle er im Moment nicht sagen, da Frankreich vor einem wichtigen Spiel stehe, in dem es um die Qualifikation für die Achtelfinals gehe. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.06.2010, 00:15 Uhr






