WM 2010

Maradona will sich an Deutschland rächen

Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 01.07.2010

An der WM 2006 liessen deutsche Ordner Diego Maradonas Freunde nicht ins Berliner Olympiastadion. Für diese Majestätsbeleidigung will Argentiniens Fussball-König Deutschland am Samstag büssen lassen.

1/20 Im Jahr 2000 erhält Diego Maradona von Sepp Blatter die Auszeichnung als Spieler des 20. Jahrhunderts. Er gewann eine Internetabstimmung und teilt diese Auszeichnung mit Pele, der von den Fifa-Mitgliedern gewählt wurde. Noch heute dauert die Diskussion um den besten Spieler der Geschichte zwischen Pele und Maradona an.
Bild: Keystone

   

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Mit dem WM-Viertelfinal zwischen Deutschland und Argentinien vor vier Jahren verbindet Diego Maradona ganz schlechte Erinnerungen – nicht nur wegen des deutschen Siegs im Penaltyschiessen. Maradona, damals ein seltsamer Tribünengast mit ebenso seltsamen Manieren und Zigarre im Mund, verliess das Berliner Olympiastadion an jenem 30. Juni 2006 unter wilden Protesten, da einigen seiner Freunde der Einlass in die Arena verwehrt worden war. Am Samstag stehen seine Freunde auf dem Rasen, neue Freunde namens Lionel Messi und Gonzalo Higuain. Sie sollen Argentinien gegen die Deutschen in die Halbfinals schiessen und nebenbei die schlechte Behandlung ihres Chefs im Land des Kontrahenten rächen.

«Ich will mir ein Trikot anziehen und aufs Feld stürmen»

«Für Deutschland ist die WM vorbei», verspricht Maradona vollmundig. «Ich weiss, wie ich meine Jungs aufs Feld schicken muss, damit wir als Sieger vom Platz gehen. Meine Gala-Elf wird das schon machen, ganz sicher.» Im Geist ist der Weltmeister von 1986 noch immer Spieler. «Ich würde am liebsten dabei sein, ich will mir ein Trikot anziehen und aufs Feld stürmen», sagt er. «Er lebt das Ganze noch intensiver als wir. Er fühlt wie ein Spieler», beschreibt Abwehrspieler Martin Demichelis.

Maradona führt Argentinien bisher mit einem Mix aus Wahnsinn und Hingabe traumwandlerisch sicher durchs Turnier. Seine Spieler sehen zu ihm auf, er selbst umarmt nach Toren und Siegen alles, was ihm über den Weg läuft. Seinem Star Lionel Messi schenkte Maradona zu dessem 23. Geburtstag in der vergangenen Woche ein T-Shirt mit der folgenden Aufschrift: «Mit all meiner Liebe und Bewunderung. Für Lio. Dein Trainer Diego.» Stellen Sie sich vor, Ottmar Hitzfeld würde so etwas für Diego Benaglio oder Alex Frei tun...

Die Schwachstelle der Argentinier heisst Demichelis

Maradona ist aber längst nicht nur der Entertainer und Motivator an der Seitenlinie. Er besitzt mit Carlos Bilardo, seinem Weltmeister-Coach von 1986, auch eine Art externe Festplatte. Bilardo, dessen offizielle Berufsbezeichnung Teammanager lautet, hat in seinem Kopf taktische Winkelzüge aus mehreren Jahrzehnten abgespeichert und stellt diese seinem Ex-Schützling zur Verfügung. Dass Maradona mit einem allzu sorglosen Konzept gegen die Deutschen antreten wird, ist also nicht anzunehmen.

So hofft die DFB-Elf am Samstag im Viertelfinal-Schlager vor allem auf Schwächen im argentinischen Abwehrverbund. Dort macht vor allem Bayern-Profi Martin Demichelis bisweilen einen unsicheren Eindruck. «Die Gauchos sind hinten verwundbar», betont der frühere Weltklasse-Verteidiger Guido Buchwald, im WM-Final 1990 Maradonas Gegenspieler.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.07.2010, 10:04 Uhr